Redaktion der pilger

Donnerstag, 26. August 2010

Stellen wir uns doch auf Gnade ein

Ein Beitrag von Diplom-Theologe Klaus Haarlammert zum 22. Sonntag im Jahreskreis (Lukas-Evangelium 14, 1. 7–14) Werke sind nicht schlecht, Gott aber zählt anders

Wo er hin kommt, erregt er Aufsehen. Jesus ist ein „Promi“. Wo immer er auftritt, „beobachtete man ihn genau“. Nur unterscheidet ihn eines ganz wesentlich von „Promis“: Es geht ihm nicht um ihn, sondern um das Reich Gottes und darum, wie die Menschen da hinein gelangen können. Seinerseits beobachtet auch Jesus genau, was um ihn herum geschieht, um seine Botschaft vom Reich Gottes an ganz Konkretem im Leben der Menschen anzuknüpfen.

Jesus ist zum Essen eingeladen, es ist ein „großes“ Mahl, es kommen viele, es gibt eine Tischordnung, es gibt Ehrenplätze. Von zwei Beobachtungen Jesu erzählt das Evangelium. Die erste: der Gastgeber hat nur „seinesgleichen“ eingeladen. Jesus hält dagegen: Das ist doch nur ein gegenseitiges Tauschgeschäft! Lädst du aber „Arme, Krüppel, Lahme und Blinde“ ein, kannst du von ihrer Seite sicher keine Einladung erwarten; nur das aber „wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten“. Die zweite: die Gäste streben zu den Ehrenplätzen. Jesus hält dagegen: Das ist überheblich; es geht nicht darum, wie hoch ich mich ansetze, sondern wie der Gastgeber mich einschätzt; besser ist zu warten, welchen Platz er mir einräumt.

Was Jesus sagt, ist klug, eigentlich recht klar; mit dem Reich Gottes hat dies noch nichts zu tun. Oder doch? Zunächst ist der Gastgeber nicht irgendjemand, sondern ein „führender Pharisäer“ (und die anderen Gäste werden auch nicht „Ohne“ sein, „seinesgleichen“ eben); der wird also besonders streng darauf achten, ob Jesus sich an die Vorschriften hält. Und dann ist dieses Essen nicht irgendein Essen, sondern ein Sabbatmahl, das an die besondere Nähe Gottes erinnert und sie in gewisser Weise gegenwärtig setzt. Dieser „führende Pharisäer“, schriftkundig wie niemand sonst, hat (vielleicht) die Verheißung des „Herrn der Heere“ im Hinterkopf, er werde „ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen“. Und viel mehr noch: „Er beseitigt den Tod für immer, Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht“ (Buch Jesaja 25, 6.8). Ist dies nicht eine große Vision vom Reich Gottes, das Jesus so oft, solche alttestamentlichen Bilder aufgreifend, mit dem Hochzeitsmahl des Königssohnes und gar mit dem himmlischen Festmahl vergleicht, dessen Gastgeber Gott selbst ist?  

Jetzt wird schlagartig klar, welche Tragweite „die Lehre“ hat, die Jesus hier erteilt. Noch sehr viel deutlicher wird dies, wenn wir die beiden Texte hinzu nehmen, in die das Evangelium dieses Sonntags eingebunden ist (die nicht gelesen werden). Jesus beginnt das Essen mit einem Paukenschlag: Er heilt einen Mann, der an Wassersucht litt, einer Krankheit, die nicht akut lebensbedrohlich ist, also bis nach dem Sabbat hätte warten können; am Sabbat zu heilen, war ja verboten. Jesus schert sich nicht darum, er heilt. Das ist Jesu Lehre: Immer hat der Mensch, gerade der arme, leidende, Vorrang (auch vor dem Sabbat): dass er heil sei, will Gott (Lukas-Evangelium 14,2–6).

Und dann – um dies zu unterstreichen – bringt Jesus auch noch sein Gleichnis vom Festmahl, jetzt ausdrücklich: vom Festmahl ihm Reich Gottes (Lukas-Evangelium 14,15–24), das voller Provokationen steckt: die Geladenen (der „führende Pharisäer“ mit seinesgleichen Gästen muss sich angesprochen wissen) kommen erst gar nicht, obwohl es ein großes Fest ist und Ehren(Plätze) winken; statt ihrer holt der Gastgeber nun Menschen von der Straße heran, eben die „Armen, Krüppel, Blinden und Lahmen“, die normalerweise nicht bei Festmählern und auf Ehrenplätzen zu finden sind. Es kommt allein darauf an, der Einladung Gottes, der nicht nach Rang und Namen, nach Verdienst und Leistung fragt, zu folgen.

Wer jedoch jetzt mitleidig oder gar schadenfroh auf den „führenden Pharisäer“ (und seinesgleichen) herab schaut, hat von diesem Evangelium (und der gesamten Botschaft Jesu vom Reich Gottes) nichts begriffen. Denn Jesus verurteilt den Pharisäer nicht, er rückt aber  dessen Auffassung von Gottes Wollen und Handeln zurecht; Gottes Gesetz ist gut, schlecht ist nur, wie es oft gegen Gott selbst ausgespielt wird – damals wie heute. Gott schaut eben nicht auf gesellschaftlichen Stand und menschliche Leistung, sondern allein auf die Bedürftigkeit nach Heil; wer der Gnade bedürftig ist (das sind auch die, die auf Gottes Gebote genau achten, ganz nach ihnen ihr Leben ausrichten und vieles an Werken der Frömmigkeit leisten), wird von Gott eingeladen zum himmlischen Festmahl. Es wird darauf ankommen, ob ich seiner Einladung folge. Ich weiß, ich werde sagen: Ja, Herr, ich komme! 

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

24.11.22
Redaktion der pilger

Notruf um 5.45 Uhr

Hedi Sehr kümmert sich um Ersthelfer und Angehörige von Unfallopfern
24.11.22
Redaktion der pilger

Kunterbunte Kirche

Konzept aus England macht Kirche für Familien durch Gemeinschaft erlebbar
24.11.22
Redaktion der pilger

Beide Seiten unter Druck

Bischof Bätzing zieht nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom eine...
24.11.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Viel positive Resonanz

Katholische Bischöfe liberalisieren kirchliches Arbeitsrecht
24.11.22
Redaktion der pilger

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund

Vor 300 Jahren starb Liselotte von der Pfalz
24.11.22
Redaktion der pilger

Lösung für Konflikt in Sicht?

Hunderttausende Menschen im Ostkongo auf der Flucht
24.11.22
Redaktion der pilger

Wachsam sein

Advent ist die Zeit des aufmerksamen Wartens
16.11.22
Redaktion der pilger

Schwerpunkt: „Frieden und Heilung“

Internetportal „nachhaltig-predigen.de“ startet zum ersten Advent Predigtimpulse...
16.11.22
Redaktion der pilger

Es geht auch ohne

Der Kreuzbund hilft suchtkranken Menschen dabei, den Abhängigkeiten zu entkommen
16.11.22
Redaktion der pilger

Schluss mit Religion?

Das Auswärtige Amt streicht Gelder für religiöse Berater
16.11.22
Redaktion der pilger

Bibel im Weinberg

Zwölf Teilnehmende hörten Teile der Heilige Schrift zwischen den Rebzeilen
16.11.22
Redaktion der pilger

Vermehrt Angriffe auf Christen

Terror in Burkina Faso: Mehr als 1,7 Millionen Binnenvertriebene
16.11.22
Redaktion der pilger

Ein ganz anderer König

Jesus Christus ist der Herr des Lebens: Er führt ins „Paradies“, in das Leben in...
09.11.22
Redaktion der pilger

Den Dom intensiv erfahren

Bildungs- und Besinnungswochenende mit Domdekan und Domkustos
09.11.22
Redaktion der pilger

Machen Sie sich keine Sorgen?

Was würde das nützen? Nur das angstfreie Vertrauen auf Gott hilft unserem Leben
09.11.22
Redaktion der pilger

Hochspannung im Vatikan

Beim Besuch der deutschen Bischöfe in Rom werden unterschiedliche Kirchenbilder...
09.11.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Mehrheitsvotum für mutigen Weg

Diözesanversammlung beschließt Rahmenkonzept für Finanzen und Strategie des Bistums...
09.11.22
Redaktion der pilger

Mehr Augenmerk auf Klimaschutz

Misereor-Chef Pirmin Spiegel fordert mehr Verantwortung von Hauptverursachern der...
09.11.22
Redaktion der pilger

Heiliger Geist als Wegbegleiter

Gaelle Maninzou Kenmogne wird am 13. Dezember im Speyerer Dom gefirmt
03.11.22
Redaktion der pilger

Pilger-Geschichten

Die Pilgerin Beate Steger produziert einen Podcast mit anderen Pilgern.
03.11.22
Redaktion der pilger

Cäcilia und die Kirchenchöre

Die Heilige Cäcilia ist die Patronin der über 8400 Kirchenmusiker im Bistum.
03.11.22
Redaktion der pilger

Bundesweite Eröffnung

Diaspora-Aktion: Gottesdienste im Speyerer Dom und in drei Pfarreien
27.10.22
Redaktion der pilger

Hauskapelle eingeweiht

Pontifikalamt mit Bischof Wiesemann im Edith-Stein-Gymnasium Speyer
27.10.22
Redaktion der pilger

Musikalische Gebete für die Seele

Ökumenische Lobpreis-Veranstaltung „United Praise“ am 31. Oktober in der Speyerer...
27.10.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

„Wir gestalten Zukunft“

Interview mit Gabriele Kemper zu Einsparvorschlägen des Bistums und die Rolle der...
27.10.22
Redaktion der pilger

Gute Ideen werden unterstützt

Bonifatiuswerk fördert innovative Projekte rund um die Glaubensweitergabe – Auch im...
27.10.22
Redaktion der pilger

Gott ist ein Gott der Lebenden

Wer an diesen Gott glaubt, kann nicht im Tod sein
27.10.22
Redaktion der pilger

Buch Exodus trifft moderne Technik

Messdiener Leimersheim zeigen beeindruckende Lichtershow beim zweiten „Lichterleben“
27.10.22
Redaktion der pilger

Noch keine Sekunde bereut

Der Landauer Student Justus Hültenschmidt ist zum Praktikum in Dänemark
27.10.22
Redaktion der pilger

Kleines Werk mit großer Wirkung

Vor 150 Jahren schuf Claude Monet ein Bild, das dem Impressionismus seinen Namen gab
27.10.22
Redaktion der pilger

Wir sind geliebt

Was wir an Zachäus wieder neu lernen können
19.10.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Aus für das Karmelkloster Hauenstein

Überalterung und fehlender Nachwuchs: Schwestern haben die Auflösung fürs Jahr 2023...
19.10.22
Redaktion der pilger

„Ich gebe, weil andere nicht können“

Wie wirkt sich die hohe Inflation auf die Spendenbereitschaft aus?
19.10.22
Redaktion der pilger

Die Habsburger im Mittelalter

Historisches Museum der Pfalz in Speyer zeigt Aufstieg der Dynastie
19.10.22
Redaktion der pilger

Richtlinien für die Zukunft

Für den Sparprozess bis 2030 hat sich das Bistum acht strategische Ziele gesetzt
19.10.22
Redaktion der pilger

Mit Franziskus unterwegs

Stimmen von der Diözesanwallfahrt nach Assisi
19.10.22
Redaktion der pilger

Größe in Demut

Vom Zöllner lernen wir für unseren Glauben
19.10.22
Redaktion der pilger

Attraktive Arbeit bieten

Interview: Caritas-Präsidentin über neue kirchliche Grundordnung
13.10.22
Redaktion der pilger

Umzug richtig planen – mit diesen Tipps lässt sich Zeit...

Ein Umzug stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Daher ist ein gewisser...
12.10.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Ein Pfälzer Gastgeber in Assisi

Franziskaner-Minorit Thomas Freidel aus Fußgönheim: Als einziger deutscher...
Treffer 1 bis 40 von 4711