Redaktion der pilger

Freitag, 10. Dezember 2021

Was sollen wir tun?

Johannes der Täufer. Rötelzeichnung von Flaminio Torre (Ausschnitt),

Die Antwort gibt die Heilige Schrift. Auch für heute

„Was sollen wir tun?“, mit dieser Frage treten die „Scharen“ an Johannes den Täufer heran. In der Einheitsübersetzung vor 2016 waren es die „Leute“ und bei Luther ist es die „Menge“. Die „Scharen“ hört sich irgendwie gewaltiger an. „Was sollen wir tun?“ (V 10) und etwas weiter unten sogar mit der Anrede „Meister, was sollen wir tun?“ (V 12).
Diese Frage lässt mich bei der Betrachtung der Bibelstelle nicht mehr los und zugleich fällt mir eine Parallele zu Lukas 10, Vers 25 ein. Dort wird eine ähnliche Frage gestellt: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ Allerdings wird die Frage dort Jesus gestellt. Der aufmerksame Leser weiß, es ist die Einleitungsfrage zur Erzählung vom barmherzigen Samariter.

Der Bibelstelle vom Dritten Adventssonntag geht der Ruf zur Umkehr voraus. Die Frage dient der Konkretisierung, wie Umkehr geschehen kann. Allgemein verweist Johannes auf die Bereitschaft zu teilen. Den anderen, der in Not ist, wahrzunehmen und ihm konkret zu helfen. Interessanterweise werden auch gleich zwei Berufsgruppen genannt, die zur damaligen Zeit ein eher geringes Ansehen genossen. Die Zöllner und die Soldaten.

Aber Johannes wertet deren Beruf als solchen nicht ab, er verweist nur darauf, dass sie ihn letzten Endes  gerecht ausüben, ihre Macht nicht missbrauchen sollen. Egal welchen Beruf ein Mensch auch hat, wenn er in Gerechtigkeit und geschwisterlicher Verantwortung ausgeübt wird, ist kein Beruf vom Heil ausgeschlossen.

Die Frage „Was sollen wir tun?“ bewegt mich zutiefst. Sie bewegt mich zutiefst angesichts der großen Fragen unserer Zeit. Überall auf der Welt wird dieser Ruf immer lauter.

Was sollen wir tun angesichts der vielen Menschen, die verzweifelt auf der Flucht sind, auf der Suche nach einer besseren Zukunft für sich und ihre Familien? In der Politik wird heftig darum gestritten, wie mit diesen Flüchtlingen zu verfahren ist. „Was sollen wir tun?“.

Was sollen wir tun angesichts eines fortschreitenden, menschengemachten Klimawandels, unter dem schon heute viele tausend Menschen in vielen Teilen der Welt leiden, auch bei uns im wohlbehüteten Deutschland?

Was sollen wir tun angesichts des zunehmenden Artensterbens, des Abschmelzens der Gletscher, des Absterbens der Korallenriffe, der Vermüllung der Ozeane, der Abholzung der letzten Wälder?

Was sollen wir tun angesichts dessen, dass immer mehr Nationalstaatlichkeit die Kluft zwischen europäischen Ländern vertieft?
Was sollen wir tun angesichts eines wachsenden Rechtspopulismus in Deutschland und in anderen Ländern dieser Welt? Angesichts brandgefährlicher politischer Machtspiele an der ukrainischen Grenze zu Russland oder an der belarussisch-polnischen Grenze?

Die Frage ließe sich schier endlos fortsetzen. Damals wie heute können wir Johannes dem Täufer diese Frage stellen, ganz gleich welchen Beruf wir ausüben, ob Zöllner und Zöllnerinnen, Finanzbeamten und -beamtinnen, Investmentbanker und -bankerinnen, Busfahrer und Busfahrerinnen, Apotheker und Apothekerinnen, Fließbandarbeiter und -arbeiterinnen, Tankstellenverkäufer und -verkäuferinnen, Seelsorger und Seelsorgerinnen, Politiker und Politikerinnen. Seine Antwort wäre wahrscheinlich dieselbe, wie schon damals vor 2 000 Jahren: Wer hat, der gebe. Handelt gerecht. Bereichert euch nicht auf Kosten anderer. Letztlich erweist sich Johannes auch in dieser Botschaft als Vorläufer Jesu, der im Gleichnis vom barmherzigen Samariter nichts wesentlich anderes verkündet. Kümmere Dich um Deinen Nächsten. Geh, und handle genauso!

Wie viel Leid würden wir in der heutigen Zeit vermeiden, wenn alle Menschen den Anweisungen Johannes des Täufers folgen würden? Die Welt sähe heute sicher anders aus. Wen wundert es, dass die Menschen damals Johannes für den Messias hielten? Und doch, bei allem Bemühen würden die Menschen dem Anspruch nicht gerecht werden, den Johannes der Täufer einfordert.

Das weiß auch Johannes. Die Menschen blieben Getriebene ihrer eigenen Bedürfnisse, wären mit Fehlern und Schwächen behaftet, würden sich dennoch für das Falsche entscheiden, blieben erlösungsbedürftig. Johannes tauft eben nur mit Wasser. Es braucht ein Mehr für die Hoffnung auf das Ewige. Es braucht jemanden, der nicht nur mit Wasser tauft, sondern mit dem Heiligen Geist. Er ist die Hoffnung angesichts der Fehler und Schwächen der Menschen. Das kann nicht ich sein, weiß Johannes.
Vielleicht ist das die Botschaft des Evangeliums an diesem Adventssonntag: Kehrt um, wendet euch einander zu. Lebt gerecht. Kümmert euch um die, die Hilfe brauchen. Tut, was euch aufgetragen ist gewissenhaft. Bemüht euch nach Kräften, das Richtige zu tun. Wählt das Gute für euch und eure Nächsten. Setzt euch für die Unterdrückten ein.
Aber so sehr ihr euch auch bemüht, die Vollendung liegt nicht in eurer Hand. Sie liegt in der Hand dessen, der mit Feuer tauft. Letzten Endes in der Hand Gottes, der alles zu einem guten Ende führen wird. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Steffen Glombitza)

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

17.02.22
Redaktion der pilger

Quote verbindlich festlegen

Diözesanversammlung berät über Frauenförderung und Strategieprozess
17.02.22
Redaktion der pilger

Richtet nicht, aber empört euch

Dann aber fordert Jesus, konkret einzugreifen, Missstände und Schieflagen zu...
10.02.22
Redaktion der pilger

Messe nicht nur für Filmfans

Kinogottesdienst mit dem Thema „Mein Elementarteilchen“
10.02.22
Redaktion der pilger

Kardinal Wetter gibt Landauer Ehrenbürgerwürde zurück

Der frühere Münchner Kardinal Friedrich Wetter gibt die Ehrenbürgerschaft seiner...
09.02.22
Redaktion der pilger

Eine Kirche in jeder Richtung behalten

Interview zum Gebäudekonzept der Pfarrei St. Ingbert: Zwei Ehrenamtliche äußern...
09.02.22
Redaktion der pilger

Kollekte am 13. Februar

Diözesan-Caritasverband ruft zu Spenden für die Not- und Katastrophenhilfe auf
09.02.22
Redaktion der pilger

Kräftige Finanzspritze

Spenden des Hungermarsches ermöglichen Geburtsstation in Burkina Faso
09.02.22
Redaktion der pilger

Hier und heute

Jesu „Selig“ und „Wehe“ gelten nicht nur fürs Jenseits
08.02.22
Redaktion der pilger

Bitte um Entschuldigung

Benedikt XVI. erbittet Entschuldigung und dementiert Vertuschung
03.02.22
Redaktion der pilger

Der Meister der schönen Lieder

Vor 225 Jahren wurde Franz Schubert geboren
03.02.22
Redaktion der pilger

Roter Hut mit weißen Punkten

Der giftige Fliegenpilz gilt als Glückssymbol und ist 2022 zum „Pilz des Jahres“...
03.02.22
Redaktion der pilger

Das „Mea culpa“ fehlt

Erschütternd am Münchner Gutachten ist, wie sich Kirchenführer aus ihrer...
02.02.22
Redaktion der pilger

Diakon mit Biss

Er nimmt gewöhnlich kein Blatt vor den Mund. Auch mit Kritik an der Kirche spart...
02.02.22
Redaktion der pilger

Teil einer deutschlandweiten Initiative

In Oggersheim betet jeden Mittwoch eine Gruppe von Menschen den Rosenkranz für...
02.02.22
Redaktion der pilger

Auf sein Wort hin

Tun, was Jesus sagt. Das gilt auch heute
31.01.22
Redaktion der pilger

Nur im persönlichen Gespräch

Schwangeren-Beratung: Verein donum vitae lehnt Gesetzespläne aus Berlin ab
31.01.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Umfangreiche Studie in Vorbereitung

Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum will Missbrauchsgeschehen...
31.01.22
Redaktion der pilger

Verfolgung hat sich weltweit verschärft

Hilfswerk beklagt Diskriminierung von Christen
28.01.22
Redaktion der pilger

Kardinal Marx: Weiterhin zum Rücktritt bereit

Kardinal Wetter entschuldigt sich für Fehleinschätzungen
28.01.22
Redaktion der pilger

Zeit der Wahrheit

Bischöfe fordern nach Münchner Missbrauchsstudie Konsequenzen
28.01.22
Redaktion der pilger

Schauen

Wie Thomas von Aquin geistliches Leben bestimmt
28.01.22
Redaktion der pilger

Der Segen beim Kaninchenstall

Kloster Neustadt bietet seit zwei Jahren für Erholungssuchende eine Woche Auszeit...
28.01.22
Redaktion der pilger

Gegen Unrecht und Ausbeutung tätig

Der Priester Dr. Ludwig Nieder starb vor 100 Jahren – In Bexbach wird an den ersten...
21.01.22
Redaktion der pilger

„Alle sollen sich persönlich erklären“

Interview mit Jesuitenpater Hans Zollner zum Münchner Missbrauchsgutachten
21.01.22
Redaktion der pilger

„Seppelskasten“ wird Wohnquartier

Speyer: Gemeinnütziges Siedlungswerk des Bistums schafft dringend benötigte...
21.01.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Vielfältiges Programm

Die Heilsbach hat 2022 Angebote für jeden Geschmack und jedes Alter
21.01.22
Redaktion der pilger

Ruf nach mehr Fantasie

Was die Kirche aus den Erfahrungen der Pandemie lernen kann
21.01.22
Redaktion der pilger

Immer ist heute

Den Willen Gottes erfüllen, den Menschen Heil bringen
21.01.22
Redaktion der pilger

Lesen, schauen und entdecken

Sachkundig und kurzweilig – Theologe Karl-Markus Ritter legt neues Buch über den...
21.01.22
Redaktion der pilger

Aus der Anonymität holen

Gedenkstein für fünf jüdische Mitbürger, die Opfer der Naziverbrechen wurden
13.01.22
Redaktion der pilger

Zeitenwende im Kloster

Neue Generalpriorin der Dominikanerinnen von St. Magdalena stammt aus Brasilien
13.01.22
Redaktion der pilger

Fairness an der Ladentheke

Wie können Lebensmittelpreise sozialgerecht angehoben werden?
13.01.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Sogar Kamele waren im Einsatz

Bei der diesjährigen Sternsingeraktion ließen sich die kleinen Könige...
13.01.22
Redaktion der pilger

30 Millionen bis 2030

Bistum Speyer will jährliche Ausgaben drastisch reduzieren
13.01.22
Redaktion der pilger

Adveniat würdigt Grande

Seligsprechung des ermordeten salvadorianischen Priesters am 22. Januar
13.01.22
Redaktion der pilger

Digitale Erfolgsgeschichte

Ein junges, engagiertes Team streamt Gottesdienste nicht nur in Frankenthal
13.01.22
Redaktion der pilger

Adieu Christbaum

Auch ausrangierte Tannen können noch nützliche Funktionen haben
10.01.22
Redaktion der pilger

Erzeugerwechsel nach fünf Jahren

Weingut Anselmann stellt neuen Domsekt her
07.01.22
Redaktion der pilger

„Schluss damit!“

Papst Franziskus verurteilt zu Neujahr Gewalt an Frauen
07.01.22
Redaktion der pilger

Mit Hoffnung in die Zukunft

Am 4. März wird der diesjährige Weltgebetstag gefeiert – Vier...