Redaktion der pilger

Mittwoch, 24. August 2022

Nicht nur sonntags

Leere Kirchen – liegt das nur an strittigen Kirchenthemen oder zu großen Pfarreistrukturen? Eher ist es wohl auch ein Zeichen der Glaubenskrise. (Foto: fine pics/AdobeStock.com)

Glauben muss das ganze Leben prägen

Viele Menschen haben Jesus begleitet, als er sein Evangelium verkündete. Offenbar hat er ihren Nerv getroffen, Antworten auf Fragen gegeben, die sie beschäftigt haben. Hat ihnen eine neue Perspektive für dieses Leben und darüber hinaus eröffnet. Er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wir ihre Schriftgelehrten (Mt 7,29). Sie konnten sich überzeugen, dass er lebt, was er sagt.

Viele Menschen haben Jesus begleitet durch zwei Jahrtausende. Zur Zeit leben rund 2,3 Milliarden Christen auf der Erde. Wie viele werden ihn weiter begleiten in dieses dritte Jahrtausend hinein?

Wir beobachten heute auch das Gegenteil: dass viele wegbleiben, die Kirchen leerer werden, die Jugendlichen fast gar nicht mehr kommen und die Priester- und Ordensberufe drastisch zurückgehen. 360 000 Katholiken haben 2021 die katholische Kirche in Deutschland offiziell verlassen. Wer Christus liebt und seine Kirche liebt, den lässt das nicht kalt. Den schmerzt es – besonders dann, wenn nahe und gute Freunde, ja die eigenen Kinder austreten oder nur noch halbherzig dabei sind.

Als damals viele Menschen Jesus begleiteten, da ließ er sich nicht täuschen. Er wusste: Nur die Hochherzigen werden durchhalten, und nur Hochherzige werden die anderen mitreißen auf diesen Weg des Glaubens. Und so streute er den Vielen nicht Sand in die Augen, um noch mehr zu gewinnen. Im Gegenteil: Er formuliert deutliche Bedingungen für die Nachfolge. Ihm war klar, nichts Halbes, Mutloses, Kleinmütiges, Verzagtes wird seine „Frohe Botschaft“ in die Zukunft tragen. Jesus schaut trotz aller Anfangserfolge nüchtern in die Zukunft.

Mit seinen provokanten Forderungen: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt und wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet, kann nicht mein Jünger sein“, provoziert er seine Zuhörer damals und uns heute.

Dahinter steht die Frage, was ist mir Jesus wirklich wert? Oder anders gefragt: Was darf der Glaube mich tatsächlich kosten? Was wäre ich im Ernstfall bereit, für ihn dranzugeben oder gänzlich hinten anzustellen?

Was wäre, wenn ich in die Lage versetzt würde, Gottes Gebot gehorsam zu sein, auch wenn es dabei für mich bedrohlich würde, oder ich mich gegen meine Familie stellen müsste? Welchen Stellenwert hat der Glaube in meiner persönlichen Wertehierarchie?

Die Nachfolge fordert uns. Sie ist auch die Rückkehr unter das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Nichts soll Gott vorgezogen werden, nichts wichtiger sein als Gott. Nachfolge erfordert, eindeutig Position zu beziehen und klar Prioritäten zu setzen. Das kann uns durchaus etwas kosten, sogar Schwierigkeiten bereiten. Die Nachfolge Jesu geht über Golgotha und ist somit immer mit dem Kreuz verbunden.

Jesus nennt Konsequenzen, die sich aus der Nachfolge, aus dem Glauben ergeben können. Er beschönigt nichts. Die beiden Beispiele vom Turmbau und vom Krieg sprechen für sich. Wer baut schon ein Haus, ohne sich Gedanken über die Finanzierung zu machen? Welcher Stratege überdenkt nicht, ob seine Strategie am Ende aufgeht? Sonst ist er nicht nur blamiert, sondern auch ruiniert. Jesus will, dass wir uns klar darüber werden, auf was wir uns mit ihm einlassen.

Mit seinen Forderungen räumt er mit dem Missverständnis auf, Glaube sei eine zusätzliche Bereicherung für besondere Momente des Lebens. Oder Glaube sei eine Art Versicherung gegen die Risiken des Lebens. Jesus beansprucht, die erste Geige in meinem Leben zu spielen. Die Frage an uns heute heißt: Lass ich mich vertrauensvoll ganz auf Jesus ein oder mache mein eigenes Programm ohne ihn. Sein Anspruch betrifft unser ganzes Leben und nicht nur einen Teil davon. Jesus will helfen, unseren Alltag zu gestalten und nicht allein den Sonntag.

Kann es nicht sein, dass so viele Menschen heute nichts mehr von der Kirche erwarten, weil wir die Einladung zum Glauben so billig ausschreiben? Weil wir unbequeme Forderungen mehr und mehr ignorieren? Bei der Erneuerung unserer Kirche geht es, meines Erachtens, weniger um Strukturen als um die Gottesfrage. Es gilt, die ganze Botschaft Jesu vom Reich Gottes neu zu entdecken.

Der emeritierte Erzbischof Karl Braun meint: „Wir werden uns wieder mehr denn je bewusst machen müssen, dass wir es mit der Torheit des Kreuzes zu tun haben, dass wir in der Logik des Kreuzes oft kaum imponieren und Beifall erfahren können – und dass wir deshalb nicht fieberhaft um unsere ,Attraktivität‘ besorgt sein müssen oder uns nur dann Zukunft zusprechen dürfen, wenn wir von Anpassung zu Anpassung eilen, um so dann vermeintlich bei allen „anzukommen“. In der gegenwärtigen Situation des Umbruchs von unvorhergesehenem Ausmaß in Kirche Welt bleibt alles Halbe und Zweitrangige auf der Strecke. Wir müssen zur innersten Mitte unseres Glaubens zurückfinden und aus der Tiefe des Glaubens leben.“ (Rudolf Schlenkrich)

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