Redaktion der pilger

Donnerstag, 27. Oktober 2022

„Wir gestalten Zukunft“

Gabriele Kemper, die ehrenamtliche Vorsitzende der Diözesanversammlung. (Foto: is)

Die Diözesanversammlung hat sich im November 2020 konstituiert, am 1. Oktober konnte erstmals ein persönliches Treffen der Delegierten in einer Vollversammlung stattfinden. Die nächste Versammlung ist für 4. und 5. November im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen angesetzt. (Foto: der pilger/Fraleoni)

Interview mit Gabriele Kemper zu Einsparvorschlägen des Bistums und die Rolle der Diözesanversammlung

Am 1. Oktober wurden der Diözesanversammlung (DV) und somit der Öffentlichkeit in einem Dossier Vorschläge präsentiert, in welchen Bereichen das Bistum bis 2030 seinen Finanzhaushalt um 15 Prozent bzw. 30 Millionen Euro verringern will. Kurz vor dem Beginn der nächsten Vollversammlung am 4. und 5. November fragten wir bei der Vorsitzenden Gabriele Kemper zum aktuellen Stand nach.

Frau Kemper, die Reaktionen auf die Sparvorschläge schienen zunächst verhalten zu sein. Wie bewerten Sie aktuell die Reaktionen auf das Vorschlagsdossier bei Mitarbeitenden innerhalb des Bistums und seitens der Öffentlichkeit?

Die Einsparvorschläge zur Haushaltskonsolidierung im Rahmen des Strategieprozesses wurden am 1. Oktober den Mitgliedern der Diözesanversammlung präsentiert: Mit der Bitte, bis zum 25. Oktober die Vorschläge zu prüfen und Änderungsvorschläge einzureichen, die dann wiederum in einem überarbeiteten Dossier am 4. und 5. November beraten werden. Es gehört zum Auftrag der DV-Mitglieder, die Dossiers mit Blick auf die zukünftige pastorale Schwerpunktbildung kritisch zu prüfen und zu hinterfragen. Ich habe den Eindruck: Genau dies ist geschehen.

Wir gestalten Zukunft. Da ist es gut, wenn Vorschläge kontrovers diskutiert werden und die Beratungen zu Ergebnissen führen, die uns helfen, die Zukunft unserer Kirche gut zu gestalten. Reaktionen gab es bei sowohl von Mitarbeitenden als auch von ehrenamtlich Tätigen aus den kirchlichen Gremien, Gruppierungen und Verbänden. In der Diözesanversammlung sind Katholikenrat, Priesterrat, Allgemeiner Geistlicher Rat sowie Vertreter der Berufsgruppen vertreten.

Die Verantwortlichen des Strategieprozesses riefen zur Beteiligung auf – heißt das, der vorgeschlagene Rahmen des Sparkonzeptes war von vorne herein auf Nachbessern angelegt? Ist aus Ihrer Sicht das bisherige Konzept ausgewogen?

Die Vorschläge zu Einsparungen sind genau das: Vorschläge! Bevor die Mitglieder der Diözesanversammlung ihre Stimme zu einem weit in die Zukunft reichenden Konzept abgeben, müssen sie die Möglichkeit haben, die Überlegungen zu prüfen und Änderungsvorschläge einzureichen. Das Konzept wurde im Lenkungskreis des Strategieprozesses nach sehr eingehenden Beratungen verabschiedet. Die Einsparsumme von 30 Millionen Euro pro Jahr ist durch den Diözesansteuerrat festgelegt.

Sehen Sie besondere Knackpunkte bei den Sparvorschlägen – was heißt es, bei den Kitas und Schulen stark zu sparen, hingegen bei der Verwaltung nur marginal?

Es gibt eine hohe Wertschätzung für die tägliche Arbeit unserer Beschäftigten – zum Beispiel in den Kindertagesstätten. Und zugleich müssen die Refinanzierungs-Verhandlungen für die Kitas Ergebnisse bringen, die sich eine deutlich kleiner werdende Kirche künftig leisten kann. Bei allen Aufgabenbereichen gilt es genau zu prüfen, was die vorgeschlagenen Einsparungen für die zukünftige pastorale Arbeit des Bistums bedeuten. Sollten die Mitglieder der Diözesanversammlung zukünftig ein stärkeres Engagement in bestimmten Aufgabenbereichen wünschen oder an anderen Stellen kräftiger einsparen wollen, können sie dies in ihren Änderungsvorschlägen ausdrücken: So werden Weichen für die Pastoral der nächsten Jahre gestellt.

Im Bereich Verwaltung sind viele vom Gesetzgeber vorgeschriebene Aufgaben gebündelt, die erledigt werden müssen. Allerdings scheint es gerade in diesem Bereich noch starken Klärungsbedarf zu geben. Und – wie bereits gesagt – auch zum Verwaltungsbereich können Vorschläge eingereicht werden.

Was liegt an Rückmeldungen, den so genannten Resonanzbögen, aus Gremien und von anderen Beteiligten vor – zeichnet sich nach einem ersten Überblick da eine Tendenz bei Veränderungswünschen ab?

Die Mitglieder der Diözesanversammlung konnten bis zum 25. Oktober so genannte Resonanzbögen abgeben, die auf einer Datenplattform („communicare“) eingestellt und somit für alle im Gremium transparent gemacht wurden. Dieses Verfahren war von der DV am 1. Oktober so beschlossen worden. Das Rahmenkonzept wird am 31. Oktober – in einer gemeinsamen Sitzung des Lenkungskreises, des Allgemeinen Geistlichen Rates und vom Hauptausschuss der Diözesanversammlung – nachjustiert. Spätestens am 2. November soll die neue Beschlussvorlage an alle Mitglieder der DV verschickt werden. Insgesamt wurden jetzt 38 Resonanzbögen abgegeben.

Richten wir einen Blick nach Rom, wo Papst Franziskus eben den synodalen Beratungsprozess der Weltkirche zeitlich bis 2024 gestreckt hat: Überrascht Sie das – und was heißt das für das Bistum Speyer, für das synodale Arbeiten hier?

Der synodale Beratungsprozess der Weltkirche – wie auch der Synodale Weg in Deutschland – sind ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unserer Kirche. Wenn die Lebendigkeit des Christentums im Hier und Jetzt weiterleben soll, braucht es unterschiedliche Charismen und gegenseitige Wertschätzung. Jesus Christus steht in der Mitte – wir Christen richten uns nach ihm aus. Bestenfalls in jeder Generation neu. Da braucht es eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Christen. Das betont auch Papst Franziskus ganz stark. Spannend bleibt zu beobachten, wie es umgesetzt wird.

Im Bistum Speyer ist Bischof Karl-Heinz Wiesemann grundsätzlich offen für die synodale Arbeit – er hat die Diözesanversammlung stark in den Strategieprozess einbezogen. Aber zwei Jahre Diözesanversammlung lassen uns jahrhundertelange hierarchische Erfahrungen nicht vergessen. Daran arbeiten wir!  

Gibt es Erfahrungen aus anderen Diözesen oder Landeskirchen, von denen das Bistum Speyer lernen kann: sowohl was Sparprozesse angeht, als auch zur Synodalität?

Als Vertreterin des Katholikenrates bin ich Mitglied einer Arbeitsgruppe – Konferenz Mitte-Südwest. Beim nächsten Treffen dieser Arbeitsgruppe steht „gelebte“ Synodalität auf der Tagesordnung. Der Wunsch, auf Augenhöhe Kirche zu gestalten – von der Basis in Gemeinden und Pfarrei bis nach Rom –, ist sehr stark und wird sich meines Erachtens nicht mehr zurückhalten lassen.

Und natürlich beobachten wir die Entwicklungen in unseren Nachbarbistümern – zum Beispiel im Bistum Trier: Dort ist jetzt ein Konzept für die Haushaltssicherung (mit dem Titel: „bewahren – loslassen – entwickeln“) verabschiedet worden – zum Teil mit ähnlichen Akzenten: So wichtig die Arbeit in allen Bereichen auch ist, so klar sind auch die Grenzen, was finanziell künftig noch leistbar ist.

Die Speyerer Diözesanversammlung ist ein junges Gremium, in dem sich die Mitglieder der anderen Bistumsgremien versammeln, um gemeinsam zu beraten. Hat die DV ein eigenes Profil oder besteht eine Gefahr, dass die DV sich Aufgaben anderer Gremien zu eigen macht?

Die Diözesanversammlung hat sich im November 2020 konstituiert. Durch Pandemie und die dadurch üblichen Online-Konferenzen war es bisher schwierig, die Diözesanversammlung zu profilieren. Hinzu kommt der hohe „Druck“, der durch unsere intensive Mitarbeit im Strategieprozess entstanden ist. Zum Jahresende werden Vorstand und Hauptausschuss die zurückliegenden zwei Jahre reflektieren und überlegen, wie sich die Diözesanversammlung als starkes, eigenständiges Gremium im Bistum präsentieren und in ein stetes, professionelles Arbeiten kommen kann. Wir haben in der DV starke Gremien, Berufsgruppen und Verbände, die bereits über viele Jahre ein eigenes Profil entwickeln konnten und ihre eigenen Themen besetzen. Die Diözesanversammlung wird sich transparent den Aufgaben widmen, die ihr laut Satzung übertragen wurden. Die Themen setzen die Mitglieder der Diözesanversammlung und Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Innerhalb von fünf Wochen zwei große DV-Treffen – geht diese Taktung weiter so, um den gesamten Sparprozess zu schultern? Oder anders gefragt: Wie detailliert sollte sich die Diözesanversammlung mit Sparvorschlägen auseinandersetzen: eher der grobe Rahmen oder eher Diskussion um einzelne Haushaltsposten?

Wir haben in den zurückliegenden zwei Jahren in der Tat sehr häufig getagt. Diese Taktung darf schon aus Rücksicht auf unsere Mitglieder so nicht weitergehen und wird sie auch nicht. Unsere Satzung sieht mindestens eine Tagung im Jahr vor. Im nächsten Jahr sind zwei Diözesanvollversammlungen geplant. Es ist die Aufgabe der DV, sich mit der pastoralen Ausrichtung zu beschäftigen und nicht detailliert mit den Zahlen einzelner Haushaltspositionen im Sparprozess. Der Haushaltsplan für 2023 und die nächsten Jahre ist Aufgabe des Diözesansteuerrates. Allerdings werden wir als Diözesanversammlung auch in den nächsten Jahren immer wieder Veränderungen beraten, die aus den Einsparungen und anderen Zukunftsplanungen entstehen. Dies wird besonders dann erforderlich sein, wenn es um wesentliche Veränderungen wichtiger Einrichtungen des Bistums geht – zum Beispiel um Bildungshäuser, Schulen und andere Einrichtungen.

Jetzt steht natürlich das Sparen im Vordergrund. Aber sind damit schon pastorale Schwerpunkte gesetzt oder gar eine innovative Neuausrichtung mit Blick auf die Vision der „Segensorte“ geschafft? Wie geht der Strategieprozess in 2023 und 2024 weiter?

Nach dem Votum im November ist eine Grundlage geschaffen. Die konkreten Konsequenzen werden anschließend ausgearbeitet. Generalvikar Markus Magin wird dazu am 4. November Informationen geben, wie es mit dem Strategieprozess weitergeht. Die Diözesanversammlung wird bei allen Entscheidungen, die in ihrem Aufgabenbereich liegen, beraten und ihr Votum dazu abgeben. (Fragen: hm)

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