Redaktion der pilger

Mittwoch, 11. August 2021

Oase und grüner Segensort

In Otterberg sehenswert wie die frühere Abteikirche: der Klostergarten. Bärbel Nittner kümmert sich zusammen mit anderen Helferinnen und Helfern um den Garten. (Foto: Jung)

Ein Besuch im Otterberger Klostergarten – Mehr als 250 verschiedene Pflanzen

Er ist eine grüne Oase mitten im Herzen der Stadt und als Segensort im Bistum eingetragen. Im Otterberger Klostergarten sprießt und blüht es verschwenderisch. Eine Pflanzenvielfalt, die staunen lässt und einen wohltuenden Platz der Ruhe bietet – mit der Abteikirche als historische Kulisse.

Noch immer verströmt der Lavendel seinen Duft. Rosenblüten zeigen sich in voller Pracht, Kräuter, Gemüse und Obst liefern Gesundes. Schnell wird klar: Der Klostergarten kitzelt alle Sinne. Selbst die Bienen lockt er an. „Wir wollten auch ihnen etwas Gutes tun und haben ein Bienen freundliches Blühbeet geschaffen“, erklärt Bärbel Nittner.

Der gebürtigen Otterbergerin und einem Team von zehn tatkräftigen Helfern ist es zu verdanken, dass sich der verwilderte ehemalige Pfarrgarten in ein kleines Paradies verwandelt hat. Die Idee, einen Klostergarten anzulegen, stamme vom früheren Pfarrer Achim Dittrich. Eine Biologin aus der Pfarrei habe das entsprechende Konzept ausgearbeitet. Bis es umgesetzt war und der Klostergarten 2018 öffnen konnte, sei es ein hartes Stück Arbeit gewesen, sagt Nittner, die eigentlich „nur am Anfang ein bisschen mithelfen wollte.“ Stattdessen ist sie mit Leib und Seele dabei geblieben und weiß Besuchern jede Menge Interessantes zu erzählen. Wie über die Kalebassen, eine alte Kürbissorte, „die wegen ihrer flaschenähnlichen Form früher getrocknet und aushöhlt wurde, um sie als Aufbewahrungsgefäß zu benutzen oder mit Wasser zu befüllen, weshalb sie auch Pilgrimflasche genannt wird.“ Da der Bezug zu den Zisterziensern, die einst hier im Kloster lebten, nicht fehlen darf, entsprechen viele Pflanzen deren Anbaukonzept, das auf Selbstversorgung setzte. Davon erzählt das Gemüsebeet, in dem unter anderem Rettich, Saubohnen, Linsen, Erbsen, Zwiebelgewächse, Mangold und Fenchel gedeihen. Auch alte Getreidesorten wie Buchweizen, weißer Emmer, Einkorn und Lein fehlen nicht. „Alles rein biologisch, Chemie hat hier nichts zu suchen.“ Das gilt auch für die Ecke mit Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidel- und Stachelbeeren. Da Zier-, Heil- und Gewürzkräuter seit jeher in Klostergärten eine wichtige Rolle spielen, sind sie auch vertreten: Mit Salbei, Rosmarin, Schwarzkümmel, Thymian, Kamille, Echinacea, Johanniskraut und vielen anderen Kräutern, die der Küche oder der Gesundheit dienen.  Aus einem Beet ragt der Alant in die Höhe. „Seine Blätter haben früher Steinmetzen als Vorlage für die Gestaltung von Kapitellen gedient. Das gilt auch für den Akanthus“, weiß Nittner ebenso, wie dass Poleiminze im Mittelalter ein probates Flohmittel gewesen sei. „Bilsenkraut wurde als Narkotikum verwendet. Da es auch Halluzinationen hervorrufen kann, hat man es Hexenkraut genannt.“ Über 250 Pflanzensorten gedeihen auf dem 300 Quadratmeter großen Kleinod. „Manche habe ich aus unserem Garten mitgebracht.“
Wie es sich für einen Klostergarten gehört, empfangen den Besucher gleich beim Eingang Pflanzen, die christliche Namen tragen: Passionsblume, Pfaffenhütchen, Christrose und Gladiole, „die wegen ihrer zwölf Blüten auch Zwölf-Apostel-Blume heißt.“ Osterglocken, Pfingstrosen, Allerheiligenkraut und Christrose stehen für die christlichen Feste.

Im Zentrum des Gartens plätschert Wasser eines Teiches. An seinem Rand ist ein Beet Pflanzen mit marianischer Bezeichnung gewidmet. „Schließlich ist die Abteikirche wie alle Kirchen der Zisterzienser Maria geweiht.“ Neben der Madonnenlilie, die „den friedvollen Übergang vom Irdischen zum Himmel symbolisiert“, wachsen hier Mariendistel,
Maiglöckchen (auch Marienglöckchen genannt), Veilchen und Gänseblümchen.

Im oberen Bereich des Klostergartens wird Mitte August eine Sitzgruppe Einzug halten. Als ein Ruheplatz in dem grünen Zufluchtsort, der Balsam für die Seele ist. Demnächst soll auch eine Schautafel am Eingang über seine Besonderheiten informieren.
(Friederike Jung)

Der Klostergarten ist von Mitte Mai bis Ende September am 1. und 3. Sonntag des Monats und zu besonderen Anlässen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Unabhängig davon kann er auch eigenständig besucht werden zu den Öffnungszeiten des Pfarrbüros Otterberg, Telefon 06301/71832-0. Nach Voranmeldung können Wanderer und Touristen hier Rast einlegen.

 

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