Redaktion der pilger

Donnerstag, 16. Dezember 2021

Glocken läuten die Weihnacht ein

An Heiligabend läutet das Glöckchen zur Bescherung (AdobeStock/Laurentiu Iordache)

Was ist es nur, was das Läuten der Glocken zu Weihnachten zu etwas ganz Besonderem macht? Sie scheinen den Menschen jetzt anders, festlicher, stimmungsvoller zu klingen als zu anderen Zeiten.

 Weihnachten ist alles anders, da unterstreicht das Geläut die Stimmung am Heiligen Abend. Selbst das Läuten zur Mitternachtsmesse stört nicht, man ist eh noch wach, und die Christmette beginnt sowieso in den Gemeinden selten um Mitternacht, sondern früher. Weihnachtskarten, als es noch allgemein üblich war, welche mit der Post zu verschicken, bildeten Glocken ab. Auch auf Geschenkpapier sind sie gedruckt, es gibt welche als Christbaumschmuck oder als Geschenkanhänger zur Verzierung der Päckchen. Ganz zu schweigen von den Weihnachtsliedern: „Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit, s‘ist, als ob Engelein singen, wieder von Frieden und Freud. Wie sie gesungen in seliger Nacht – Glocken mit heiligem Klang klingen die Erde entlang.“ So heißt es in dem erstmals 1860 veröffentlichten Weihnachtslied von Friedrich Wilhelm Kritzinger, Theologe und Pädagoge und zu der Zeit Direktor der Lehrerinnenbildungsanstalt in Droyßig im heutigen Sachsen-Anhalt. Den Text hatte er mit einer Volksliedmelodie aus Thüringen unterlegt. Sehr realitätsnah ist er nicht, man darf davon ausgehen, dass in Bethlehem um die Zeitenwende Glockengeläut unbekannt war, nicht nur in der „seligen Nacht“. Aber das Lied geht zu Herzen und wird gerne gesungen.

Genauso wie das bekannte „Kling, Glöckchen, klingelingeling, kling, Glöckchen kling. Lasst mich ein ihr Kinder, ist so kalt, der Winter. Öffnet mir die Türen, lasst mich nicht erfrieren!“ Wer ist das, der da Einlass begehrt? Die zweite Strophe verrät es: „Mädchen hört und Bübchen, macht mir auf das Stübchen, bring euch milde Gaben, sollt euch dran erlaben!“ Ah, das arme Christkind ist es, das draußen friert. Das von Karl Enslin verfasste Kindergedichtchen erschien erstmals 1854 in einer Liedersammlung des Komponisten Benedikt Widmann.

Ein alter Brauch: Das Glöckchen läutet zur Bescherung
Manches Weihnachtslied sollte man lieber fröhlich in Erinnerung an die Weihnachtsfeste der eigenen Kindheit singen, statt sich die Texte allzu genau anzusehen. In dem Lied „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ steckt jedoch der Hinweis auf ein besonderes Glöckchen, das auch den heutigen „Mädchen und Bübchen“ besonders lieb sein dürfte, sofern es in der Familie noch vorhanden und in Gebrauch ist: das kleine Handglöckchen nämlich, mit dem Mutter oder Vater läuteten zum Zeichen, dass das Christkind da war und die Geschenke, bereit zur Bescherung, unter den geschmückten Weihnachtsbaum oder auf einen Tisch daneben gelegt hat. In einer der schönsten deutschen Weihnachtsgeschichten, „Nußknacker und Mausekönig“ von E.T.A. Hoffmann wird die Szene eindrücklich beschrieben: Die Kinder sehen, im Dunkeln aneinander geschmiegt, einen Lichtschein an der Wand vorbeistreifen. Dann ertönt das Glöckchen, die Türen zum Weihnachtszimmer springen auf, und die Kinder stehen ganz geblendet vom Glanz an der Schwelle. Man kann sogar dazu tanzen. Peter Tschaikowsky hat eine wunderbare Ballettmusik dafür geschrieben, und nur der Vollständigkeit halber: Es gibt auch eine französische Version der Geschichte von Alexandre Dumas: „Geschichte eines Nußknackers“.

Seit vielen Jahrhunderten rufen die Glocken zu Andacht und Gebet
Aber zurück zu den Kirchenglocken: Eine der ersten Platten in meinem Elternhaus Anfang der 1960er Jahre war eine Schallplatte mit Weihnachtsliedern verschiedener Chöre, jeweils mit Glockenläuten dazwischen. Da erklangen die Wiener „Pummerin“ aus dem Stephansdom, die „Gloriosa“ aus Erfurt, die „Dicke Pitter“ im Kölner Dom, aber auch bescheidenere, nicht weniger stimmungsvoll läutende Glocken aus Dorfkirchen überall im Land. Und wir konnten uns vorstellen, dass sie zur Krippenandacht oder zur Christmette riefen. Bis in die heutige Zeit stimmen am 24. Dezember, etwa zur Kaffeestunde, die Rundfunkanstalten mit ihrem Programm auf den Heiligen Abend ein – mit Glockengeläut und Weihnachtsliedern. Bereits am Samstag vor dem ersten Advent, stets um 17 Uhr, läutet das „Speyerer Stadtgeläut“ mit allen Glocken der Stadt, den Advent und damit das neue Kirchenjahr ein. Der Klang so vieler unterschiedlicher Glocken passt wunderbar zusammen, es ist ein bewegendes Erlebnis, besonders an den Stellen in der Stadt, wo es möglich ist, die Domglocken und die der protestantischen Gedächtniskirche „stereo“ zu hören. Mit einer Aufnahme auf dem youtube-Kanal, (www.youtube.com, Stichwort „Speyer Großes Ökumenisches Stadtgeläute Advent 2019“) im Internet kann man sich einen Eindruck verschaffen.

Seit vielen Jahrhunderten rufen die Glocken zu Andacht und Gebet. Von Anfang an hatten sie kultische Bedeutung. Die iroschottischen Mönche, die unser Land missionierten, machten mit Handglocken auf sich aufmerksam. Bereits in vorchristlicher Zeit gab es Glocken, der Leichenzug Alexanders des Großen wurde von ihnen begleitet. Erfunden haben sie wohl die Chinesen im dritten vorchristlichen Jahrtausend. Damals waren sie noch aus gebranntem Ton. In den mittelalterlichen Klöstern wurden die Mönche mit Glocken vom Dach oder Turm von der Arbeit zu den Gebetszeiten gerufen. Das war weithin zu hören, und auch die Laien wussten so, was die Stunde geschlagen hatte. Denn die Uhren waren noch nicht erfunden. Die Mönche behalfen sich etwa mit Kerzen, die eine bestimmte Zeit brannten. Das Angelusläuten war auch für die Bauern in späteren Zeiten das Zeichen für den Feierabend oder für ein Innehalten zum Gebet.

Der Speyerer Domschweizer a.D. Bernhard Volk glaubt, dass davon wohl die Assoziation des Glockengeläuts am Heiligen Abend kommt: „Zu meiner Kinderzeit war Bescherung allgemein um 18 Uhr. Da läuteten überall die Abendglocken. Das verbinde ich in meiner Erinnerung miteinander.“ Eine spezielle Läuteordnung für die Christmette und die anderen Weihnachtsgottesdienste gibt es nicht. Es wird geläutet wie zu allen anderen hohen Festtagen. Eine Läuteordnung beschreibt, welche Kirchenglocken zu welchem Anlass allein oder gemeinsam erklingen. Es ist jedoch den Kirchengemeinden nicht vorgeschrieben, ein solches Regelwerk zu haben. Allerdings sollte sie der Tradition entsprechen. Sonntage und Hochfeste werden am Vorabend um 18 Uhr eingeläutet, also auch der Heilige Abend als Vigil vor Weihnachten. Das Geläut zum Festgottesdienst kann sich dann vom einfachen Sonntagsgottesdienst unterscheiden.

Dabei spielt aber auch eine Rolle, welche Möglichkeiten das Geläut bietet. In solchen Fragen berät der oder die Glockensachverständige. Die hiesige Glockensachverständige Birgit Müller, zuständig für die Glocken von rund 5 000 Kirchtürmen der Bistümer Speyer und Trier, der Evangelischen Landeskirche der Pfalz und der Rheinischen Landeskirche Düsseldorf, hat sogar eine kleine Kindergeschichte zu den Glocken der Neustadter Stiftskirche geschrieben. Darin beschreibt sie die Glocken wie eine Familie. Die große Kaiserglocke ist der Opa, die nächstgroße, die Kurfürstenglocke, beide im Nordturm, die Oma. Die kleineren Glocken der Familie wohnen im Südturm. Nun wollte der Opa nicht mehr läuten, zu enttäuscht war er vom Unglauben der Menschen. Das kleinste Glöckchen meinte daraufhin: „Wenn nun doch wenigstens ein Mensch durch das Geläut zum Nachdenken gebracht würde, wäre es das nicht wert?“ Das überzeugte den Opa, und er läutete zur Weihnacht wie noch nie. (Andrea Dölle)

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