Redaktion der pilger

Mittwoch, 18. Mai 2022

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“

In der Botschaft Jesu liegt großes Friedenspotential. (Foto: ipopba@adobestock.com)

Die Zusage aus der Abschiedsrede Jesu kann uns Energie schenken, die Welt und die Kirche zu verändern

Nach diesen Worten aus dem Johannesevangelium sprechen wir uns im sonntäglichen Gottesdienst durch Handschlag, Umarmung, Kuss und seit Corona durch Zunicken oder Zuwinken den Frieden zu. „Möge der Friede Gottes mit dir sein“ oder „möge es dir gut ergehen“, drückt dieser Wunsch aus. Der Friedensgruß ist für mich ein starker Moment in unserer Liturgie, bei dem ich den oder die andere neben, vor und hinter mir wahrnehme und selbst beachtet werde.

Zuvor ist man im gottesdienstlichen Geschehen sehr bei sich: kommt an, verortet sich, gesteht ein und hört die Schrift und deren Auslegung, dann im Hochgebet mit dem Friedensgruß tritt der gemeinschaftliche Charakter in den Vordergrund. Eine Gemeinschaft, die in der Nachfolge Jesu steht, seine Worte nicht nur hört, sondern kennt. Das heißt, Jesu Wort, sein Gebot, verinnerlicht hat und deshalb den Auftrag annehmen kann, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Nämlich für den Auftrag einzustehen, dass es allen gut ergehen möge.

Ich habe diesen Zuspruch immer als ein sehr wohltuendes Ritual in unserer Liturgie erfahren. Als Jugendliche fühlte ich mich durch das Auf- und Umblicken, durch die begleitenden Gesten immer hineingenommen in eine Gemeinschaft, erfuhr mich als Teil derselben. Und zwar als Teil einer Gemeinschaft, die es gut mit mir meint, in der es einen Platz für mich gibt, wo ich sein kann, wie ich BIN. Eine Gemeinschaft, in der ich bereit bin, mich zu engagieren und in der eine Kraft herrschte, die das Gefühl hervorbringt, etwas bewegen zu können in Kirche und Welt.

Der Wunsch: „Es möge Dir hier gut ergehen“ und allen anderen auch, macht Christentum zu einem Ort, an dem es sich gut leben lässt. Hier ist man Teil einer Gemeinschaft, die sich darum kümmert, dass es gut wird für einen selbst und für die anderen. Schön wäre das! Schön wäre, wenn man hier in unserer Kirche gut leben könnte. Gut wäre, wenn man mit sich und in dieser Gemeinschaft zu-Frieden-sein könnte, dann nämlich könnte man mit der Kraft des Geistes die Energie dafür verwenden, dass sich für alle etwas ändert. Momentan ist es leider alles andere als FRIED-voll, in der Welt nicht und leider in unserer Kirche auch nicht. Der von Jesus hinterlassene Friede scheint nicht (mehr) anzukommen. Das Potential Dinge zum Guten zu ändern wird nicht (mehr) oder zu wenig ausgeschöpft. Punktuell schön, meist im Kleinen, aber im Großen und Ganzen nicht.

Ich habe den Eindruck, dass wir neben dem so dringlichen Aufarbeitungsprozess einen Friedensprozess bräuchten, einen Prozess der das Friedenspotential der christlichen Botschaft nutzt, aktiv zu werden. Ein Hinweis, wie das Konzept dafür aussehen könnte, gibt der Evangelist Johannes sehr kompakt in den Abschiedsreden Jesu. Dort sagt Jesus: „Die mich lieben, werden mein Wort halten.“ Sein Wort, oder sein Gebot: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten! An früherer Stelle im Johannesevangelium kündet Jesus an, dass er die irdische Welt verlassen wird, um beim Vater für jeden und jede eine Wohnung vorzubereiten. Jede und jeder wird einen Platz bekommen. In Johannes 14,23 wird das aufgegriffen und umgekehrt. Hier verkündet Jesu, dass er mit Gott zu jedem und zu jeder, die seine Gebote halten, kommen wird, um „Wohnung zu nehmen“. Dahinter steckt die jüdisch-rabbinische Idee, des Einwohnens Gottes. Dies wiederum ist mit dem Halten der Gebote verbunden. Durch den Tod Jesu eröffnet sich hier ein neuer Raum. Ein Raum, indem die Liebe wirkt. Ein Raum der Solidarität Gottes mit jedem und jeder von uns. Ein Raum der Solidarität untereinander. Für den Evangelisten Johannes ist die Gemeinde dieser Raum der geschwisterlichen Liebe – des solidarischen Miteinanders. Solidarität – damit es sich gut leben lässt! Damit in dieser Gemeinschaft die Lehre Jesu, außerdem sein Wirken und Tun nicht vergessen wird; damit die Liebe und Solidarität hier herrschen können, sendet Gott einen besonderen Beistand: den heiligen Geist. Der Geist als Zuständiger und Ermöglicher dafür, dass das Erbe Jesu angetreten, weitergeführt und umgesetzt wird. Der Geist schafft dabei nichts Neues, sondern erinnert. Durch die Ostererfahrung, kann man sich so an Jesus erinnern, dass er sich als lebendig erweist.  Das Einwohnen Gottes im Menschen durch den heiligen Geist, um Leben im Sinne Jesu gestalten zu können. Dieses Einwohnen Gottes birgt Potential, da fließt Energie.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie beim nächsten Friedensgruß etwas von dieser Energie spüren mögen. Dass der Wunsch „der Friede sei mit dir“ nicht nur ein bloßes Zunicken bleibt, sondern daraus ein kräftiges Anpacken wird, damit Liebe und Solidarität in unserer Kirche und den Gemeinden wirken können. Ein Prozess des Friedens, der Kreise zieht in Kirche und Welt. (Bettina Reichmann)

 

 

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

03.06.22
Redaktion der pilger

Spurensuche an Pfingsten

Ein Tag für unsere Lebens-Geschichten
25.05.22
Redaktion der pilger

Arbeit am Reich Gottes

Der Glaube verändert, erleichtert und motiviert in schwierigen Zeiten
25.05.22
Redaktion der pilger

Ist Kirche reformierbar?

Kinderschutzexperte bemängelt fehlende Kultur der Verantwortlichkeit
25.05.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Lohn für kreative Ideen

Zertifizierung als BNE-Schule und Bau eines grünen Klassenzimmers
25.05.22
Redaktion der pilger

Viele Events rund um den Glauben

Südwestpfälzischer Wallfahrtsort Maria Rosenberg wird an Pfingsten Austragungsort...
25.05.22
Redaktion der pilger

Eins in der Liebe

Vor Gott ist der Mensch ein einzigartiger Einzelner
18.05.22
Redaktion der pilger

Was wird nur aus uns?

Corona, Krieg, Klima: Die weltweiten Krisen belasten Kinder und Jugendliche
18.05.22
Redaktion der pilger

Farben des Glaubens

Im Institut St. Dominikus in Speyer treffen sich Gleichgesinnte zur Ikonenmalerei....
18.05.22
Redaktion der pilger

Im Einsatz für den Frieden

Palästinensische Schriftstellerin berichtet in Vorträgen über die schwierige Arbeit...
18.05.22
Redaktion der pilger

Großes Organisationstalent

Regens Markus Magin folgt als Generalvikar auf Andreas Sturm
18.05.22
Redaktion der pilger

Trauer und Bedauern

Katholiken danken zurückgetretenem Generalvikar Andreas Sturm
13.05.22
Redaktion der pilger

Generalvikar Sturm scheidet aus Bistum aus

Andreas Sturm tritt zurück, sein Nachfolger wird Regens Markus Magin
13.05.22
Redaktion der pilger

Heiliges Spiel

Schauspielerin Marion Witt schult Haupt- und Ehrenamtliche, die Gottesdienste...
13.05.22
Redaktion der pilger

Liebe ist mehr als ein Gefühl

Sie ist eine ganzheitliche Haltung unseres Christseins
13.05.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Erstmaliger Austausch

Vorsitzende der Aufarbeitungskommissionen für sexuellen Missbrauch trafen sich
13.05.22
Redaktion der pilger

In der Logik Jesu

Warum sich Papst Franziskus zum Krieg so verhält, wie er sich verhält
13.05.22
Redaktion der pilger

Viele Baustellen und neue Chancen

Prof. Wolfgang Pauly über die heutigen Möglichkeiten des Christseins
13.05.22
Redaktion der pilger

Spuren der Pandemie bei Kindern

Vereinsamung, Vernachlässigung, verzögerte Entwicklung – Experten klären über...
04.05.22
Redaktion der pilger

Demenz als Nagelprobe

Bischof Bode fordert Schulungen für Seelsorgerinnen und Seelsorger
04.05.22
Redaktion der pilger

Heiter und spannend

Orgel-Erzählkonzert für Kinder und Erwachsene in der Pfarrkirche Rheinzabern
04.05.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Ein Glücksfall, kein Notfall

Gemeindereferentin Bärbel Grimm leitet Osternachtfeier in der Landauer Marienkirche
04.05.22
Redaktion der pilger

Extrem belastet

Die Tafeln in Deutschland geraten in Bedrängnis – und fordern Hilfe von der Politik
04.05.22
Redaktion der pilger

Licht für alle Völker

Die Frohe Botschaft richtet sich an alle Menschen
04.05.22
Redaktion der pilger

Chormusik wieder Teil des Programms

Vom 7. Mai bis 6. Juni finden die 26. Rosenberger Musiktage statt
04.05.22
Redaktion der pilger

Er gab Olympia ein freundliches Gesicht

Vor 100 Jahren wurde Otl Aicher geboren
02.05.22
Redaktion der pilger

Auf zum Katholikentag nach Stuttgart

Der Deutsche Katholikentag vom 25. bis 29. Mai in Stuttgart soll wie geplant als...
29.04.22
Redaktion der pilger

„Pälzisch“ ist ihre Leidenschaft

Ihre Sprecher werden mitunter belächelt. In manchen Milieus ist sie sogar verpönt:...
29.04.22
Redaktion der pilger

Die große Vielfalt

Ein Bild auch für den Synodalen Weg
29.04.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Papst-Diplomat ehrt Nardini

Zehnter Wallfahrtstag in Pirmasens mit Nuntius Nikola Eterovic am 7. Mai
29.04.22
Redaktion der pilger

Rom einmal anders erlebt

Pilgergruppe auf Spurensuche der spannungsreichen Geschichte der Kirche
20.04.22
Redaktion der pilger

Hoffnung nicht verlernen

Deutsche Bischöfe machen in ihren Predigten zu Ostern Mut
20.04.22
Redaktion der pilger

„Der Alte da oben mag mich irgendwie“

Offene Worte und ein sehnsüchtiger Glaube: Die Gottesfrage lässt Heinz Rudolf Kunze...
20.04.22
Redaktion der pilger

Brasilien: Gewalt auf dem Land

Experten werfen Zentralregierung Mitverantwortung vor
20.04.22
Redaktion der pilger

Ukrainerseelsorge als Lebensaufgabe

Benediktinerpater Damian Schaefers wurde vor hundert Jahren geboren – Auch im...
20.04.22
Redaktion der pilger

Lasst sie bei uns sein!

Die ökumenische „Woche für das Leben“ kreist in diesem Jahr um das Thema Demenz
20.04.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Langjährige Engagierte geehrt

Kreuzbund der Diözese Speyer traf sich zum Begegnungstag mit Mitgliederversammlung
20.04.22
Redaktion der pilger

Neue Impulse für die Arbeit

Chorverband Pueri Cantores lädt Leiter von Nachwuchschören zu Fortbildung ein
12.04.22
Redaktion der pilger

Der Wettlauf

Doch nur von Johannes wird gesagt, dass er glaubte
12.04.22
Redaktion der pilger

Das ist doch noch gut!

Der Jesuit Jörg Alt kämpft für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln – sein...
12.04.22
Redaktion der pilger

Grüne Kathedrale geplant

Der Beitrag der Kirchen zur Bundesgartenschau 2023 in Mannheim