Redaktion der pilger

Mittwoch, 09. November 2022

Hochspannung im Vatikan

Applaus für den Papst: die deutschen Bischöfe und Franziskus bei ihrem bisher letzten Ad-limina-Besuch im November 2015 (Foto: Osservatore Romano/Agenzia Romano Siciliani/kna)

Beim Besuch der deutschen Bischöfe in Rom werden unterschiedliche Kirchenbilder aufeinanderprallen

Die deutschen Bischöfe treffen bei ihrem Ad-limina-Besuch den Papst und die Chefs der wichtigsten Kurienbehörden. Die Gespräche könnten darüber entscheiden, wie es mit dem Synodalen Weg weitergeht.

Am 14. November reisen die deutschen Bischöfe zum Ad-limina-Besuch nach Rom. Aber schon seit Wochen geben sie sich im Vatikan beinahe die Klinke in die Hand. Acht von ihnen waren seit dem Sommer dort, darunter die beiden Kardinäle Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki und natürlich der Konferenzvorsitzende Georg Bätzing mit seinem Vize Franz-Josef Bode. Als letzter weilte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer Mitte Oktober einige Tage in Rom. Er gilt als gut vernetzt im Zentrum der Weltkirche.

Wie sein Bistum anschließend berichtete, ging es bei dem ausführlichen Gespräch mit Papst Franziskus am 17. Oktober auch um das wichtigste aller deutschen Themen: den als Folge des Missbrauchsskandals begonnenen Synodalen Weg, auf dem Bischöfe, Laienverbände sowie Priester und Ordensleute seit drei Jahren gemeinsam über Kirchenreformen debattieren und Veränderungswünsche formulieren.

Immer wieder sorgt der Synodale Weg für Beziehungsprobleme zwischen der Kirche in Deutschland und dem Vatikan. Bischof Bätzing möchte bei dem Besuch in Rom vor allem für die deutsche Re-
forminitiative werben und Missverständnisse beseitigen.

In mehreren Vatikanbehörden herrschen Misstrauen und Unverständnis

Viele der Reformvorschläge des Synodalen Weges – vom freiwilligen Zölibat bis zur Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche – können nur mit Zustimmung des Papstes umgesetzt werden. Und so wird die kommende gemeinsame Reise der Bischöfe nach Rom zu einer Probe dafür, was passiert, wenn deutsche Reformvorschläge nicht nur als anonyme Texte, sondern im persönlichen Gespräch auf die Römer treffen.

Manche Beschlüsse der Frankfurter Synodalversammlungen wurden in Rom aufmerksam gelesen. Viele Texte stehen, zumindest in der vorläufigen Fassung, auch in Englisch, Italienisch und Spanisch im Internet. Aus den Gesprächen, die deutsche Bischöfe in den vergangenen Monaten in Rom geführt haben, ist nicht viel durchgesickert. Doch eine Grundstimmung scheint es in den Begegnungen gegeben zu haben, und die war offenbar in mehreren Vatikanbehörden geprägt von Misstrauen und Unverständnis.

In der Kurie wird befürchtet, dass eine rote Linie überschritten werden könnte

Selbst bei Reformbeschlüssen, die aus Sicht der deutschen Synodalen relativ einfach in Deutschland umgesetzt werden könnten, schrillen in Rom die Alarmglocken. So wird etwa im vatikanischen Staatssekretariat der deutsche Synodalbeschluss, wonach die Laien stärker an der Bischofswahl beteiligt werden sollen, als Gefahr für die bestehenden Konkordate angesehen.

Mit noch größerer Sorge betrachtet der Vatikan den deutschen Beschluss zur Schaffung eines Synodalen Ausschusses, in dem katholische Laien und Bischöfe künftig gemeinsam über Themen entscheiden sollen, die die Kirche in Deutschland betreffen. Nicht nur Kirchenjuristen in der Kurie fürchten, dass damit eine rote Linie überschritten werde. Denn bislang sind nach dem Kirchenrecht allein die Bischöfe als Nachfolger der Apostel (in Gemeinschaft mit dem Papst) die Souveräne und Gesetzgeber.

Lediglich in einem Amt der frisch reformierten weltkirchlichen Zentralverwaltung steht man dieser Öffnung wohlwollend gegenüber. Es ist das Synodensekretariat unter Kardinal Mario Grech. Der aus Malta stammende Kirchenmann arbeitet derzeit am Fahrplan und an den thematischen Vorgaben für die bis Oktober 2024 dauernde Weltsynode. Und auch er spricht oft davon, dass das Volk Gottes, also in der Mehrheit die Laien, das eigentliche Subjekt des synodalen Prozesses sei.

Doch mit seiner Haltung steht Grech, dessen Sekretariat kirchenrechtlich nicht zur Kurie gehört, ziemlich allein da. In anderen römischen Behörden schlägt den deutschen Reformideen mitunter schieres Unverständnis entgegen. Andere, wohlwollendere Gesprächspartner deuten an, man verstehe ja, worum es etwa denen gehe, die eine Segnung homosexueller Paare wollten. Aber sie sollten das bitte einfach in der Seelsorge praktizieren – und nicht gleich schwarz auf weiß die gesamte katholische Morallehre ändern.

Die Fixierung der Deutschen auf widerspruchsfreie theologische und kirchenrechtliche Texte quittieren wichtige Entscheidungsträger in Rom mit Kopfschütteln. Die Idee, man könne die Kirche mit Texten, Statuten und Vorschriften erneuern, erscheint ihnen abwegig.

Wenn nun die gesamte Bischofskonferenz in der Woche vom 14. bis 20. November in Rom ist, werden diese unterschiedlichen Denkweisen und Kirchenbilder aufeinanderprallen. Das wird bei den Besuchen der einzelnen Bischöfe in den vatikanischen Behörden zu spüren sein, vor allem aber bei dem sogenannten interdikasteriellen Treffen, das gegen Ende des Besuchs auf dem Programm stehen soll.

Dann werden die Chefs der wichtigsten Kurienbehörden und die deutschen Bischöfe unter dem Vorsitz des Papstes über den Synodalen Weg sprechen. Ob es dabei zu einer echten Debatte oder bloß zu einem Verlesen von Vorträgen und Statements kommen wird, ist offen. Für die weitere Entwicklung des Synodalen Wegs in Deutschland könnten Atmosphäre und Ergebnis dieses Treffens entscheidend sein – falls deutlich wird, wie viel Spielraum der Papst und die Kurie dem deutschen Reformprojekt künftig lassen wollen.

Vorgeschrieben ist beim Besuch der Bischöfe auch eine Messfeier im Petersdom

Entscheidend ist für die deutschen Bischöfe die Haltung des Kirchenoberhaupts. Denn daran werden sich auch die vatikanischen Behördenchefs orientieren.

Angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Debatten um den Synodalen Weg tritt der eigentliche Anlass der Romreise der Bischöfe vorerst in den Hintergrund: Laut Protokoll handelt es sich um einen Ad-limina-Besuch, wie er alle fünf bis sieben Jahre von jeder Bischofskonferenz erwartet wird. Dabei sollen die Bischöfe beten, sich sammeln und dann dem Papst und seinen Helfern in der Kurie berichten, wie es um die Kirche und den Glauben in ihrem Land steht.

Zum Programm gehören auch feierliche gemeinsame Gottesdienste in den wichtigsten Kirchen Roms. Vorgeschrieben sind Messfeiern im Petersdom und Sankt Paul vor den Mauern, an den Gräbern der Apostel. In der Regel halten die Bischöfe auch Gottesdienste in den beiden weiteren Papstbasiliken Roms ab: in Santa Maria Maggiore und San Giovanni Laterano. Den ersten Gottesdienst beim Besuch der deutschen Bischöfe wird am Grab des Apostels Petrus der Konferenzvorsitzende Bätzing feiern. (Ludwig Ring-Eifel)

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

24.11.22
Redaktion der pilger

Notruf um 5.45 Uhr

Hedi Sehr kümmert sich um Ersthelfer und Angehörige von Unfallopfern
24.11.22
Redaktion der pilger

Kunterbunte Kirche

Konzept aus England macht Kirche für Familien durch Gemeinschaft erlebbar
24.11.22
Redaktion der pilger

Beide Seiten unter Druck

Bischof Bätzing zieht nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom eine...
24.11.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Viel positive Resonanz

Katholische Bischöfe liberalisieren kirchliches Arbeitsrecht
24.11.22
Redaktion der pilger

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund

Vor 300 Jahren starb Liselotte von der Pfalz
24.11.22
Redaktion der pilger

Lösung für Konflikt in Sicht?

Hunderttausende Menschen im Ostkongo auf der Flucht
24.11.22
Redaktion der pilger

Wachsam sein

Advent ist die Zeit des aufmerksamen Wartens
16.11.22
Redaktion der pilger

Schwerpunkt: „Frieden und Heilung“

Internetportal „nachhaltig-predigen.de“ startet zum ersten Advent Predigtimpulse...
16.11.22
Redaktion der pilger

Es geht auch ohne

Der Kreuzbund hilft suchtkranken Menschen dabei, den Abhängigkeiten zu entkommen
16.11.22
Redaktion der pilger

Schluss mit Religion?

Das Auswärtige Amt streicht Gelder für religiöse Berater
16.11.22
Redaktion der pilger

Bibel im Weinberg

Zwölf Teilnehmende hörten Teile der Heilige Schrift zwischen den Rebzeilen
16.11.22
Redaktion der pilger

Vermehrt Angriffe auf Christen

Terror in Burkina Faso: Mehr als 1,7 Millionen Binnenvertriebene
16.11.22
Redaktion der pilger

Ein ganz anderer König

Jesus Christus ist der Herr des Lebens: Er führt ins „Paradies“, in das Leben in...
09.11.22
Redaktion der pilger

Den Dom intensiv erfahren

Bildungs- und Besinnungswochenende mit Domdekan und Domkustos
09.11.22
Redaktion der pilger

Machen Sie sich keine Sorgen?

Was würde das nützen? Nur das angstfreie Vertrauen auf Gott hilft unserem Leben
09.11.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Mehrheitsvotum für mutigen Weg

Diözesanversammlung beschließt Rahmenkonzept für Finanzen und Strategie des Bistums...
09.11.22
Redaktion der pilger

Mehr Augenmerk auf Klimaschutz

Misereor-Chef Pirmin Spiegel fordert mehr Verantwortung von Hauptverursachern der...
09.11.22
Redaktion der pilger

Heiliger Geist als Wegbegleiter

Gaelle Maninzou Kenmogne wird am 13. Dezember im Speyerer Dom gefirmt
03.11.22
Redaktion der pilger

Pilger-Geschichten

Die Pilgerin Beate Steger produziert einen Podcast mit anderen Pilgern.
03.11.22
Redaktion der pilger

Cäcilia und die Kirchenchöre

Die Heilige Cäcilia ist die Patronin der über 8400 Kirchenmusiker im Bistum.
03.11.22
Redaktion der pilger

Bundesweite Eröffnung

Diaspora-Aktion: Gottesdienste im Speyerer Dom und in drei Pfarreien
27.10.22
Redaktion der pilger

Hauskapelle eingeweiht

Pontifikalamt mit Bischof Wiesemann im Edith-Stein-Gymnasium Speyer
27.10.22
Redaktion der pilger

Musikalische Gebete für die Seele

Ökumenische Lobpreis-Veranstaltung „United Praise“ am 31. Oktober in der Speyerer...
27.10.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

„Wir gestalten Zukunft“

Interview mit Gabriele Kemper zu Einsparvorschlägen des Bistums und die Rolle der...
27.10.22
Redaktion der pilger

Gute Ideen werden unterstützt

Bonifatiuswerk fördert innovative Projekte rund um die Glaubensweitergabe – Auch im...
27.10.22
Redaktion der pilger

Gott ist ein Gott der Lebenden

Wer an diesen Gott glaubt, kann nicht im Tod sein
27.10.22
Redaktion der pilger

Buch Exodus trifft moderne Technik

Messdiener Leimersheim zeigen beeindruckende Lichtershow beim zweiten „Lichterleben“
27.10.22
Redaktion der pilger

Noch keine Sekunde bereut

Der Landauer Student Justus Hültenschmidt ist zum Praktikum in Dänemark
27.10.22
Redaktion der pilger

Kleines Werk mit großer Wirkung

Vor 150 Jahren schuf Claude Monet ein Bild, das dem Impressionismus seinen Namen gab
27.10.22
Redaktion der pilger

Wir sind geliebt

Was wir an Zachäus wieder neu lernen können
19.10.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Aus für das Karmelkloster Hauenstein

Überalterung und fehlender Nachwuchs: Schwestern haben die Auflösung fürs Jahr 2023...
19.10.22
Redaktion der pilger

„Ich gebe, weil andere nicht können“

Wie wirkt sich die hohe Inflation auf die Spendenbereitschaft aus?
19.10.22
Redaktion der pilger

Die Habsburger im Mittelalter

Historisches Museum der Pfalz in Speyer zeigt Aufstieg der Dynastie
19.10.22
Redaktion der pilger

Richtlinien für die Zukunft

Für den Sparprozess bis 2030 hat sich das Bistum acht strategische Ziele gesetzt
19.10.22
Redaktion der pilger

Mit Franziskus unterwegs

Stimmen von der Diözesanwallfahrt nach Assisi
19.10.22
Redaktion der pilger

Größe in Demut

Vom Zöllner lernen wir für unseren Glauben
19.10.22
Redaktion der pilger

Attraktive Arbeit bieten

Interview: Caritas-Präsidentin über neue kirchliche Grundordnung
13.10.22
Redaktion der pilger

Umzug richtig planen – mit diesen Tipps lässt sich Zeit...

Ein Umzug stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Daher ist ein gewisser...
12.10.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Ein Pfälzer Gastgeber in Assisi

Franziskaner-Minorit Thomas Freidel aus Fußgönheim: Als einziger deutscher...
12.10.22
Redaktion der pilger

Die Frage nach dem Größeren

Beim Beten geht es immer um Gottes Plan für uns
Treffer 1 bis 40 von 4711