Redaktion der pilger

Mittwoch, 02. Februar 2022

Auf sein Wort hin

Ein reicher Fang. Für Jesu Jünger, die auf seinen Rat hin die Netze nochmals auswarfen, war es ein überraschender Erfolg, der sie erschütterte. (Foto: Alexander/AdobeStock.com)

Tun, was Jesus sagt. Das gilt auch heute

Wenn ich den vorliegenden Text höre oder lese, habe ich zunächst ein Bild aus dem Religionsunterricht vor Augen: Fischer in einem Boot, das zu kentern droht. Die Männer versuchen mit größter Kraft, die übervollen Schleppnetze einzuholen. Die Anstrengung ist ihnen an ihrer Körperhaltung anzusehen. Die großen Hände halten die Netze. Ihre Augen sind weit geöffnet und strahlen vor Freude. Die Männer schauen zufrieden und zuversichtlich. Die Überraschung ist ihnen anzusehen. Ihre Mühe hat sich gelohnt!
Dieser Holzschnitt von Walter Habdank (Fischfang von 1974), hat sich mir stark eingeprägt. Vermutlich haben viele, die dieses Evangelium hören oder lesen, ihre jeweils eigenen Gedanken zu diesem Bibeltext.

Zunächst ist die Rede von einer Volksmenge, die Jesus regelrecht bedrängt. Die Menschen haben von Jesus gehört, sie sind begeistert von ihm, von seinem Tun und Reden, seiner Lebensführung und Gesinnung. Die Kunde von der Art und Weise, wie er von Gott spricht, und von der Haltung, mit der er seinen Mitmenschen begegnet, ist Jesus vorausgeeilt. Die Leute sind ihm neugierig und interessiert gefolgt, wollen mehr von ihm erfahren, das Wort Gottes ruft sie zusammen.

Jesus nutzt ein am Ufer liegendes Fischerboot und lässt sich hinausfahren „und lehrte das Volk vom Boot aus.“  Jesus, Verkünder der Frohen Botschaft, lehrt nicht nur in Synagogen, sondern auch im Freien, auf einem Berg oder einem See. Er geht unter die Leute, ist unterwegs und begegnet ihnen mitten in ihrem Alltag, inmitten ihrer Sorgen und Nöte, er trifft sie bei ihrer Arbeit und feiert mit ihnen Feste. Und Jesus mischt sich ein: „Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“

Der See Genezareth war zurzeit von Jesus fischreich und der Fischfang war Lebensgrundlage für die Bevölkerung. Meist taten sich einige Fischer zusammen, nutzten gemeinschaftlich ihre Geräte, pflegten ihre Netze und fuhren gemeinsam hinaus. An diesem Tag waren sie aber ohne Fang zurückgekommen, die Netze blieben leer. „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen.“

Da ist zunächst Frustration über den Misserfolg vorhanden. Wir hören auch nicht, was sich die erfahrenen Fischer gedacht haben, doch sie folgen der Aufforderung Jesus. Sie haben Vertrauen in ihn und versuchen es zu einer ungewöhnlichen Zeit nochmals mit überraschendem Erfolg. Die Fischer eines zweiten Bootes kommen zu Hilfe „und füllten beide Boote, sodass sie fast versanken.“ Eine große Überraschung, ein unerwartetes Wunder. Sie, die aufgegeben hatten, versuchten es erneut an anderer Stelle zu einer anderen Zeit und sicherten mit einem außergewöhnlichen Ergebnis ihren Lebensunterhalt.

„Fahr hinaus, wo es tief ist…“ Der Anweisung von Jesus nicht an der Oberfläche bleiben, sondern in die Tiefe zu gehen, folgen die Fischer, allen voran Petrus. In der Antwort von Petrus „Auf dein Wort hin…“ liegt ein Vertrauen, welches nicht enttäuscht wird. Andererseits  herrscht über das positive Ergebnis großes Erschrecken. Die Fischer sind gewaltig beeindruckt. Völlig erschüttert fällt Petrus zu Boden. Er versteht die Welt nicht mehr, fühlt sich unwürdig, in der Nähe von Jesus zu sein. Später gibt es immer wieder Ereignisse, die Petrus betroffen machen und gleichzeitig seinen Glauben an Jesus stärken. Und Jesus sagt mehr als einmal zu ihm: „Fürchte dich nicht!“

„Das sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen…Und sie… verließen alles und folgten ihm nach.“ Im Vertrauen auf Jesus sind sie zum Kurswechsel bereit und wagen einen Neuanfang. Sie sind Jesus begegnet, sie vertrauen ihm, nun folgen sie ihm nach. Während der Lehr- und Wanderjahre erneuern sich ihr Gottesbild und ihre bisherigen religiösen Vorstellungen. Sie wachsen in eine neue Aufgabe hinein. Die ehemaligen Fischer lernen ein anderes Netz kennen, ein Netz menschlicher Verbindungen, das auch in Krisen trägt.

Ein Mensch, der überzeugt, lässt aus Menschen, Abenteurern werden. Aus erfahrenen Handwerkern werden Anfänger. Im Vertrauen auf Gott gehen sie neue Wege und entdecken neue Möglichkeiten. Infiziert von der Frohen Botschaft verlassen sie die Pfade der Routine und stellen sich mutig den neuen Herausforderungen. Sie vertrauen auf Jesus und glauben an eine gute Zukunft.

Haben Sie schon ähnliche Erfahrungen gemacht, waren erfolglos, enttäuscht? Kann es nicht auch eine Option sein, alles hinter sich zu lassen und an anderer Stelle neu anzufangen? Jesus berührt die Menschen – auch heute noch. Auch uns gilt die Einladung, Jesus Christus nachzufolgen, uns mit ihm auf den Weg zu machen durch den Alltag, hin zu den Menschen, hin zu mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit, im Glauben an und im Vertrauen auf Gott. Gabriele Heinz

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