Redaktion der pilger

Montag, 21. Dezember 2020

Im Anfang war Gott, das Wort

Licht – das wohl wichtigste Symbol an Weihnachten. (Foto:actionpress)

Und jetzt wohnt Gott mitten unter uns

Eine Weihnachtsgeschichte ohne Betlehem, ohne Krippe, Kind, Stall, Maria und Josef, Engel und Hirten? Unvorstellbar! Unvorstellbar, was Weihnachten heute wäre, hätten wir nur die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Johannes, und nicht auch die viel bekanntere des Lukas. Diese uralte Geschichte, die so leicht verständlich ist, schon für kleine Kinder, so dass ihre Krippenspiele nicht wegzudenken sind – diese Geschichte, die so an unser Herz geht, weil sie voller starker Bilder und Symbole ist.
Nun erzählt der Evangelist Johannes etwas ganz anderes – ebenfalls reich an Bildern (Licht, Finsternis, Fleisch), aber eigentlich fehlt die „Geschichte“. Was wir am zweiten Sonntag nach Weihnachten hören (und zuvor ja auch schon am ersten Weihnachtstag gehört haben) ist hohe Theologie und Philosophie.
Johannes beginnt ganz von vorne, mit dem Ur-Anfang. Nicht erst im Jahre Null, nein, mit dem Zustand vor Erschaffung der Welt beginnt er. Eine Weihnachtsgeschichte, die schon vor allem anderen beginnt. Wie großartig! Die Heilsgeschichte, unsere Geschichte als Volk Gottes, ist tatsächlich das große Kontinuum, das nun mit der Geburt des Jesus von Nazaret in eine neue Dimension geht.

Wissenschaftler sämtlicher Fachrichtungen machen sich seit jeher Gedanken um den Beginn der uns bekannten „Welt“: eine Forschung, um dem Anstoß für die Entstehung von Raum und Zeit auf die Spur zu kommen.
In unserem Evangelium liegt der Anfang begründet im Wort (griechisch „logos“), in Gottes Wort. Es gäbe viele andere Antwortmöglichkeiten auf die Frage, was denn ganz am Anfang gewesen war: der Wasserstoff (Hoimar von Ditfurth), die Tat (Johann Wolfgang von Goethe im „Faust“), die Weisheit („Bibel in gerechter Sprache“), die Schwerkraft (Stephen Hawking).
Das Wort also. Das ausgesprochene, adressierte Wort. Der Theologe Hans Küng beschreibt diesen besonderen Gott des Christentums so: „Gott zugleich Ursprung, Halt und Ziel des Menschen. Wo andere nur unendliches Schweigen vernahmen, da berichten die (…) Schriften vom Angesprochensein und der Inanspruchnahme des Volkes durch  seinen Gott. Wo andere den echolosen Raum  und die Leere erfuhren, durfte dieses Volk für sich und andere entdecken, dass das Absolute hörbar und anredbar ist. Ein geheimnisvoll ansprechendes und ansprechbares Du. (…) Dies also ist gemeint, wenn Christen plädieren für einen Gott, der sich den Menschen als Partner erwählt und ihn durch seine Anrede zum Du gemacht hat, der ihn durch sein Wort zur Antwort herausgefordert hat, um ihn so in seine Verantwortung zu stellen; für einen Menschen, mit dessen Würde es unvereinbar ist, je als Futter für Bomben oder Experimente oder als Dünger für die Evolution missbraucht zu werden.“
Zur Antwort sind wir herausgefordert: wir, die wir mehr Fragen als Antworten haben, die wir immer wieder vor Rätsel der menschlichen Existenz stehen – wie soll das gehen? Aber auch das steht in diesem Evangelium: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“

Licht – das wohl wichtigste Symbol an Weihnachten. Licht in einer dunklen Jahreszeit!?

Es wird uns viel genommen in dieser Zeit der Pandemie.  Was uns aber bleibt, ist das Licht in seinem ursprünglichsten Wortsinn: der Sonnenaufgang, jeden Tag, so banal das zunächst sein mag, oder ein kleines Wolkenloch an einem sonst grauen Tag, ein schräger Sonnenstrahl am Abend. Oder die Lichtprojektion am Matterhorn von Gerry Hofstetter in diesem Frühjahr mit dem Schriftzug „#hope“. Hoffnung, die daher rührt, dass wir selbst „Kinder des Lichts“ sind (Epheserbrief 5,8) und in den kleinen Dingen des Lebens Licht füreinander sein können. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Wir sind nicht alleine!
Irenäus von Lyon schlägt den Bogen von Gottes Schöpferwerk an uns Menschen zu seiner Sehnsucht nach seinen Geschöpfen, die darin gipfelt, dass er selbst Mensch geworden ist: „Die Kunst Gottes gestaltet den Lehm, der du bist. Nachdem er dich aus dem Stoff geformt hat, wird er dich innen und außen mit reinem Gold und Silber schmücken. So schön wird er dich machen, dass am Ende er selbst nach dir verlangt.“

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