Redaktion der pilger

Dienstag, 08. Februar 2022

Bitte um Entschuldigung

Benedikt beim Abschied von München, im Sommer 2020 auf dem dortigen Flughafen. (Foto: kna)

Benedikt XVI. erbittet Entschuldigung und dementiert Vertuschung

Benedikt XVI. hat eine Mitschuld der kirchlichen Verantwortlichen an sexuellem Missbrauch eingeräumt und die Opfer um Verzeihung gebeten. In einem zweieinhalbseitigen Brief, den der Vatikan am Dienstag veröffentlichte, äußert er «tiefe Scham», «großen Schmerz» und eine «aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Missbrauchs».

In Begegnungen mit vielen Missbrauchsopfern habe er «verstehen gelernt, dass wir selbst in diese übergroße Schuld hineingezogen werden, wenn wir sie übersehen wollen oder sie nicht mit der nötigen Entschiedenheit und Verantwortung angehen, wie dies zu oft geschehen ist und geschieht».

In das Schuldbekenntnis schloss er auch sich selbst ein und schrieb: «Ich habe in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen.» Und weiter: «Umso größer ist mein Schmerz über die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind.» Jeder einzelne sexuelle Übergriff sei «furchtbar und nicht wiedergutzumachen»; er bedauere «jeden einzelnen Fall».

Gleichzeitig wehrt sich der frühere Papst gegen den Vorwurf, als Erzbischof von München (1977-1982) Missbrauchsfälle aktiv vertuscht zu haben. Auch habe er in seiner Einlassung zu dem Ende Januar veröffentlichten Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) weder getäuscht noch gelogen.

Er habe die Zeit seit der Veröffentlichung des WSW-Gutachtens zur «Gewissenserforschung und Reflexion» genutzt, heißt es in dem persönlich und theologisch gehaltenen Brief. Eine «kleine Gruppe von Freunden» habe ihm geholfen, das 1.900 Seite umfassende Gutachten zu studieren und zu analysieren. Leider sei bei der 82-seitigen Einlassung für das Gutachten «ein Versehen erfolgt», was seine Teilnahme an der Ordinariatssitzung vom 15. Januar 1980 betreffe. Anders als in der Einlassung behauptet, war Ratzinger bei der Sitzung anwesend.

«Dieser Fehler, der bedauerlicherweise geschehen ist, war nicht beabsichtigt und ist, so hoffe ich, auch entschuldbar», schreibt
Benedikt XVI. weiter. Es habe ihn daher «sehr getroffen», dass der Fehler «ausgenutzt wurde, um an meiner Wahrhaftigkeit zu zweifeln, ja, mich als Lügner darzustellen».

Umso dankbarer sei er für die «vielfältigen Stimmen des Vertrauens» und Ermutigung, die ihn erreichten. «Besonders dankbar bin ich für das Vertrauen, für die Unterstützung und für das Gebet, das mir Papst Franziskus persönlich ausgedrückt hat», so der Emeritus.

Ausgehend vom Schuldbekenntnis am Beginn jeder katholischen Messe äußert Benedikt XVI. die Hoffnung, «wie groß auch immer meine Schuld heute ist, der Herr vergibt mir, wenn ich mich ehrlich von ihm durchschauen lasse und so wirklich zur Änderung meines Selbst bereit bin». Er werde nun bald «vor dem endgültigen Richter» seines Lebens stehen, schreibt der 94-Jährige. «Auch wenn ich beim Rückblick auf mein langes Leben viel Grund zum Erschrecken und zur Angst habe, so bin ich doch frohen Mutes, weil ich fest darauf vertraue, dass der Herr nicht nur der gerechte Richter ist, sondern zugleich der Freund und Bruder.»

Zusammen mit dem Brief des emeritierten Papstes veröffentlichte der Vatikan eine Stellungnahme des Juristen-Teams, das Benedikt XVI. in Zusammenhang mit dem Münchner Missbrauchsgutachten beriet. Darin äußern sie sich zum Zustandekommen ihres Redaktionsfehlers beim Münchner Missbrauchsgutachten sowie zu vier umstrittenen Punkten des Gutachtens. Die darin enthaltenen Anschuldigungen der Kanzlei WSW gegen den früheren Münchner Erzbischof weisen sie zurück. (kna)

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