Redaktion der pilger

Mittwoch, 20. Juli 2022

Mitarbeiter sind überlastet

Die Rahmenbedingungen für die ambulante Pflege sind in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. (Foto: tibanna79/AdobeStock.com)

KAB informierte sich über die Situation in der ambulanten Pflege

Die Katholische Arbeitsnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Speyer hat vor etwa zwei Jahren eigens zum Thema Pflege einen Arbeitskreis gegründet. Dieser will wissen, wo genau der Schuh drückt, wenn von unzureichenden Arbeitsbedingungen in der Pflege über Fachkräftemangel, schlechte Bezahlung, Nachwuchsprobleme und ähnliches gesprochen wird.

„Die Betroffenheit der Menschen, so der KAB-Diözesanvorsitzende Kurt Freudenreich, „ihre Erfahrungen und ihr Erleben sind für uns wichtige Hinweise und Erkenntnisquellen für weiteres politisches Handeln. Das betrifft sowohl die Situation der Beschäftigten wie auch die der ihnen anvertrauten Menschen“.

Nahezu 80 Prozent der Pflegeleistungen werden in Deutschland in häuslicher Umgebung von Angehörigen, durch ambulante Dienste und durch 24-Stunden-Kräfte erbracht. Grund genug für den Arbeitskreis, sich aus erster Hand informieren zu lassen.

Ulrike Lahr, Geschäftsführende Pflegedienstleitung der Ökumenischen Sozialstation Limburgerhof, berichtet über 170 enttäuschte und verärgerte Mitarbeitende. Sie seien frustriert, dass sie auch während der Pandemie nicht erwähnt worden seien und somit keine öffentliche und politische Wertschätzung ihrer Arbeit und ihres Engagements erfolge. Dies mache auch deutlich, dass die ambulante und häusliche Krankenpflege keine Lobby habe. Dabei verrichteten die Mitarbeiter in der ambulanten Pflege während der Pandemie und darüber hinaus tagtäglich eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Gesellschaft.

„Aus ihrem Selbstverständnis heraus versteht sich die Ökumenische Sozialstation als eine wichtige Form ambulanter Gemeindekrankenpflege. Ihr Ziel ist es, jedem Menschen Hilfe und Pflege so zu gewährleisten, dass er in seiner vertrauten Umgebung ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen kann“, bekräftigt Ulrike Lahr.

„Die Bedingungen, unter denen diese Ziele erreicht werden sollen, haben sich massiv verändert. Ambulante Pflege findet unter den Zwängen der Kommerzialisierung statt, welche in die Vorschriften der Pflegeversicherung Einzug gehalten haben.“ Die Zeitvorgaben für erbrachte Leistungen ließen wenig Spielraum für Zuwendungen und Fürsorge für die Menschen. Dazu käme noch ein hoher Bürokratieaufwand insbesondere bei häuslicher Krankenpflege. Insgesamt herrsche Personalnot. Die Mitarbeitenden seien überlastet. Verlässliche Dienstpläne ließen sich nicht mehr gestalten. Neu anfragenden Kunden müsse abgesagt werden. Der Bedarf an ambulanter Pflege wachse ständig.

Wie die Arbeit in diesem Spannungsfeld unterschiedlicher Ziele und Interessen aussieht, schildert Ulrike Lahr an einem konkreten Beispiel. Betriebswirtschaftliches Denken und Handeln bestimmten den Alltag. Jede Anwendung, jede Handlung – und sei sie noch so klein – müsse im Leistungskatalog stehen und abrechenbar sein. Jede Minute über die vorgesehene Zeit für die Leistungserbringung gehe zu Lasten der Beschäftigten. „Wenn eine Abendtour bis zu 35 Anlaufstationen hat, dann bleibt wenig Zeit für persönliche Zuwendung“, so die Geschäftsführende Pflegedienstleiterin.

Für die zukünftige Entwicklung der Pflege stellen sich für die Vertreter der KAB viele Fragen wie: Sieht so eine am Menschen orientierte Pflege aus? Wie sieht es mit der Würde des arbeitenden Menschen aus? Wie ist es zu verantworten, dass mit Pflegeleistungen Renditen von mehr als zehn Prozent erwirtschaften werden können bzw. müssen? Kann aufgrund des ständig wachsenden Pflegebedarfs Daseinsvorsorge wie Gesundheitsvorsorge und Pflege weiter unter den herrschenden marktwirtschaftlichen Bedingungen organisiert werden?

Wichtig wäre nach Ansicht der KAB ein Perspektivwechsel, der sich von den Betroffenen her strukturiert. Zu pflegende Menschen brauchen stabile Beziehungen und ein menschliches Gegenüber. Die derzeitigen Regelungen rund um die Pflege gleichen einem „Bürokratiemonster“, das Menschen abschreckt, sie zermürbt und verzweifeln lässt. (KAB)

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