Redaktion der pilger

Donnerstag, 03. Februar 2022

Roter Hut mit weißen Punkten

Fliegenpilze erheben sich von Juli bis Oktober aus dem Boden.(Foto: Pixabay)

Der giftige Fliegenpilz gilt als Glückssymbol und ist 2022 zum „Pilz des Jahres“ gewählt worden

Er ist schön und gilt als Glückssymbol: der Fliegenpilz (Amanita muscaria). Deshalb kürte ihn die Deutsche Gesellschaft für Mykologie, die gerade 100 Jahre alt geworden ist, auch zum „Pilz des Jahres“ 2022.

„Gefährdet ist er nicht“, sagt Stefan Fischer von der Mykologischen Gesellschaft. Man sieht den Giftpilz häufig, vor allem unter Birken, Fichten und Kiefern. Aber geheimnisvoll ist er. Schon sein Name gibt Rätsel auf. Heißt er Fliegenpilz, weil er Fliegen vergiftet? Zumindest glaubten die Menschen das früher, als man ihn noch in Milch eingeweicht auf den Tisch stellte, um die Insekten zu loszuwerden. Der Frankfurter Volkskundler Wolfgang Bauer sagt dazu schmunzelnd: „Na ja, die Fliegen sind aber nur betäubt, und wenn sie aufwachen, fliegen sie wieder davon.“ Er weiß, worauf der volkstümliche Namen verweist: „Der Fliegenpilz lässt fliegen“, sagt er und meint archaischen Rausch: Der Pilz wurde rituell von Priestern und Schamanen verspeist, die Kontakt mit Göttern und Geistern suchten.

Die Ibotensäure im Fliegenpilz, die beim Trocknen zu Muscimol zerfällt, wirkt psychoaktiv und löst Halluzinationen aus. Die Deutsche Mykologische Gesellschaft rät aber dringend von Selbstversuchen als Rauschmittel ab. Denn der Fliegenpilz ist giftig, insbesondere kann er Kindern und geschwächten Menschen schaden. Die Dosis ist zudem unberechenbar, weil jeder Pilz unterschiedlich viel von der giftigen Ibotensäure enthält.

Die rauschartige Wirkung könnte auch der Grund sein, warum er symbolisch als „Glücksbringer“ gesehen wurde. Der Begriff „Glückspilz“ wiederum kommt aus dem 19. Jahrhundert: So nannte man Emporkömmlinge, die sich ihr Glück nicht redlich verdient hatten und die emporschossen wie ein Pilz.

Die weißen Pünktchen sind die Überreste des „Velums“, einer Schutzschicht des jungen Fruchtkörpers. Erwachsene Fliegenpilze sehen aus, als seien sie mit Perlen bestickt. Das wirkt besonders hübsch unter lichten Birken, mit denen der Fliegenpilz in Symbiose lebt. Der eigentliche Pilz wächst unterirdisch in einem Fadengeflecht, dem Myzel, dessen Teile sich um die Wurzeln der Bäume winden. Was man sieht, ist nur der oberirdische Fruchtkörper, der die Sporen zur Vermehrung aus seinen weißen Lamellen streut.(epd)

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