Redaktion der pilger

Mittwoch, 20. April 2022

Brasilien: Gewalt auf dem Land

Die indigene Bevölkerung in Teilen Brasiliens hat es schwer, viele werden Opfer von gewaltsamen Konflikten. (Foto: actionpress)

Experten werfen Zentralregierung Mitverantwortung vor

Die Gewalt bei Landkonflikten in Brasilien hat im vergangenen Jahr offenbar stark zugenommen. So wurden 2021 insgesamt 35 Personen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet – nach 20 Morden im Jahr zuvor. 28 der Tötungsdelikte wurden in der Amazonasregion verübt. Das geht aus dem jüngsten Bericht der katholischen Landpastoral (CPT) hervor.

Unter den Opfern sind zehn Indigene und neun Landlose. Die Zahl der Toten, die mit Landkonflikten in Zusammenhang stehen, jedoch nicht als Morde deklariert werden können, ist demnach wesentlich höher. So sieht die Landpastoral 109 Fälle für das Jahr 2021 – nach neun im Vorjahr.Die große Mehrheit der Betroffenen waren Indigene vom Volk der Yanomami, die in ihrem Reservat im nördlichen Amazonas-Gliedstaat Roraima leben. Dort habe der gewaltsame Konflikt zwischen Indigenen und illegalen Goldsuchern den Tod zahlreicher Yanomami verursacht, hieß es.

Die CPT sieht als Gründe für die Landkonflikte zudem Dispute über den Zugang zu Wasser, zu Land und über die Nutzung von Arbeitskräften, darunter auch Fälle von Sklavenarbeit. So sind etwa die Hälfte der Landkonflikte auf Streit um den Besitz von Land zurückzuführen, wobei sich die meisten Fälle in der Amazonasregion ereignen.

Von gewaltsamen Landkonflikten betroffen sind laut CPT insgesamt 164 782 Familien. 17 706 von ihnen laufen Gefahr, von ihrem Land vertrieben zu werden. Die Behörden entdeckten 2021 außerdem insgesamt 1 726 als Sklaven gehaltene Arbeiter, 113 Prozent mehr als 2020. Zudem habe es 304 Konflikte um den Zugang zu Wasser gegeben, bei denen insgesamt 56 135 Familien betroffen waren.

Damit sei 2021 ein tragisches Jahr besonders für Brasiliens Indigene gewesen, so die CPT. Die Corona-Pandemie habe weiße Siedler und Goldsucher nicht davon abhalten können, auf indigenes Gebiet vorzudringen und dort illegale Aktivitäten zu verüben. Darunter waren auch Holzhändler, die wertvolle Bäume in den Gebieten fällen. Obwohl indigene Repräsentanten immer wieder auf die prekäre Situation besonders der indigenen Völker in Brasilien hinweisen, hat die Regierung bisher wenig gegen die ausufernde Gewalt unternommen. Für die CPT hat die Regierung von Präsident Jair Messias Bolsonaro sogar zu den gewaltsamen Konflikten beigetragen.

„In den vergangenen drei Jahren, also während der Amtszeit von Bolsonaro, sehen wir einen Durchschnittswert von 1 908 Landkonflikten. Das sind die höchsten Werte, seitdem die CPT im Jahr 1985 begann, Landkonflikte zu registrieren“, erklärte CPT-Koordinatorin Isolete Wichinieski.
Es gebe „eine direkte Verbindung mit den Aktionen der Zentralregierung. Die öffentlichen Institutionen werden nicht mit Geldern ausgestattet, also für Aktionen wie die Landreform, die Demarkierung von Indigenengebieten und für Kleinbauern.“ So warten Millionen von landlosen Kleinbauern seit Jahrzehnten darauf, dass ihnen Staatsland zugeteilt wird. Dies scheitert jedoch meist am Widerstand von Großgrundbesitzern.

Menschenrechtsgruppen und Vertreter indigener Völker setzen ihre Hoffnung auf einen Regierungswechsel ab Januar 2023. Laut Umfragen zu den im Oktober stattfindenden Präsidentschaftswahlen liegt der linke Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva (2003 bis 2010) deutlich vor Amtsinhaber Bolsonaro. Der Ex-Militär Bolsonaro hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, indigenes Land für die wirtschaftliche Nutzung freizugeben.

Von Lula da Silva wird hingegen erwartet, dass er die Kontrollbehörden besonders in der Amazonasregion stärkt, um gegen illegale Aktivitäten vorzugehen. Doch solange es nicht zu einem Regierungswechsel kommt, scheint sich der Trend, dass Landkonflikte in Brasilien immer gewalttätiger werden, fortzusetzen.
(Thomas Milz/KNA)

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