Redaktion der pilger

Mittwoch, 20. Juli 2022

Geschichten saugen die Kinder regelrecht auf

Das Erzähltheater bringt die Geschichte der heiligen Elisabeth nahe. (Foto: Hans-Joachim Stoehr)

Erzieherin Christine Becker-Domokos regt die Kleinen mit Erzähltheater, Steinen, Tüchern oder Federn an

Erzieherin Christine Becker-Domokos bringt in der Kindertagesstätte St. Paulus in Fulda Kindern die chistliche Botschaft näher. Dabei kommen alle Sinne ins Spiel: sehen, hören, fühlen ...

Auf dem Boden des Turnraums liegt eine runde braune Decke – eine Art Mandala aus unterschiedlichen Materialien. „Das hab’ ich mit Kindern Schritt für Schritt gelegt“, sagt Christine Becker-Domokos. Es ist einer von mehreren „Bausteinen“ zum Thema „Die Schöpfung schützen und erhalten“.

Die braune Decke steht für die Erde, ein blaues Tuch für das Wasser. Bei jedem Gegenstand, den sie auslegte, habe sie die Kinder gefragt, was sie damit verbinden. „Ich hole die Kinder da ab, wo sie stehen“, sagt die Erzieherin. Kinder nach ihren Wünschen zu fragen, habe etwas mit Teilhabe zu tun.

Tücher als Bäume, Bauklötze als Burg

Sie zeigt auf grüne Tücher, die pyramidenförmig aufgestellt sind. „Sie symbolisieren Bäume – also einen Wald“, erklärt die 50-Jährige dazu. Am Rand des Kreises mit etwa zwei Metern Durchmesser sind aus Bauklötzchen eine Mauer und Türme gestaltet, die auf eine Burg hinweisen.

Grundlage für diese Szenerie in der Kita St. Paulus in Fulda ist ein Märchen der Gebrüder Grimm: „Die Bienenkönigin“. Darin geht es um drei Königssöhne, der Jüngste heißt Dummling. Er verhindert, dass seine Brüder einen Ameisenhaufen zertreten, eine Ente töten und braten sowie einen Bienenstock ausräuchern.

Die Erlösung wird herausgekitzelt

Die drei Rettungsaktionen kommen dem Dummling zugute, als er im Königsschloss Rätsel lösen soll und die zu Stein erstarrten Menschen „erlösen“ soll. Er schafft es, dass die Versteinerten sich wieder bewegen können.

Das im Märchen Geschilderte erzählte die Erzieherin nicht nur den Kindern und gestaltete es mit verschiedenen Materialien. Sie ließ es die Jungen und Mädchen auch erfühlen. Dazu ließ sie einen Stein in die Hand der Kinder fallen. „Ganz konzentriert befühlten die Kinder den Stein, seine Kälte und Härte“, erinnert sich Becker-Domokos.

Sie forderte anschließend die Kinder dazu auf, mit geschlossenen Augen wie versteinert zu stehen und sich nicht zu bewegen. „Ich habe sie dann gefragt: ,Darf ich dich erlösen?‘ und ihnen mit einer Feder an der Nase gekitzelt. Die Kinder entspannten und erfuhren spürbar Erlösung.“

Nach der langen Zeit der Corona-Pandemie tut den Kindern das Zusammensein im Kindergarten so gut. „Wenn ich Geschichten erzähle, saugen die Kinder das regelrecht auf“, sagt sie mit einer Fröhlichkeit im Gesicht, die mehr als Worte zeigen: Ihre Arbeit macht ihr selbst Freude. Und das umfasst alle Bereiche – und dazu zählt für die Pädagogin die religiöse Bildung.

Unabdingbar dabei ist für Becker-Domokos „die eigene Haltung“. Das hat für sie etwas mit „Authentisch-Sein“ zu tun. „Kinder haben ein feines Gespür, ob ich auch selbst dahinterstehe.“ Sie nennt das Beispiel „nachhaltiges Verhalten“ etwa bei der Müllvermeidung. „Wenn ich Kinder einerseits dazu auffordere, werfe dann jedoch selbst Müll weg, ist das wenig authentisch“, weiß sie aus dem Kindergarten, aber auch als Mutter zweier Töchter.

Eine muslimische Praktikantin half

Nicht nur bei Themen wie Nachhaltigkeit hat sich etwas verändert. Becker-Domokos ist seit fast drei Jahrzehnten in der Kindertagesstätte St. Paulus tätig. Auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Kinder mit Migrationshintergrund kommen hierher. Dem will der Kindergarten gerecht werden. „In der Fastenzeit hatten wir eine muslimische Praktikantin hier, die das Thema Fastenzeit und Ramadan, die zur gleichen Zeit stattfanden, aufgriff“, ist die Erzieherin dankbar, um eine Erfahrung reicher zu sein.

Dabei verspürt Becker-Domokos keinen Zwiespalt zwischen der kirchlichen Ausrichtung der Kita und einer Offenheit gegenüber den Kindern und Eltern, mit denen die Erzieherinnen in Kontakt sind. Die erfahrene Erzieherin, die auch schon Leiterin der Kita war, arbeitet inzwischen gruppenübergreifend. „So können wir besser auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen“, erläutert sie.

So beobachtet sie Kinder, um zu sehen, was sie brauchen. Oder sie bietet für Kinder in den Kita-Gruppen – etwa mit Sprachproblemen – Aktivitäten an, die auf diese Gruppe genau zugeschnitten sind. Christine Becker-Domokos ist überzeugt: „Jeder und jede Einzelne ist als Person wichtig. Hier haben wir als kirchlicher Kindergarten eine besondere Verantwortung, sollten Vorbild sein.“ (Hans-Joachim Stoehr)

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