Redaktion der pilger

Freitag, 07. Januar 2022

Zu Ehren von Edith Stein

Betrachten das Taufbuch mit dem Eintrag Edith Steins, von links: Pfarrer Bernd Höckelsberger, Kaplan Rayapa Reddy Beerla und Bischof Karl-Heinz Wiesemann. (Foto: Ehrhardt)

Pontifikalamt: Vor 100 Jahren wurde sie in Bergzabern getauft

Mit einem Pontifikalamt in der weihnachtlich geschmückten St. Martinskirche in Bad Bergzabern feierte die Pfarrei Heilige Edith Stein den hundertsten Jahrestag der Taufe der Jüdin Edith Stein, die nach ihrem Märtyrertod in Auschwitz 1987 selig- und 1998 heiliggesprochen wurde.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zeichnete Edith Steins Weg der Konversion vom Judentum zum Christentum nach. Es sei für ihn ein berührender Moment, „als Bischof am Altar hier in der St. Martinskirche zu stehen, in der vor hundert Jahren Edith Stein getauft wurde, und einen Blick ins Taufbuch der Gemeinde zu werfen“. Die Taufe hatte am 1. Januar 1922 Pfarrer Eugen Breitling vorgenommen. Vom Taufstein aus segnete der Bischof die Gemeinde.

Es zeuge von tiefer Vertrautheit, Geborgenheit und Gottvertrauen, wie Edith Stein in einem von ihr geschriebenen Gebet (siehe Seite 13) mit ihrem Namen spielt: „Bin aus Deinem Mosaik ein Stein / Wirst mich an die rechte Stelle legen“. Der Tag ihrer Taufe, der Oktavtag nach Christi Geburt, wie der Firmung seien von ihr bewusst gewählt worden. Der achte Tag nach der Geburt eines Kindes, der Tag der Beschneidung, sei der Tag des Bundes mit Gott. Die Firmung erhielt Edith Stein 40 Tage später, am 2. Februar, nach der Reinigung während der 40-Tage-Quarantäne, an dem Kinder der jüdischen Tradition nach dem Schöpfer übergeben werden. Bereits am 2. Januar hatte Edith Stein in Speyer in der Hauskapelle des Bischofshauses erstmals die Kommunion empfangen. Tauf- und Firmdatum zeigten, dass Edith Stein bewusst ihre jüdischen Wurzeln in ihr neues Leben einbezogen habe. Auch später, am Beginn ihres Weges nach Auschwitz, besinnt sie sich auf ihre Wurzeln, als sie, mittlerweile Karmelitin, zu ihrer Schwester Rosa sagt „Komm, wir gehen für unser Volk!“

Der Aufbruch der katholischen Kirche nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner grausamen Zerstörung aller Humanität ließ auch Edith Stein, die sich in ihrer Jugend als Atheistin bezeichnet hatte, die Gottesfrage stellen. Das intellektuelle Milieu in Göttingen, wo sie bei dem Philosophen Edmund Husserl studierte, brachte Edith Stein „auf den Weg“. Eine Begegnung in Frankfurt hatte sie zudem zutiefst berührt: Sie hat Gott im Leben der einfachen Frau gefunden, die im Dom betete; hier erlebte sie die Wirklichkeit und die Kraft des Gebets. Adolf Reinach, ein Schüler Husserls, war mit seiner Frau zum Christentum konvertiert. Als er starb, erlebte sie bei Anna Reinach die christliche Auferstehungshoffnung anstelle abgrundtiefer Verzweiflung. Ihr half sie die Bibliothek ihres verstorbenen Mannes aufzuräumen und erhielt dafür als Geschenk ein Buch der Teresa von Avila, das sie auf die Reise nach Bergzabern mitnahm, wo sie die Philosophin Hedwig Conradt-Martius besuchte. Es sei eine Legende, dass sie es in einer Nacht gelesen habe, tatsächlich habe es aber eine große Bedeutung für sie gehabt. Ihre Taufe wenig später sei ein bewusster Schritt zum Neuanfang gewesen.

Musikalisch bereichert wurde das Pontifikalamt von einer Schola unter Leitung von Heinrich Grimm an der Orgel. Pfarrer Bernd Höckelsberger hatte zu Beginn des Gottesdienstes u.a. Landrat Dietmar Seefeldt, Stadtbürgermeister Hermann Augspurger und den Bürgermeister von Niederotterbach, Rudi Schwöbel, begrüßen können. Mit dem Bischof am Altar standen neben Höckelsberger auch Pfarrer Tobias Heil, Kaplan Rayapa Reddy Beerla und die Diakone Achim Weiland und Andreas Roth. Der angekündigte und wegen der Corona-Situation aber ausgefallene Vortrag der Edith-Stein-Gesellschaft wird im Oktober nachgeholt. (Doris Ehrhardt)

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