Redaktion der pilger

Mittwoch, 04. Februar 2026

Zwischen Skepsis und Hoffnung

So soll das Bistum neu gegliedert werden. (Abbildung: Bistum Speyer)

Die geplante Strukturreform im Bistum Speyer bewegt die Menschen vor Ort. In der aktuellen Resonanzphase wird nicht mehr nur über Papier gesprochen, sondern über konkrete Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen.

Aus 70 Pfarreien sollen künftig neun werden – ein tiefgreifender Einschnitt für das Bistum Speyer. Das entsprechende Konzept „Ein Segen sollt ihr sein“ liegt seit einiger Zeit vor, über Inhalte und Ziele hat der Pilger bereits berichtet.

In vielen Pfarreien fanden ein oder zwei, mancherorts auch mehrere Veranstaltungen zu den geplanten Veränderungen statt. Ein zentrales Thema vieler Treffen auf Gemeindeebene: die Rolle der Ehrenamtlichen. Sie sollen künftig neben drei Hauptamtlichen im Pfarreivorstand vertreten sein. Außerdem könnten sie eine Reihe weiterer Aufgaben übernehmen, für die in Zukunft keine hauptamtlichen Mitarbeiter mehr zur Verfügung stehen.

„Es ist gut, dass die Ehrenamtlichen ins Boot geholt werden“, sagt Pastoralreferent Steffen Glombitza aus Blieskastel. Aber deren Kapazitäten seien natürlich begrenzt.„Es gibt eine gewisse Müdigkeit“, beschreibt er die Lage. Manche Menschen sagten offen: „Die in Speyer sollen doch einfach machen.“ Nach Jahren von Reformdebatten sei bei einigen die Kraft erschöpft. Gleichzeitig erlebe er aber auch großes Vertrauen: Menschen machten sich an die Arbeit – und interessanterweise reiche das Interesse an der Reform oft über den engeren kirchlichen Raum hinaus. Auch außerhalb der Kirche werde gefragt: „Was passiert da eigentlich? Wie geht es weiter mit der Kirche vor Ort?“

Christiane Arendt-Stein aus der Pfarrei Pax Christi in Speyer beschäftigt das Thema gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie engagiert sich nicht nur vor Ort, sondern ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Beratung und Begleitung sowie im Vorstand der Diözesanversammlung. Ihr Eindruck: Obwohl die Pläne für die Strukturreform schon einige Zeit auf dem Tisch liegen, ist das Thema noch nicht in der Fläche angekommen. Vielen sei nicht bewusst, welche schwerwiegenden Veränderungen auf sie zukommen. Daher wünscht sie sich, dass die Strukturreform noch breiter diskutiert wird als bisher. Wie viele andere bewegt auch sie das Thema Ehrenamt und der Plan, einen Ehrenamtler in den neuen Pfarreivorstand zu berufen. Das sei grundsätlich gut, erklärt sie, könne allerdings auch leicht zur Überforderung führen.

Das Thema Ehrenamt beschäftigt auch Thomas Bauer, Leiter der Arbeitsgruppe Beratung und Begleitung im Bistum. Er spricht von Gegensätzen: Für die einen sei dies die „große Stunde des Ehrenamtes“, für andere eine Überforderung oder gar „Verhöhnung“ des Ehrenamtes. Die einen freuten sich darüber, dass sie nun ernstgenommen würden und mitgestalten könnten, die anderen fühlten sich als Lückenfüller. Was sich aus vielen Rückmeldungen bereits abzeichne: Der Pfarreivorstand, das Leitungsgremium einer Pfarrei, solle paritätisch mit Haupt- und Ehrenamtlichen besetzt werden. Bislang ist dafür neben dem Pfarrer und zwei weiteren hauptamtlichen Mitarbeitern nur ein Ehrenamtlicher vorgesehen.

Wie erwartet, sei das Thema für viele Pfarreien komplex, berichtet Bauer. Die Veranstaltungen seien oft mühsam, dicht gepackt mit Information und Diskussion. Und doch: „Sie sind auch eine geistliche Erfahrung“, so Bauer.

Davon spricht auch Birgit Birkle-Ertel, Pfarreiratsvorsitzende der Gemeinde Heilige Hildegard von Bingen in Dudenhofen. „Wir stolpern von Angst zu Angst und versuchen, Zuversicht zu finden“, fasst sie die Gespräche zusammen. Zugleich werde die Reform zunehmend als geistlicher Prozess verstanden.

Eric Klein, Pfarrer der Pfarrei Heilige Familie in Blieskastel und Dekan des Dekanates Saarpfalz, sagt: „Viele Menschen sind froh, ihre Rückmeldungen einbringen zu können, und haben das Gefühl, dass ihre Stellungnahmen gehört werden. Das schafft eine große Offenheit.“

Ähnlich klingt es in Speyer. Jasmin Weller, Pfarreiratsvorsitzende der Pfarrei Pax Christi, spricht von viel Skepsis und vielen Fragen – aber auch von einem Lernprozess. „Von Gespräch zu Gespräch wächst das Verständnis“, sagt sie. Menschen fühlten sich ernst genommen und gut mitgenommen. Trotz aller Unsicherheiten höre sie immer wieder den Satz: „Wir machen das mit der Strukturreform.“

Auch Marion Kerkhoff, Vorsitzende des Pfarreirats in Blieskastel, beschreibt ein Spannungsfeld: große Skepsis, aber ebenso Hoffnung. Die Diskussion drehe sich weniger um ein Zurück zur Kleinteiligkeit, sondern um die Frage, wie eine starke Pfarrei aussehen könne, die dennoch Nähe ermögliche. „Wir sollen gehört werden“ – dieser Eindruck habe viele motiviert, sich einzubringen.

Von Matthias Bode

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