Wochenkommentar

Mittwoch, 10. April 2019

Wenn Arbeit krank macht

Das Berufsleben ist kein Kindergeburtstag, sondern Arbeit und Einsatz. Aber jetzt liegen erschreckende Zahlen vor...

Die Krankentage wegen psychischer Probleme haben sich innerhalb von zehn Jahren auf zuletzt 107 Millionen pro Jahr verdoppelt. Menschen können den psychischen Stress am Arbeitsplatz nicht mehr aushalten, dem viele auf ganz neue Weise ausgesetzt sind. Es mag für unsere weithin von kommerziellem Denken bestimmte Zeit kennzeichnend sein, dass die Ausfalltage sofort in wirtschaftlichen  Verlust umgerechnet wurden. Aber in diesen Zahlen zeigt sich immerhin, dass das Überfordern von Mitarbeitern nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch wirtschaftlich falsch ist: Die Ausfallkosten durch diese Krankentage haben sich innerhalb von zehn Jahren von 12,4 Milliarden auf 33,9 Milliarden Euro fast verdreifacht. Das muss doch wenigstens zum Nachdenken bringen.

Was ist los in unserer Arbeitswelt und in unserer Zeit? Es gibt doch heutzutage – nicht zuletzt als Folge der Digitalisierung – viel neue Technik, von der erwartet werden könnte, dass sie das Berufsleben, viele Bereiche der Arbeit erleichtert. In Wirklichkeit aber werden die Menschen zunehmend belastet, bis zur Überforderung. Das Gegenteil von dem Erhofften und Versprochenen tritt ein und ist schon eingetreten. In zu vielen Unternehmen werden Menschen ausgebeutet. Sie sollen funktionieren. Arbeitszeiten werden gefordert, die auf Bedürfnisse der Menschen keine Rücksicht nehmen. Sechs Tage arbeiten, aber am siebten Tag ruhen? Da lachen Spezialisten  unserer Tage – obwohl auch sie wissen, dass diese Abfolge für die Menschen gut und wichtig ist. Wenn aber Arbeit krank macht, dann ist das ein Alarm, den Wirtschaft und Politik nicht überhören dürfen; nicht zuletzt sind auch die Gewerkschaften gefordert. Berufliche Arbeit, Mitarbeit muss auch im 21. Jahrhundert und in einer hektisch gewordenen Gesellschaft in Respekt vor dem Menschen möglich sein. Dafür gibt es – Gott sei Dank – gute Beispiele.

Freilich stellt sich auch die Frage, wieviele Zeitgenossen bereit und in der Lage sind, zur Ruhe zu kommen. Die Masse der großen und kleinen, handlichen Bildschirme beanspruchen die Nerven überall und zu jeder Zeit. Noch ein Alarm: Jedes vierte Kind hat psychische Probleme. (Rudolf Bauer)

Redakteur:  Redaktion

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