Redaktion der pilger

Mittwoch, 05. Mai 2021

Beisetzung nach 65 Jahren

Die sieben Säckchen mit Erde, die sich 65 Jahre lang in einer Eichenholzkiste (links) befanden, wurden in einer eigens angefertigten Stele (rechts) beigesetzt. (Foto: Nowicki/Pfarrei Pax Christi)

Speyer: Erde von nordfranzösischen Schlachtfeldern in Pax-Christi-Kapelle überführt

„Gott unser Vater, wir stehen vor dieser Erde aus Nordfrankreich und bitten dich um Deinen Segen und Dein liebendes Gedenken für die vielen Toten, für die diese Erde steht: die Opfer von Krieg und Gewalt.“ Es war ein bewegender Moment, als der Mainzer Bischof und Präsident der Pax-Christi-Friedensbewegung, Peter Kohlgraf, am 8. Mai Erde von sieben nordfranzösischen Schlachtfeldern des Ersten und Zweiten Weltkriegs in einer besonders gestalteten Stele beisetzte. Die Zeremonie im Vorraum der Pax-Christi-Kapelle, die in der Krypta unter dem Altarraum der Speyerer Friedenskirche St. Bernhard verortet ist, wurde Corona-bedingt per Livestream übertragen.

Die Erde befindet sich in sieben Säckchen, die Jahrzehnte lang in einer Eichenholzkiste lagerten. Sie wurde bereits am 1. November 1956 nach einer Feierstunde vom damaligen Speyerer Bischof Isidor Markus Emanuel in die Pax-Christi-Kapelle überführt und vor dem Tabernakel aufgestellt. Initiatorin der Übergabe war die Internationale Katholische Friedensbewegung Pax Christi. Sie hatte bewusst Erde von nordfranzösischen Soldatenfriedhöfen ausgewählt. Damit wollte sie den Blickwinkel auf beide Weltkriege lenken. Denn sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg war dieses Gebiet heftig umkämpft. In der Kapelle sollte die Erde, wie es mit den anderen Erden und Gedenkstücken aus verschiedenen Kontinenten, die meist von Kriegs- und Schreckensorten stammen, geschehen ist, beigesetzt werden.

„Und heute, nach 65 Jahren, wird die Erde wieder auf Initiative der Pax-Christi-Bewegung Speyer in die Pax-Christi-Kapelle überführt“, sagte Pastoralreferent und Historiker Dr. Markus Lamm, der im Rahmen eines Online-Vortrags die historische und heutige Bedeutung der Friedenskirche St. Bernhard beleuchtete und sie mit der Pax-Christi-Kapelle und der Erde, die dort eingebracht wurde, in Verbindung setzte. Er beschäftigte sich auch mit der Frage, was in den vergangenen 65 Jahren mit der Eichentruhe passiert ist. „Wir wissen es nicht“, lautete seine banale Antwort. Sicher sei, dass die kleine Holzkiste in der Kapelle keinen festen Platz gehabt habe, nach einiger Zeit einfach weggestellt worden und in Vergessenheit geraten sei. „Bis sie beim Aufräumen der Sakristei vor etwa einem Jahr zum Vorschein kam“, klärte Lamm die Zuhörer auf. Schließlich sei die Idee entstanden, „der Truhe den ihr zustehenden Platz im Vorraum der Pax-Christi-Kapelle zu geben“.  

Messfeier zum Kriegsende
Im Anschluss an den Vortrag und die Beisetzung der Erde luden die Veranstalter, die Speyerer Dompfarrei Pax Christi und die Ortsgruppe der gleichnamigen Internationalen Katholischen Friedensbewegung, zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem digitalen Gottesdienst mit Bischof Kohlgraf in der Friedenskirche St. Bernhard ein. Der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sei eine globale Aufgabe, sagte Bischof Kohlgraf in seiner Predigt. Doch statt die Probleme dieser Welt wie die Corona-Pandemie, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus als Aufruf zu Frieden und Solidarität zu verstehen, werde weltweit aufgerüstet. Auf der Erde herrsche die Meinung, dass Streit durch Androhung von Gewalt verhindert werde und Friede durch Stärke entstehe.

Der Mainzer Oberhirte stellte der weltlichen Auffassung des Friedens den göttlichen Frieden gegenüber und charakterisierte ihn mit drei Eigenschaften. Zum einen nehme er alle in die Pflicht, aktive Friedensarbeit zu leisten. Kohlgraf bezog dabei die Kirche ausdrücklich mit ein und verwies auf Menschen, die die Institution auch als Macht- und Gewaltsystem erlebt hätten und noch immer erlebten. Die Sicht auf den anderen Menschen „als Kind Gottes, als Bruder und Schwester, als Gottes Ebenbild, dass von Gott zum Leben gerufen ist“ sei genauso eine weitere Eigenschaft des göttlichen Friedens wie die Fähigkeit und Bereitschaft zur Versöhnung.  (pede)

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