Redaktion der pilger

Dienstag, 12. April 2022

Der Wettlauf

Eugene Burnand (1850-1921): Die Jünger Petrus und Johannes laufen zum Grab am Morgen der Auferstehung“, Öl auf Leinwand, 1898 (Ausschnitt). (Foto: Musée d‘Orsay, Paris / WikimediaCommons/gemeinfrei)

Doch nur von Johannes wird gesagt, dass er glaubte

Im Zentrum dieses Ausschnitts aus der Ostererzählung des Johannesevangeliums stehen Petrus und der „Jünger, den Jesus liebte“. Maria Magdalena ist zwar die Entdeckerin des leeren Grabes, aber sie „lief schnell“ zu den beiden Jüngern, um ihnen das Verschwinden des Leichnams Jesu zu melden.

Auch die beiden Jünger „liefen“ zum Grab; und auch hier kommt es auf Schnelligkeit an: Der „andere Jünger“ war schneller als Petrus. Wer sind nun diese beiden Männer? Petrus ist uns bekannt. Er tritt in den Evangelien als der Sprecher des Apostelkreises auf. Er spricht aus, dass Jesus der Messias ist. Er nimmt aber manchmal den Mund ein bisschen voll: „Ich werde dich nicht verlassen“, sagt er zu Jesus und doch verleugnet er ihn, als er nach Jesu Festnahme gefragt wird, ob er zum Jüngerkreis gehöre. Nach dem Johannesevangelium ist der der Jünger, der ein Schwert bei sich trägt und es zieht, um die Festnahme Jesu zu verhindern, dafür aber von Jesus zurecht gewiesen wird. Nach der Apostelgeschichte übernimmt Petrus die Leitung der Jerusalemer Urgemeinde und ist Referenzperson der frühen Kirche.

Und der „andere Jünger“? Er taucht nur im Johannesevangelium als der Jünger auf, „den Jesus liebte“. Die Tradition sieht in ihm den Jünger Johannes, auf den dieses Evangelium zurückgeht. Er gewinnt den Wettlauf zum Grab, bleibt aber draußen stehen und lässt Petrus den Vortritt. Als er dann als Zweiter ins Grab geht, wird nur über ihn gesagt, dass er „sah und glaubte“.

Kann es sein, dass es neben Petrus noch eine weitere Führungspersönlichkeit im Jüngerkreis gab? Eben diesen „Lieblingsjünger“? Der sich nicht so hervortat wie Petrus, der aber gerade durch seine Zurückhaltung die Sympathie auf sich zog. Sicher wäre er gerne gleich in das Grab gegangen, als er dort ankam. Doch er konnte warten, Petrus den Vortritt lassen. War das seine Anerkennung des Leitungsanspruchs Petri? Und dass es nicht das Wichtigste ist, der Erste zu sein, sondern der zu sein, der glaubt.
Wir stehen in diesem Jahr wieder am Beginn eines Wettlaufs, von dem wir glaubten, ihn überwunden zu haben: Der Ukraine-Krieg erscheint als Rechtfertigung für einen neuen Rüstungswettlauf oder zumindest dafür, dass Deutschland sich jetzt massiv daran beteiligt. Dabei bleibt meist unerwähnt, dass die Rüstungsstärke der NATO die Russlands bereits um ein Vielfaches übersteigt. Wäre es nicht an der Zeit, der Aufforderung Jesu zu folgen und das „Schwert zurück in die Scheide“ zu stecken? Es gibt auch defensive und gewaltfreie Methoden der Verteidigung und des Widerstands. Es gibt sie weit häufiger als angenommen, denn sie erscheinen meistens nicht in den Medien. Sie sind sogar erfolgreicher und fordern weniger Todesopfer als militärische Verteidigung.

Gewaltfreie Methoden lassen sich in drei Kategorien einteilen: Protest durch Demonstrationen, Flashmobs, Social Media; Methoden der Nichtzusammenarbeit wie Boykott, Streiks, Ausschluss aus internationalen Organisationen; Methoden der Intervention durch neutrale Vermittler, Anklage vor internationalen Gerichtshöfen, Blockaden, Einrichtung einer Exilregierung. Der Erfolg gewaltfreier Methoden beruht auf ihrer Kreativität, die den Gegner überrascht. Gerade bei einem militärisch überlegenen Gegner sind sie wirksam, weil er oft nicht weiß, wie er auf gewaltfreie Methoden reagieren soll.

Auch der Jünger, „den Jesus liebte“, weiß, dass es sinnvoll sein kann, einen Machtkampf nicht auszufechten. Er ist schneller als Petrus, nimmt sich aber zurück und lässt ihm den Vortritt. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - war er im Urchristentum eine wichtige Person. Nach „Johannes“ sind nicht nur das Evangelium, sondern auch drei Briefe und die Apokalypse benannt. Wissenschaftlich betrachtet ist der Jünger Johannes wahrscheinlich nicht der Autor dieser Bücher, aber vermutlich geht eine ganze Bewegung auf ihn zurück. Die Johannes-Apokalypse schildert übrigens den gewaltfreien Widerstand der Christen im Römischen Reich. Sie ist weniger eine Voraussage endzeitlicher Ereignisse als eine Analyse der damaligen Machtstrukturen.

Maria Magdalena sollte aber auch nicht ganz unerwähnt bleiben. Die beiden Männer nehmen das Grab in Augenschein, der Lieblingsjünger glaubt, aber verstanden haben beide das Ereignis nicht und gehen wieder heim. Danach begegnet als Erste Maria dem Auferstandenen und wird dadurch zur Apostelin der Apostel. Sie war sicher eine weitere Führungspersönlichkeit der frühen Kirche und stellt dadurch unsere männlich dominierte Leitungs- und Verkündigungsstruktur in Frage. (Monika Bossung-Winkler)

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