Redaktion der pilger

Mittwoch, 26. Mai 2021

Gott ist Liebe

Gnadenstuhl. Miniatur aus einem Psalterium, das um 1330 in der Benediktinerabtei Engelberg in der Schweiz geschaffen wurde. Stiftsbibliothek Engelberg. (Foto: Stiftsbibliothek Engelberg)

Der „Gnadenstuhl“ zeigt, was Dreifaltigkeit bedeutet

Eine der bemerkenswertesten Bildschöpfungen der christlichen Kunst im frühen Mittelalter ist zweifellos der so genannte „Gnadenstuhl“, der dann vom 12. Jahrhundert an im Abendland zur klassischen Darstellung der Dreifaltigkeit Gottes wurde. Ein beeindruckendes Beispiel zeigt unser Bild, eine Miniatur aus einem Psalterium, das um 1330 in der Benediktinerabtei Engelberg in der Schweiz geschaffen wurde und sich dort in der Stiftsbibliothek befindet.

Unter einem Tor mit drei Bögen, hinter dem sich ein goldener Raum öffnet, sitzt Gott Vater auf einem breiten, goldenen Thron, dessen Sitzbank zu beiden Seiten in Weinranken mit je zwei Weinblättern ausgeht. Mit beiden Händen hält er das Kreuz vor sich, an das sein Sohn Jesus Christus angenagelt ist. Die blutenden Wunden durch die Nägel und die geöffnete, blutende Seite zeigen sein Leiden. Zwischen Vater und Sohn kommt der Heilige Geist in Gestalt der Taube herab. Nicht nur die drei göttlichen Personen weisen auf die Dreifaltigkeit, sondern bereits die Form der Darstellung: die drei Bögen des Tores sowie die zwei Dreiecke im Bau des Bildes: So lässt sich vom Haupt Gott Vaters zu seinen Händen und von da zu Jesu Füßen jeweils ein Dreieck zeichnen, deren gemeinsame Basis der Querbalken des Kreuzes ist.

Hingabe – so lässt sich diese Bewegung in dem ansonsten so statisch erscheinenden Bild wohl am treffendsten beschreiben: Gott hat seinen Sohn hingegeben, damit jeder, der an ihn glaubt, gerettet wird (Johannes-Evangelium 3,16–17). Das Bild zeigt: Gott hält uns von nun an diese Hingabe hin, das Kreuz mit dem Gekreuzigten, Jesus Christus, das Opfer für uns, „kraft des ewigen Geistes“ (Hebräerbrief 9,14). Und Gottes Geist ist da, uns ständig zu erinnern, dass diese Hingabe kein einmaliger „Akt“ war, sondern unaufhörlich geschieht. So will es Gott, der (die) Liebe ist (erster Johannesbrief 4, 16b).

Letztlich ist dies das Geheimnis der Dreifaltigkeit (oder Dreieinigkeit) Gottes: Wenn Gott Liebe ist, kann er das nicht allein sein, sondern nur in der Lebendigkeit von Beziehung und Austausch, durch den unaufhörlich Leben schaffenden und Liebe wirkenden Geist zwischen Vater und Sohn. Daran haben wir andauernd teil: an dem nie versiegenden Strom von Leben und Liebe, der auf uns kommt und uns durchdringt, Hingabe auch dies. Ein anderes Wort dafür ist „Gnade“.   

So ist der „Gnadenstuhl“ ein gutes Bild für Gottes Dreifaltigkeit. Im Hebräerbrief 9,5 ist vom Hilasterion die Rede, ursprünglich der Deckel der Bundeslade mit dem Zehnwort, „Grund“ des Bundes Gottes. Dies ist „Ort“ der Sühne Gottes für sein Volk, die ein für allemal durch das Sühneopfer Jesu überboten und vollendet ist. In unserer Bibel ist tó hilastérion mit „Sühneplatte“ übersetzt, bei Martin Luther und anderen mit „Gnadenstuhl“. Gottes Sohn Jesus Christus, der kraft des ewigen Geistes Gottes (Hebräerbrief 9,14) sein Sühneopfer vollzog, hat uns damit den Strom der Gnade, des Lebens und der Liebe in Fülle zugeleitet, der überreich und unaufhörlich aus dem dreifaltigen Gott fließt. „Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden“ (Hebräerbrief 4,16). (kh)

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