Dombauverein

Freitag, 21. Mai 2021

Speyer und seine Heiligen im Mittelalter

Wissenschaftliches Forum des Dombauvereins

Wie jedes Jahr wartet der Dombauverein seinen Mitgliedern und Freunden des Speyerer Domes auch 2021 mit zwei wissenschaftlichen Vorträgen auf. Den Corona-Fallzahlen geschuldet wurde das 1. Wissenschaftliche Forum als Online-Vortrag angeboten. Die Resonanz auf die Veranstaltung war sehr groß.

Als Ausgangspunkt für seinen Vortrag wählte der Referent, Privatdozent Dr. Benjamin Müsegades, den Ort im Speyerer Dom, an dem noch heute kostbare Reliquien zu sehen sind. Die Katharinenkapelle auf der Südseite des Domes. Mit dem Speyerer Dom eng verbunden sind der Heilige Guido von Pomposa und der Heilige Papst Stephanus, die außerhalb Speyer jedoch wenig bekannt sind.

In der Welt des Mittelalters waren Heilige omnipräsent. Bis in die Gegenwart wird ein Heiliger als Fürsprecher für uns Menschen bei Gott verstanden.

Im ersten Teil beleuchtete der Referent die Stadt Speyer im Mittelalter, den Dom und seine Patrone.  Speyer war schon im frühen Mittelalter Bischofssitz, war aber im Vergleich zu Worms, Mainz und Köln klein und unbedeutend. Die Bedeutung der Stadt wuchs mit den Saliern und deren Grablege im  Speyerer Dom. Warum schon früh von einem Doppelpatrozinium Maria und dem Heiligem Stephanus die Rede ist, wisse man nicht, finde dies aber auch bei anderen Domen, wie beispielsweise beim Dom zu Metz. Die Quellenlage sei dürr, erklärte Müsegades. An Hand einer Skizze zeigte er, wo der Merowingische Dom und der Karolingische Dom im Verhältnis zum Salischen Dom wie auch das St. Johannes- und Guido Stift gestanden haben, an das heute nur noch der St.-Guido-Stiftsplatz erinnert. 1047 habe Heinrich III. die Reliquien des Heiligen Guido nach Speyer gebracht, eine im Mittelalter durchaus übliche Praxis, um die Heilmächtigkeit eines Ortes zu erhöhen. Es fehlten jedoch Quellen dafür, dass er auch den Kopf des Heiligen St. Stephanus mitgebracht habe.

In Finnland sei man bei einem Münzfund auf eine beschädigte Münze gestoßen, die auf der einen Seite Maria und auf der anderen Seite einen Mönchskopf mit der schwer lesbaren Inschrift S – St trage, die um 1050 geprägt worden sein müsse. Weise diese Aufschrift auf den Heiligen Stephanus hin? In den schriftlichen Quellen finde man widersprüchliche Angaben zum Heiligen Papst Stephanus und Speyer. Die Münzen würden zumindest auf einen regen Handel nach Nordeuropa hinweisen.

Den zweiten Teil seines Vortrags widmete Müsegades dem Besuch von Bernhard von Clairvaux in Speyer an Weihnachten 1146.  In einer flammenden Rede habe dieser für den Kreuzzug nach Jerusalem geworben. Es sei wenig überliefert über seinen Besuch in Speyer. Johann Seffried von Mutterstadt, Domvikar und kaiserlicher Notar in Speyer, habe Mitte des 15. Jahrhunderts eine Chronik der Bischöfe zu Speyer geschrieben, in welcher der Besuch Bernhards und seine Zwiesprache mit Maria erwähnt wurde. Diese Geschichte um Maria und Bernhard habe sich wohl erst im 13. Jahrhundert entwickelt. Von Seiten der Stadt Speyer gebe es keine Nachrichten zu diesem Besuch des Heiligen Bernhard.

In einem Fresko von Johannes Schraudolph von 1848, das sich heute im Kaisersaal befindet, sehe man, wie Bernhard von Clairvaux im Inneren des Domes vor der Marienstatue knie und mit der Gottesmutter Maria Zwiesprache halte. Das ihm zugeschriebene Antiphon O CLEMENS, O PIA, O DULCIS, VIRGO MARIA ist heute in goldenen Lettern in die Sandsteinplatten im Mittelgang des Langhauses des Domes eingelassen.

Noch heute sei der Domnapf ein sichtbares Zeichen für die Grenze der Domimmunität. Im letzten Teil seines Vortrags zeigte der Referent, wie sich die Heiligenverehrung auch im Stadtsiegel der Stadt Speyer widerspiegelt. 1294 verließ der Bischof die Stadt. Vom Ende des 13. bis Ende des 18. Jahrhunderts werde die Stadt Speyer von dem Rat der Stadt, bestehend aus Münzern und Hausgenossen, regiert. Trotz Konflikten zwischen Rat und Bischof werde im Stadtsiegel immer auf die Padrone der Bischofskirche, dem Dom zu Speyer, zurückgegriffen. So in den Stadtsiegeln von 1212, und 1231. Erst in dem zweiten Speyerer Sekretsiegel von 1340 werde eine Maria Verkündigung mit Erzengel Gabriel dargestellt, was dahingehend gedeutet werden könne, dass die alte Elite der Stadt abgesetzt wurde.

Der Referent verstand seinen Vortrag als einen Einblick in die Heiligenlandschaft des Speyerer Domes mit Fokus auf Maria, den Heiligen Stephanus und den Heiligen Bernhard von Clairvaux. Abschließend zeigte er, dass auch der Rat der Stadt Speyer bei dem Stadtsiegel Maria als Hauptpatronin gewählt habe.

2020 habilitierte Dr. Benjamin Müsegades  an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg für Mittelalterliche Geschichte und Historische Grundwissenschaften mit der Habilitationsschrift "Heilige in der mittelalterlichen Bischofsstadt. Speyer und Lincoln im Vergleich (11. bis frühes 16. Jahrhundert).

Zum eben diesem Thema ist vom Referenten eine gebundene Ausgabe wie auch ein E-Book im Buchhandel erhältlich.

Wer den Vortrag versäumt hat, kann von der Geschäftsstelle des Dombauvereins einen Link zur Aufnahme der Veranstaltung erhalten.

Diese Meldung und weitere Nachrichten von Dombauverein
finden Sie auf folgender Internetseite: www.dombauverein-speyer.de

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