Redaktion der pilger

Montag, 24. Mai 2021

Eine frohe Feier mit Ermutigung

Ausgangspunkt des Pfingstereignisses ist das jüdische Schawout, das Wochenfest, 50 Tage nach Pesach. Es ist ein fröhliches Erntedankfest, weil zu dieser Zeit im Mai im Heiligen Land die erste Getreideernte eingebracht wird. Auch für andere Erntegaben wird bei diesem Fest Gott gedankt. (Foto: Rafael Ben-Ari/AdobeStock.com)

Was das Pfingstfest für Jesu Jünger und für uns ist

Das christliche Pfingstereignis fand nach den Berichten der Apostelgeschichte (2,1) am jüdischen Schawuotfest statt. Dieses Fest feiert die Offenbarung der Tora, also der Zehn Gebote an das Volk Israel und gehört zu den Hauptfesten des Judentums. Schawuot bedeutet „Wochen“ und weist damit auf die mit dem fünfzigsten Tag vollendeten sieben Wochen nach dem Pessachfest hin. Unser deutscher Begriff „Pfingsten“ leitet sich vom griechischen Namen „pentekost“ ab, was übersetzt soviel bedeutet wie „am 50. Tag“. Das Schawuotfest ist aber nicht nur ein historisches Gedenkfest, sondern gleichzeitig ein großes Erntedankfest, weil hier die Weizenernte in Israel bereits beendet ist.

Eigentlich hätten die Jünger deshalb feiernd durch die Straßen ziehen müssen. Stattdessen sitzen sie traurig und einsam in ihren Hütten. Jesus fehlt ihnen. Den Anhängerinnen und Anhängern Jesu ist so gar nicht nach großem Feiern zumute.

Da bricht plötzlich ein Brausen an, wie ein heftiger Sturm. Feuerzungen fallen vom Himmel. Und alle werden vom Heiligen Geist erfüllt und beginnen in vielen Sprachen zu reden, die sie vorher gar nicht kannten. Alle verstehen einander. Was für ein Wunder!
Nach dem Zeugnis des Johannes-Evangeliums (20,19-23) war und ist diese Geistsendung allerdings ein Aspekt von Ostern. Sie erfolgt hier bereits am Abend des Ostertages.
Maria von Magdala ist zuvor schon dem auferstandenen Jesus begegnet und hat die Botschaft den Jüngern ausgerichtet. Allerdings scheint sie keine Wirkung gezeigt zu haben. Die Jünger brauchen offenbar eigene Erfahrungen.

Pfingsten wurde in den ersten Jahrhunderten der Kirche zunächst gar nicht als eigenes Fest gefeiert. Das entwickelte sich erst im Laufe der Zeit. Denn die Gaben des Auferstandenen an die Jünger sind schon etwas Besonderes: zunächst der Friede, der sogar zweimal zugesprochen wird und als zweite Gabe der „Geist Jesu“. Diese Gabe wird für die Jüngerinnen und Jünger zugleich zur Aufgabe: Es ist ihre Sendung hinaus in die Welt. Als Vorbild dient dafür Jesu eigene Sendung vom Vater, die er auf der Erde gelebt hat. Dieser Geist wird von Jesus durch Anhauchen übertragen. Dies erinnert an Genesis 2,7, wonach Gott bei der Erschaffung des Menschen diesen durch seinen Geist, sein Einhauchen lebendig macht. Jedes Mal wird das hebräische Wort „ruach“ benutzt, was übersetzt soviel bedeutet wie Geist, Atem oder Wind.  

Jesus traut seinen Jüngern, die ihn am Ende seines irdischen Lebens im Stich gelassen haben und nun immer noch voller Angst sind, sehr viel zu. Sie erhalten einen beeindruckenden Auftrag: Sie sollen das Werk Jesu fortsetzen und das Höchste, was Gott schenkt, nämlich Vergebung, den Menschen zusprechen: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ Diese Vollmacht wird allen Jesus-Nachfolgenden übertragen. Gott vergibt großzügig. Gerade Vergebung ist das, was Jesus auch in seinem irdischen Wirken so oft den Menschen als Gabe des himmlischen Vaters zugesprochen hat. Ihretwegen hat er sich mit den führenden Theologen seines Volkes angelegt, die solche Zusagen als Gotteslästerung verurteilten. Denn Schuld vergeben kann letztlich nur Gott als Herr des Lebens in der Welt.

Genau darin zeigt sich also die göttliche Vollmacht Jesu, nämlich im Geschenk der Vergebung. Diese Vollmacht gibt Jesus an Ostern an die Jüngerinnen und Jünger weiter. Der Grundstein für die Kirche Jesu Christi ist gelegt, und damit feiern wir an Pfingsten quasi das „Geburtstagsfest der Kirche“. Ermutigt durch den Heiligen Geist gehen die Anhängerinnen und Anhänger Jesu hinaus in alle Welt und verkünden seine frohe Botschaft überall.

So vollzieht sich das „Pfingstwunder“: Die Jünger konnten in verschiedensten Sprachen sprechen, so dass alle sie verstanden, egal ob sie Griechen, Römer, Araber oder Ägypter waren. Was Petrus über Jesus und seine Lehren erzählte, begeisterte viele Menschen. 3 000 Frauen und Männer lassen sich an diesem Tag taufen. So entstand die erste christliche Gemeinschaft, zu der wir bis heute gehören. Feiern wir deshalb frohen Herzens Pfingsten, das Geburtstagsfest der Kirche und lassen uns durch den Heiligen Geist ermutigen! (Luise Gruender)

 

 

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