Redaktion der pilger

Montag, 15. November 2021

In unserem Alltag anders leben

Mitten im Herbst schon an den Frühling denken – den frisch austreibenden Feigenbaum nimmt Jesus als Symbol des Vertrauens in das Leben. (Foto: Jürgen/AdobeStock.com)

Jesus will, dass wir mitbauen am Reich Gottes

In diesem Sommer habe ich Exerzitien in St. Thomas in der Eifel gemacht. Ein kleiner Ort in der Nähe von Bitburg. Dort konnte ich sehen, wie auch hier die Flutkatastrophe vom 14. Juli Teile der Region verwüstet hat. Ein kleiner Fluss, die Kyll, wurde zu einem reißenden Strom. Überall entwurzelte Bäume und riesige Steine, die angeschwemmt am Ufer lagen. Ein schockierender Anblick. Beim Lesen des heutigen Evangeliums wurde ich daran erinnert.
Der Evangelist Markus hat die Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 vor Augen. Unbeschreibliche Gewalt bricht über Israel herein. Die Römer reagieren mit extremer Härte auf die Freiheitsbestrebungen der Menschen im damaligen Palästina. Das 13. Kapitel des Markus-Evangelium wird auch „kleine Apokalypse“ genannt. Das geht es um Kriege, Misshandlungen, Erdbeben und Hungersnöte. Gewalt und Hass haben die Welt fest im Griff.
Erschreckend ist, dass sich bis heute daran wenig geändert hat. Jeden Tag werden wir von Schreckensbotschaften in den Nachrichten überflutet. Der Klimawandel trägt in den letzten Jahren immer mehr mit negativen Schlagzeilen dazu bei. Hitze, Dürre, Waldbrände, Unwetter und Überschwemmungen weltweit. Millionen Menschen leiden unter Wasserarmut und Hunger.
Markus beschreibt die Situation damals mit drastischen Worten. „Nach der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen.“ Die Worte können Angst machen. Sie können uns aber auch nachdenklich und neugierig machen. Markus verwendet einen spannenden Vergleich. „Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum: Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.“

Wenn es wie hier um das Ende der Welt geht, hätten die meisten Menschen das wohl anders formuliert. „Sobald die Blätter des Feigenbaums gelb werden und abfallen, wisst ihr, dass der Winter nahe ist.“ Das würde auch vielmehr unsere jetzige Stimmung im Herbst treffen. Herbst als Synonym für Kälte, Nässe, Dunkelheit und Tod. Nicht umsonst liegen viele Totengedenktage im November.

Jesus setzt mit seiner Aussage einen anderen Akzent. Er erinnert an den Feigenbaum im Sommer. Die Zeit des Winters und des Frierens hat ein Ende. Die Zweige werden saftig. Die Blätter treiben. Der Baum bringt süße Frucht und reiche Nahrung.

Und „der Menschensohn“, gemeint ist Jesus, steht vor der Tür. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ „Wie vieles vom Himmel unserer Werte muss erst einstürzen, damit wir Gott tiefer begreifen? Die Antwort fällt schwer, ist aber nicht schwierig. In unseren Herzen könnten wir so einfach fühlen, was menschlich ist. … Wenn der Plunder abfällt und wir bebenden Schrittes diese bebende Erde überschreiten, wird Gott uns nahe sein mit dem Schutz seiner Liebe“ (Eugen Drewermann, Das Markus Evangelium). Im letzten geht es im Evangelium um das Kommen des Menschensohns. Alles dreht sich um das Reich Gottes, um Gottes Macht und Herrlichkeit. Und in der Gestalt Jesu hat das Reich Gottes ein Gesicht bekommen.

Und was kann das für uns heute bedeuten? Wir können wie das „Salz der Erde“ oder wie „Sauerteig“ am Reich Gottes mit bauen. Wir können uns solidarisch erklären mit denen, die am Rande stehen. Wir können sie zu Wort kommen lassen und wie Jesus es getan hat, vom Rand in die Mitte holen. Wir können unsere direkte oder indirekte Hilfe anbieten für die, die von Überschwemmung, Dürre, Hunger oder Kriegen betroffen sind. Wir können mit Verzicht und Umdenken unseren eigenen Beitrag vor Ort für mehr Klimaschutz leisten. Wir können in unserem Umfeld, in der Familie, in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, im Freundes- und Bekanntenkreis an einem Klima des Aufeinanderhörens, des Respekts und Vertrauens arbeiten. Und wir können für ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und der Versöhnung immer wieder beten. (Stefan Dreessen)

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