Redaktion der pilger

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Ein anderer Blick auf die Dinge

Erste Sozialreferentin im Bistum: Jutta Baltes auf der roten Erzähl- und Verweilbank im Kirchgarten von Maria Schutz. (Foto: Jung)

Drei Frauen bekleiden die im Bistum neu eingeführte Funktion einer Sozialreferentin

„Einfach machen – könnte ja gut werden.“ Der Satz steht auf einer Postkarte, die Jutta Baltes an die Wand ihres Büros gepinnt hat. Er beschreibt augenzwinkernd ihren Antritt als Sozialreferentin. Denn die Diplom-Pädagogin hat am 1. August 2020 als Erste diese Aufgabe übernommen. In dieser neuen Funktion verstärkt sie das Pastoralteam der Pfarrei Maria Schutz in Kaiserslautern.

„Ich war 30 Jahre lang Jugendreferentin in den Dekanaten Donnersberg und Kusel. Es war eine gute Zeit. Aber schließlich war der Punkt erreicht, an dem ich den Wunsch hatte, noch mal etwas ganz anderes zu machen.“ Deshalb habe sie das neu eingeführte Feld der Sozialreferentin auf Anhieb interessiert. Obwohl die 58-Jährige reichlich Erfahrung im Umgang mit Pfarreien, Gruppen, Veranstaltungen, Projekten und Aktionen mitbringt, sei es ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. „Denn bei meinem Antritt war das neue Stellenprofil noch nicht klar definiert.“ Das hat sich längst geändert.  

Zu ihren Aufgaben gehört es, die Sozialraumanalayse zu begleiten und zu verwirklichen, bei der Fortschreibung des Pastoralen Konzepts mitzuwirken, Projekte zu entwickeln sowie karitativ engagierte Ehrenamtliche zu gewinnen und zu begleiten. Außerdem fallen die Kooperation mit dem Caritas-Zentrum, die Vernetzung mit städtischen Stellen und anderen nichtkirchlichen Institutionen und Einrichtungen und nicht zuletzt die Vermittlung Ratsuchender an professionelle Beratungsangebote in ihre Zuständigkeit. Obendrein mussten die Sozialreferentinnen noch einmal die Schulbank drücken und eine theologische Grundqualifikation per Fernkurs absolvieren. „Hinter allem stehe die Idee, als Sozialreferentin das Pastoralteam um ein weiteres Berufsbild und damit um einen anderen Blick auf die Dinge zu ergänzen“, so Baltes.

Den Sozialraum im Blick haben
„Trotz Corona-Pandemie habe ich mich mittlerweile in allen Gemeinden vorgestellt und darüber hinaus viele Kontakte geknüpft.“ Ein wichtiger Punkt sei es, den Sozialraum in den Blick zu nehmen. Zu schauen, was die Menschen brauchen. Wie etwa auf dem Betzenberg, der keine Einkaufsmöglichkeiten mehr bietet und damit auch eine soziale Komponente verloren hat. In einer gemeinsamen Aktion mit einer Mitarbeiterin der Gemeindecaritas des Caritas-Zentrums Kaiserslautern war Jutta Baltes vor Ort, um mit den Menschen zu reden.

 „Weiterhin sind wir dabei, die ,Kirche Kunterbunt‘ in der Gemeinde St. Norbert langsam wieder aufleben zulassen. Das ist ein niedrigschwelliges Angebot für Familien mit Kindern zum Basteln, Beten und mit anschließendem Buffet.“ Neu eingeführt im Sommer wurde der ,Kleine Freitag‘, ein monatlicher Feierabend-Talk am Donnerstag auf der Kirchenwiese Maria Schutz, der allen Interessierten offen stand. „Er hat viermal stattgefunden und sollte Gelegenheit bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen, andere Leute kennenzulernen und neue Impulse mit ins Wochenende zu nehmen.“ Für diesen Anlass kamen die beiden Bänke gerade recht, die die gegenüberliegende Kita der Pfarrei überlassen hat. Rot angepinselt stehen sie nun auf der Kirchenwiese und laden zum Verweilen ein.

Nach einem Jahr als Sozialreferentin kann Jutta Baltes eine erste Bilanz ziehen. „Mir macht die neue Aufgabe viel Freude. Es gefällt mir, Kirche weiter zu denken, vor allem unter dem karitativen Aspekt, der alle einschließt, ob Gemeindemitglieder oder nicht. Man muss sehen, was möglich ist und wo es Grenzen gibt.“  

Kirchliches Neuland betreten
Das wünscht sich auch Susanne Poerschke, seit September vergangenen Jahres die neue Sozialreferentin der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Landau. Ebenfalls aus der Jugendarbeit kommend, habe sie sich gefreut, kirchliches Neuland zu betreten. „Mein Schwerpunkt war es erst einmal, den Stadtteil kennenzulernen, mit den entsprechenden Einrichtungen Kontakt aufzunehmen und zu sehen, welche Kooperationen es gibt. Daraus haben sich bereits einige Aktionen ergeben.“ Mit der Tafel seien zu Weihnachten Überraschungen für Kinder gepackt worden. „In den Sommerferien haben wir in Zusammenarbeit mit dem Caritas-Zentrum ein zweiwöchiges Freizeitprogramm für Kinder veranstaltet.“ Geplant sei ein Willkommensdienst, der neue Bürger begrüßt, „um der Kirchengemeinde ein Gesicht zu geben“. Vieles werde sich in den nächsten vier Jahre des Pilotprojekts noch entwickeln, ist sich die Diplom-Sozialpädagogin sicher.

Die Dritte im Bunde der Sozialreferentinnen ist Rita Rösch. Sie hat ihre Stelle im Oktober 2020 in der Pfarrei Seliger Josef Paul Nardini Germersheim angetreten. Wie ihre beiden Kolleginnen kommt sie aus der Jugendarbeit. „Aber irgendwann ist man aus diesem Bereich herausgewachsen“, sagt die 60-Jährige. „Es macht mir Spaß, nun auf einem anderen Gebiet Neues zu entwickeln und meine Erfahrungen einbringen zu können.“

Eine erste Herausforderung sei die Corona-Krise gewesen. „Da war Einsamkeit ein großes Thema, die Leute hatten großen Redebedarf.“ Aus dieser Situation sei die Idee des Erzähltelefons entstanden, das sich in Landau und Kaiserslautern schon etabliert hat. „Noch steckt es hier in den Kinderschuhen, aber ich bin dabei, es ans Laufen zu bringen.“ Eine Umfrageaktion zusammen mit dem Caritas-Zentrum unter dessen Jahreskampagne-Motto „Das machen wir gemeinsam“ sei bereits sehr erfolgreich verlaufen. „Wir hatten einen Stand und wollten von Passanten unter anderem wissen, wie es um ihr Wohlbefinden in Germersheim bestellt ist oder was ihnen in ihrem Stadtviertel
fehlt.“(friju)

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