Redaktion der pilger

Mittwoch, 28. Juli 2010

Aufbau der Hauptorgel im Kaiserdom kann beginnen

So soll die Hauptorgel nach ihrem Aufbau aussehen. Der Entwurf des Orgelprospekts stammt vom Kölner Architekten Professor Gottfried Böhm.

Im Speyerer Dom laufen derzeit wesentliche Vorarbeiten für den Aufbau der neuen Hauptorgel - eine Stahlkonstruktion wird errichtet, die das tonnenschwere Instrument tragen soll.

Es ist eine aufwändige Konstruktion, bestehend aus elf Tonnen Stahl, die in den vergangenen Wochen auf der Orgelempore des Spey­erer Domes verankert wurde und künftig eine wichtige Aufgabe erfüllt: Sie muss 40 Tonnen Gewicht der neuen zwölf Meter hohen, 9,50 Meter breiten und fast sechs Meter tiefen Hauptorgel im Speyerer Dom tragen. Mitte August wollen die Orgelbauer der Orgelbauwerkstatt Seifert in Kevelaer mit dem Aufbau der neuen Hauptorgel in der Kathedrale beginnen. 

Rund sechs Monate dauerten die dafür notwendigen statischen Vorarbeiten. Dafür musste zunächst die ursprüngliche Orgelempore abgerissen und durch eine 70 Zentimeter tiefer liegende Betonplatte ersetzt werden. Der Grund liegt in der Größe des Instrumentes. „Die Orgel ist um einiges voluminöser als die alte; deshalb benötigen wir mehr Raum“, unterstrich Professor Johannes Cramer, dessen Architekturbüro für die Restaurierung des Domes beauftragt ist, bei einer Vorbesichtigung der Orgelempore. 

85 Tonnen Baumaterial aus dem 19. Jahrhundert wurden beim Abriss der alten Orgelempore entfernt. Die Arbeiten dafür erstreckten sich über sechs Wochen. Daneben mussten Hohlräume so bearbeitet werden, dass sie nicht mehr aufreißen, schadhafte Steine repariert sowie alte Stahlträger entfernt werden. Ein besonderes „bautechnisches Kunststück“ war das Heranschaffen des Betons für die neue Orgelempore. Der Baustoff floss durch das Fenster im Kaisersaal auf der Südseite des Domes durch eine Leitung, erläuterte Cramer. Die Empore wird später mit einem Boden aus Eichenholz verkleidet. Außerdem gelangt man künftig vom Kaisersaal über zwei Glastüren und Stufen auf die Empore, „damit dieser Raum mit dem Kircheninneren besser miteinander verbunden ist“. 

Die Stahlkonstruktion stellte Professor Cramer, für den der Bau eines Orgeltisches eine Premiere darstellt, vor besondere Herausforderungen. „In das Orgelgewölbe wird ein dreistöckiges Haus gebaut“. Auf der untersten Ebene sollen später die Sänger mit dem Dirigenten stehen, während der Organist über eine Wendeltreppe in einer Ecke der Empore zu seinem Spieltisch auf der ersten Etage gelangt. „Das Ganze wird ein riesiges Gebilde, das den gesamten Raum einnimmt“, verdeutlicht der Architekt. 

Vier Stahlstützen, die später mit einer metallischen Unterschicht verkleidet werden, tragen den Trägerrost für den Spieltisch und die Orgeltechnik. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Orgel wie ein Möbelstück reinzuheben. Das Instrument müsse jedoch an den Wänden verankert werden. Dafür seien 27 Verankerungspunkte notwendig, betonte Cramer. Allerdings bewege sich der Stahl und die Trägerkonstruktion. Höchstens fünf Millimeter seien jedoch laut Orgelbauer zulässig, damit sich die Orgel nicht verstimmt. Damit die Schwankungen trotz der 40 Tonnen Gewicht unter dem Limit bleiben, wurden jetzt Blechbänder mit Spannschlössern angebracht, die die Verformungen des Orgeltisches gleichhalten sollen. Die neue Orgel wird frei und ohne eigentliches Gehäuse in die Emporenöffnung der Westwand hineingestellt, so dass die mächtige Bogennische selbst als Orgelgehäuse wirkt.

Der Aufbau der Orgel nimmt etwa ein Jahr in Anspruch, da die Intonation, also die Klanggestaltung des Instrumentes, nicht in der kalten Jahreszeit, sondern erst im kommenden Sommer erfolgen kann. Die neue Hauptorgel ersetzt die alte Scherpf-Orgel aus dem Jahr 1961, die erhebliche Defizite aufwies und 2009 der katholischen Gemeinde von Bialystok in Ostpolen für ihre Pfarrkirche überlassen wurde. Sie wird kombinierbar sein mit der bereits am 22. November 2008 eingeweihten Orgel im Königs­chor, die ebenfalls in der Orgelbauwerkstatt Seifert entstand. Damit wird dem riesigen Innenraum des Domes mit seiner problematischen Akustik optimal Rechnung getragen.

Für die komplette Finanzierung der Orgel hatte die Unternehmerfamilie Quandt bereits vor zwölf Jahren drei Millionen Mark (heute mit Zinsen 1,8 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Laut Domkustos Peter Schappert kann mit dem Geld auch ein Teil der bautechnischen Ausgaben bestritten werden. Über die Finanzierung der restlichen Kosten werde das Domkapitel entscheiden. Insgesamt ist Schappert mit dem Verlauf des Projektes zufrieden. Der Zeitplan werde eingehalten; aufgetretene Schwierigkeiten seien fristgerecht gelöst worden. 

Die feierliche Orgelweihe ist für den 25. September 2011 vorgesehen.

 

Zahlen, Daten, Fakten zur neuen Hauptorgel

Die neue Hauptorgel hat 82 Register (Klangfarben) und 5278 Pfeifen, die aus einer Zinn-Blei-Legierung und aus Holz bestehen. Betrieben werden sie von sechs elektrischen Gebläsen, die zusammen eine Leistung von 109 Kubikmetern pro Minute erzeugen, das sind 109000 Liter pro Minute. Zur Ansteuerung der Pfeifen vom Spieltisch gelangen die mechanischen Impulse über insgesamt 1500 laufende Meter Abstrakten, das sind feine Leisten aus Hochgebirgsfichte.

Die größte Pfeife, eine Labialpfeife aus Holz, misst 9,90 Meter, die größte Metallpfeife umfasst eine Länge von 8,80 Metern. Die 82 Register können über vier Manuale und Pedal angespielt werden. Bis die Orgel in Betrieb genommen werden kann, bedarf es mehr als 20000 Arbeitsstunden.

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