Redaktion der pilger

Mittwoch, 28. September 2022

Hier sind Fledermäuse willkommen

Karl Giesen und Annette Schwarz mit dem Fledermauskasten. (Foto: Nabu)

Wer kann mit den Händen fliegen, mit den Ohren sehen, über Kopf schlafen und die Nacht zum Tag machen? Richtig - das sind die Fledermäuse, für die sich der liebe Gott wohl eine besonders raffinierte Biologie und Überlebensstrategie ausgedacht hat. Allerdings kommt ihm der Mensch – wie bei vielen anderen Bedrohungen für die Schöpfung – auch hier in die Quere.

Seit über 50 Millionen Jahren gibt es Fledermäuse in Deutschland – die letzten 50 Jahre haben sie allerdings an den Rand der Ausrottung gebracht“, beklagt der Naturschutzbund (NABU). Vor allem die immer monotoner werdende Landwirtschaft und das schrumpfende Nahrungsangebot, der Einsatz von Insektiziden und der Verlust von geeigneten Lebensräumen machen den Flatterwesen zu schaffen. Besonders das Große Mausohr und die Zwergfledermaus, aber auch andere Hausfledermäuse, die als Kulturfolger gerne in der Nähe der Menschen leben, werden oft unbewusst aus ihren angestammten Quartieren vertrieben und heimatlos.

Viele Hausbesitzer wissen gar nicht, dass durch den Abriss eines leer stehenden Schuppens, durch das Verdichten von Mauerhohlräumen und Ziegelritzen oder durch das hermetische Abdichten von Dachböden wichtige Sommerquartiere dieser besonderen Säugetiere zerstört werden. Dabei macht man sich mit solch unbedachtem Handeln sogar strafbar, weil alle 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten unter Naturschutz stehen. Das bedeutet, dass sowohl die Tiere selbst als auch ihre Lebensräume einen expliziten Bestandschutz genießen. Um den flatterhaften Gesellen, die uns übrigens lästige Stechmücken vom Leib halten, eine Zukunft zu sichern, hat der NABU Rheinland-Pfalz die Aktion „Fledermäuse willkommen“ ins Leben gerufen und in diesem Zusammenhang große Hoffnungen auf die Dachböden und Glockentürme von Kirchen gesetzt.

Viele Gotteshäuser haben nämlich eine lange Geschichte und sind deshalb über Jahrhunderte hinweg nicht nur für Dörfer und Städte prägend, sondern auch für das kollektive Gedächtnis der Fledermäuse. Über Generationen hinweg – und dabei muss man bedenken, dass die leisen Nachtsegler über 40 Jahre alt werden können – kommen sie aus ihren Winterquartieren immer wieder an die gleichen Orte, um dort im Sommer abzuhängen und ihre Wochenstuben für den Nachwuchs einzurichten. Kirchen und Kirchtürme gehören zu ihren festen Ankerpunkten in immer gefährlicher werdenden Zeiten. Deshalb kann man hier auch besonders gut nach ihren heutigen Vorkommen suchen und anhand der winzigen Kotspuren die vorhandenen Bestände dokumentieren. Genau das hat sich Annette Schwarz aus Leinsweiler zur Aufgabe gemacht. Im vergangenen Jahr hat sie in der Südpfalz für den NABU 72 Kirchen (davon 39 katholische) besucht und in fast 50 Prozent aller Gotteshäuser Fledermausvorkommen nachgewiesen. Bei 30 Kirchen könnte die Situation für die Nachtsegler optimiert werden.

Nicht immer allerdings zeigen sich die Pfarrer vor Ort kooperativ, bedauert die Fledermausbotschafterin, die sich deshalb umso mehr über die Unterstützung durch die evangelische Arbeitsstelle Frieden und Umwelt und durch das Bischöfliche Bauamt freut. Wie aber kann eine Kirche fledermausfreundlich werden? Annette Schwarz und ihre Mitstreiter in ganz Rheinland-Pfalz stehen jeder Pfarrgemeinde gerne und unentgeltlich mit Rat und Tat zur Seite. Manchmal braucht es gar nicht viel, um vorhandene Vorkommen zu schützen. Es reicht mitunter schon aus, die nächtliche Kirchenbeleuchtung für einige Stunden auszuschalten, was nun ja zusätzlich zu einer wichtigen Stromersparnis führt. Für die nachtaktiven Fledermäuse, so erklärt die Expertin, wirkt helles Licht wie eine Mauer. Denn die kleinen Kerlchen, die ja den ganzen Tag in dunklem Gebälk abhängen und erst in der Dämmerung auf Jagd nach Mücken und Insekten gehen, werden von der Außenbeleuchtung der Kirchen so geblendet, dass sie die Ausflugöffnungen nicht finden können, wie gefangen im Inneren verharren müssen und schließlich verhungern.

Die Aktion „Licht aus? Danke!“ des Bistums Speyer, die beispielsweise in Birkweiler prompt in Tat umgesetzt wurde, will die Kirchengemeinden dazu ermuntern, diesen einfachen, aber effizienten Beitrag zum Fledermausschutz zu leisten. Eine weitere Hilfe für die sympathischen Plattnasen, so erläutert Annette Schwarz, ist das Anbringen von sägerauen Brettern und hölzernen Spaltkästen unter der Dachkonstruktion. Das ermöglicht den Sommergästen eine ruhige, gefahrlose Aufzucht der Jungen bei schützender Dunkelheit. Bauanleitungen für die Spaltkästen, die es in zwei Größen für verschiedenen Fledermausarten gibt, findet man auf der NABU-Seite im Internet.

Aber auch Annette Schwarz und ihr Mann Karl Giesen packen beim fledermausfreundlichen Wohnstubenbau und seinem Anbringen im Kirchendachstuhl gerne mit an – so wie sie das in diesem Frühjahr in der Simultankirche in Siebeldingen getan haben. Hier wurden mit Spaltkästen und Holzbalken bereits vorhandene Quartiere verbessert. In der Kirche St. Sebastian in Roschbach dagegen hat man zum großen Bedauern von Franz Pioth keine Hinweise auf Fledermausvorkommen gefunden. Dabei hat das rührige Mitglied des Gemeindeausschusses als kleiner Bub mit seinem Vater dort oft das Große Mausohr beobachtet. Pioths Wunsch ist es deshalb, den Handflüglern im Gebälk der Barockkirche wieder einen Unterschlupf zu geben. Unterstützt wurde er dabei von Josef Hemberger, der in den Dachstuhl selbst gefertigte, tauben- und wettersichere Einflug-Fenster einbaute.

Alle Kirchen, die den Flügeltieren ein guter Gastgeber sind, werden mit der „Fledermäuse-Willkommen“-Plakette des NABU (Bild auf Seite 28) ausgezeichnet: ein Dankeschön für Institutionen, Gemeinden und auch Privatpersonen, die ihre eigenen Optionen für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Abendsegler ausloten. Brigitte Schmalenberg

Weitere Infos unter:
https://rlp.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse/fledermaeuse-willkommen/index.html

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