Redaktion der pilger

Mittwoch, 29. Juni 2022

Wichtige Geste des Miteinanders

Die Ghetto-Faust ist neueren Datums – und doch meist unpassend (Foto: Worawut /AdobeStock.com)

Keine Umarmung, kein Handschlag, dafür mehr Abstand: Corona hat sich mehr als zwei Jahre lang stark auf zwischenmenschliche Beziehungen ausgewirkt. Inzwischen wächst bei vielen Menschen die Unsicherheit, ob Händeschütteln wieder möglich oder sogar angebracht sein könnte.

Eine Antwort gibt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft, Clemens Graf von Hoyos, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): Das Händeschütteln wird zurückkehren, nötig sind Rücksichtnahme und Wertschätzung.

KNA: Herr Graf von Hoyos, der Sommer bringt jetzt nach zwei Jahren Pandemie wieder ein wenig Normalität. Sollten wir jetzt auch wieder dazu zurückkehren, uns zur Begrüßung oder zum Abschied die Hand zu geben?

Hoyos: Das obliegt jedem selbst. Wer sich wohl dabei fühlt, kann wieder seine Hand anbieten. Natürlich haben wir während Corona gelernt, stärker auf Hygiene zu achten. Und natürlich hat die geforderte Distanz dazu beigetragen, dass wir uns stärker auf uns selbst zurückgezogen haben. Das haben viele Menschen durchaus als angenehm empfunden, andere leiden darunter. Wer sensibler ist, kann auch mit einer leichten Verbeugung, einem Kopfnicken, einem Lächeln oder einer Hand auf dem Herzen signalisieren: „Ich sehe Dich. Du bist willkommen.“

KNA: Sollte man fragen, ob man die Hand geben darf?

Hoyos: Ich empfehle, man sollte die Hand ganz selbstbewusst anbieten. Falls das Gegenüber das dann nicht möchte, kann er oder sie ja höflich ablehnen und eine andere Form anbieten.

KNA: Glauben Sie, dass das Händeschütteln in alter Weise zurückkommt?

Hoyos: Ich rechne ganz fest damit. Das hat sich auch schon im vergangenen Sommer gezeigt, als die Corona-Sensibilität zwischenzeitlich geringer wurde. Diese Geste ist 2 000 Jahre alt. Vor mehr als 200 Jahren soll sie der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich über alle Schichten hinweg salonfähig gemacht haben. Eine solche, tief verwurzelte Geste lässt sich nicht einfach durch zwei Jahre Pandemie abschalten.

KNA: Was bedeutet diese Geste eigentlich?
Hoyos: Sie war vermutlich ein Zeichen der Verbundenheit unter frühen Christen. Im Mittelalter signalisierten die Menschen damit, dass sie unbewaffnet und deshalb friedlich gesinnt waren.

KNA: Und was ist mit anderen Begrüßungsgesten?

Hoyos: Ich bin überzeugt, wir werden auch wieder zu Umarmungen oder zur so genannten Akkolade zurückkehren – Küsschen links, Küsschen rechts. Diese Gesten sind natürlich sehr situationsabhängig. Ich muss immer überlegen, wo ich mich gerade befinde: Handelt es sich um eine berufliche, private oder eine Mischsituation? Habe ich es mit einer anderen Kultur zu tun? Wichtig ist es stets, Wertschätzung und Rücksichtnahme zu zeigen.

KNA: Manche begrüßen sich inzwischen mit der so genannten Ghetto-Faust...

Hoyos: Das passt aus meiner Sicht nicht im Geschäftsalltag. Diese informelle Geste stammt wohl aus dem kriminellen Milieu und signalisiert eher Verschlossenheit oder Aggression. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat sie – mit einer gewissen Ironie – schon vor Corona salonfähig gemacht. Dann doch lieber ohne körperlichen Kontakt. Aufrecht sein, freundlich lächeln, sich bewusst sein, dass jeder Mensch gesehen und verstanden werden will, das hilft. Man kann ruhig Mut zu mehr Individualität haben. Fragen: Christoph Arens (KNA)

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