Redaktion der pilger

Donnerstag, 17. Februar 2022

„Mit zwei weinenden Augen“

Von links: Die Schwestern Simone, Maria-Manuel und Dominga. (Foto: Dr. Anette Konrad)

Dominikanerinnen verlassen St. Marienkrankenhaus nach 92 Jahren

Eine Ära geht zu Ende: Am 10. Februar hat der Konvent der Dominikanerinnen das Schwesternhaus auf dem Gelände des St. Marienkrankenhauses in der Ludwigshafener Gartenstadt verlassen. Die 16 Schwestern ziehen ins Mutterhaus nach Speyer. Das zunehmende Alter der Schwestern und die Renovierungsbedürftigkeit des Gebäudes haben diesen Schritt erforderlich gemacht.

„Das Mutterhaus des Instituts St. Dominikus in Speyer, Vincentiusstraße 4“ – Schwester Simone (75), die Oberin der Dominikanerinnen im St. Marienkrankenhaus, kennt die neue Adresse ihrer 15 Mitschwestern ganz genau. Ab 10. Februar werden sie dort leben. Der Abschied fällt den Schwestern nicht leicht, das ist im Gespräch mit dem „pilger“ deutlich zu spüren.

„Wir gehen mit zwei weinenden Augen“, sagt Schwester Simone. Schließlich war das Krankenhaus für viele Jahrzehnte die Heimat der Dominikanerinnen. Doch sei das Schwesternhaus nach 50 Jahren in die Jahre gekommen und stark renovierungsbedürftig. „Die Vernunft sagt, wir können nicht bleiben. Schließlich werden die Schwestern immer älter“, so Schwester Maria-Manuel (80). Für die Zukunft sei es wohl das Beste. „Es war unser Zuhause“, ergänzt Schwester Dominga. Die 82-Jährige kam 1958 ans „Marien“. „Damals lebten die Schwestern noch in Schlafsälen im Turm des Krankenhauses“, erinnert sie sich.

 Als dann 1972 der Umzug in das neu gebaute Schwesternhaus im hinteren Teil des Krankenhaus-Parks erfolgte, sei das ein großes Geschenk gewesen. Gab es in dem neunstöckigen Gebäude doch für jede der damals 112 Schwestern ein eigenes Zimmer mit Bad. „Helmut Kohl hat sich für den Neubau eingesetzt“, sagt Schwester Maria-Manuel. Gerne erinnern sich die drei Frauen an die gute Gemeinschaft und schöne Feste in den Gemeinschaftsräumen im neunten Stock, wozu auch die Familien der Schwestern eingeladen waren. Regelmäßig unternehmen sie Ausflüge mit dem Krankenhaus-Personal. Aber auch die würdigen Abschiede von verstorbenen Schwestern in der hauseigenen Kapelle sind ihnen in Erinnerung geblieben. „Die große Gemeinschaft hat getragen. Wir waren ein sehr offener Konvent“, blickt Schwester Maria Manuel zurück.

Kapelle wird profaniert
Überhaupt die Kapelle: Sie wurde 1975 eingeweiht und ist den Schwestern ans Herz gewachsen. Nur ungern nehmen sie von dem kleinen Gotteshaus, das am Freitag, 25. Februar, um 10 Uhr, in einem Gottesdienst mit Weihbischof Otto Georgens profaniert wird, Abschied. „Schließlich war es unser Schmuckkästchen“, sagt Schwester Dominga.

Die Geschichte des Marienkrankenhauses ist ohne die Schwestern nicht denkbar. Bei der Eröffnung des Hauses 1930 bewältigten die damals 30 Ordensschwestern den Krankenhausalltag fast allein, Ärzte kamen nur als Belegärzte ins Haus. „Wir haben damals geistig behinderte Menschen vom Annastift als Hilfskräfte angestellt“, berichtet Schwester Dominga: „Es war uns ein Anliegen, auch für diese Menschen da zu sein.“

Viele Jahre leitete Schwester Dominga die Verwaltung des Krankenhauses. Schwester Maria-Manuel war Personalleiterin und Schwester Simone für die chirurgische Intensivstation zuständig. Es sei sehr familiär gewesen, erinnern sich die drei, aber auch sehr fordernd. „Wir hatten Verantwortung für die Menschen“, betont Schwester Simone und jede habe ihre ganze Kraft in die Aufgabe hineingesteckt – und dies sehr gerne. „Es war unser Haus“, sind sie sich einig. „Man hat gewusst, für wen man es macht“, bringt es Schwester Dominga auf den Punkt.

Vor dem Eintreffen des Umzugswagens ist noch viel zu erledigen. Schließlich will das gesamte Haus geräumt werden. „Es ist ein Fass ohne Boden, überall steht etwas“, seufzt Schwester Maria-Manuel. Doch bei aller Traurigkeit und Wehmut haben die Schwestern einen Lichtblick: In Speyer werden sie in einem Neubau unterkommen, was in puncto Wohnqualität eine deutliche Verbesserung darstellt. Außerdem werden sie zusammenbleiben. Und die Jesus-Figur aus der Kapelle wird an der Aufzugswand in Speyer ihren Platz finden und sie an die vielen Jahrzehnte im Marienkrankenhaus erinnern. (ako)

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