Redaktion der pilger

Freitag, 07. Januar 2022

Der Auftakt

Taufe Jesu Christi. Ikone in der Ikonostase der Hauptkirche von Kloster Stavronikita auf dem Berg Athos, geschaffen im Jahr 1546 von Theophanes von Kreta. (Foto: Kloster Stavronikita, Athos)

Jesu Wirken beginnt. Das fordert auch uns

Erstaunlich, wie kurz und knapp über Jesu Taufe berichtet wird. Immerhin feiern wir sie als Fest an einem Sonntag, das den sogar „ersetzt“. Die entsprechende Passage aus dem Lukas-Evangelium, die an diesem Sonntag gelesen wird, umfasst nur zwei Verse (Lukas-Evangelium 3,21–22). Dabei gehört die Taufe Jesu zu den wichtigsten Ereignisse: für seine Person, seine Sendung, sein Werk. Deshalb steht sie am Anfang seines Wirkens. Unser Bild, die Ikone zum Festtag, die Theophanes von Kreta 1546 für das Kloster Stavronikita auf dem Athos schuf, hilft uns, die hohe Bedeutung von Jesu Taufe am Evangelium entlang zu erschließen.

Jesus ist die beherrschende Gestalt der Ikone. Bis zur Brust steht er im Wasser. Doch der Jordan sieht gar nicht aus wie ein Fluss, sondern eher wie eine dunkle Höhle oder sogar wie jenes Felsengrab, in das Jesus nach seinem Tod am Kreuz gelegt wird. Auch trägt Jesus das Lendentuch wie am Kreuz, und überhaupt gleicht seine Körperhaltung der eines Liegenden. Es ist, wie wenn hier noch einmal der Kern des Weihnachtsfestes sichtbar wird: Um uns zu erlösen, ist Gott in Jesus Mensch geworden, ja, „Fleisch“ – wie es im Johannes-Evangelium heißt: Er wird Mensch bis ins Sterben hinein, bis in den Tod und in das Grab. So „unterstellt“ er sich auch der Taufe, „zusammen mit dem ganzen Volk“. Jesus ist wahrer Mensch.

Doch Jesus ist zugleich wahrer Gott: Er ist schon dargestellt als der Auferstandene, mit dem goldenen Nimbus göttlicher Herrlichkeit und darin eingezeichnet das Kreuz als Signum des Sieges über den Tod. Die Engel verehren ihn voller Ehrfurcht, sie haben ihre Hände verhüllt, verneigen sich vor ihm. Einer schaut – wie der Täufer Johannes – auf die Geist-Taube, die im Strahl aus dem „Raum“ des Himmels auf Jesus herab kommt, gedeutet von jener Stimme aus dem Himmel, die über Jesus sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Gott offenbart Jesus als seinen Sohn, der hier und jetzt seine Herrschaft antritt und damit in der Vollmacht Gottes sein irdisches Wirken beginnt. Jesus ist wahrer Gott.

Eine auffallende Parallele zu seiner Taufe hat Jesu Verklärung, an der „Wende“ vor seinem Weg nach Jerusalem (Lukas-Evangelium 9,28–36). Der „Weg nach Jerusalem“ ist ja der Weg ans Kreuz, in den Tod und in das Grab, der aber weiter geht in die Auferstehung hinein. Es ist der Weg zur Erlösung und zur Vollendung, zum Ziel dessen, weshalb Gott in Jesus Mensch wurde. Da offenbart Gott selbst noch einmal, wie schon bei der Taufe, Jesus als seinen Sohn: Die drei Jünger – und wir durch diese Erzählung – sehen Jesus in Gottes Herrlichkeit, und wieder deutet die Stimme: „Dies ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“

Die beiden Gottesoffenbarungen zeigen die hohe Bedeutung der Taufe Jesu, doch nicht (nur) für die theologische Deutung von Person, Sendung und Werk Jesu, sondern gerade auch für uns, die wir auf Jesus Christus getauft sind. Unsere Taufe ist zuallererst und zutiefst Gnade, Geschenk – für unser ganzes Leben und darüber hinaus: „Das ist mein geliebter, auserwählter Sohn“, der gesandt ist, uns zu erlösen: „Als die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet – nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit, die wir vollbracht haben, sondern nach seinem Erbarmen – durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen“ (Titusbrief 3,4–7).

In unserer Taufe erhalten wir – im Bild gesprochen – den Keim eingepflanzt, in dem unser neues, unendliches Leben, in das wir auferweckt werden, eingeborgen ist: „Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln“ (Römerbrief 6,4).

Jenes andere: „Auf ihn sollt ihr hören“ besagt genau dies: dass unsere Taufe für uns einen Lebenswandel bedeutet. Dass wir in jenem neuen Leben sind, tritt nicht erst in Kraft, wenn wir auferweckt werden, sondern greift jetzt schon. So ist unsere Taufe auch kein singuläres Ereignis am Anfang unseres Lebens, von dem wir ohnehin kaum etwas wissen. Es nur dabei zu belassen, wird ihr nicht gerecht. Wir wurden auf Jesus Christus getauft, das heißt: in die Lebensgemeinschaft mit – besser: in – Jesus Christus „eingetauft“. Das ist kein „Besitz“, den wir in einer Truhe oder einem Tresor bewahren und manchmal zur Erinnerung hervor holen. Die Taufe will lebendig erhalten werden. Sie ist eine ständige Herausforderung an uns.

Unsere Taufe – was, besser: wer uns da geschenkt wurde – will entfaltet, will wahr gemacht, will gelebt werden. Wir müssen aus unserer Taufe heraus und von ihr her leben, das heißt: unser ganzes Leben lang in Jesus Christus sein und bleiben, auf ihn hören, nach ihm leben. Und dies ganz handgreiflich im Alltag zu verwirklichen, macht unser Christsein aus. (pil)

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