Redaktion der pilger

Mittwoch, 04. Januar 2023

Unsere Taufe

Taufe ist kein einmaliges, abgeschlossenes Ereignis. Die Taufe will immer wieder erneuert und gelebt werden: Sie bedeutet, in Jesu Nachfolge zu leben. (Foto: Andreas Koch/AdobeStock.com)

Unser Christsein will immer erneuert werden

Die guten Vorsätze für das neue Jahr kennt jeder und es gibt kaum jemanden, der oder die sie nicht hat: Mehr Sport und Bewegung! Weniger Süßes! Etwas (mehr) für die Umwelt tun! An der Beziehung zum Partner/der Partnerin arbeiten! Mehr Zeit für Familie! Auf die Work-Life-Balance achten! Das sind einige der prominentesten Vorsätze für das neue Jahr. Bestimmt haben Sie auch welche oder zumindest einen.

Ich habe auch zwei. Auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun. Und dann: doch. Mein erster Vorsatz: Meinen Kindern die Welt zeigen, reisen – jetzt, wo es wieder besser geht nach Corona. Ich möchte dies tun, damit sie offen werden für die Welt; damit sie andere Sichtweisen erkennen und lernen, Perspektiven zu wechseln. Das geht am Besten, wenn man aus dem gewohnten Kontext ausbricht und Dinge von anderswo betrachtet.

Mein zweiter Vorsatz ist: Mein Katholisch-sein zu überdenken – zu überlegen, wozu, von wo aus und auf was hin ich getauft bin. Außerdem was sich daraus für mich ergibt, als Christin, als Frau, als Katholikin in der Jetzt-Zeit!

Das Fest der Taufe des Herrn beschließt Weihnachten – die Kindheit Jesu: seine Geburt als Jude, Beschneidung, die Huldigung durch die Weisen aus dem Morgenland, die Flucht vor Herodes nach Ägypten. Darauf folgt etwas Neues – das öffentliche Wirken und Auftreten Jesu beginnend mit seiner Taufe im Jordan durch Johannes den Täufer. Laut der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil endet die Weihnachtszeit hier, nicht am 2. Februar, an Mariä Lichtmess. Es fällt quasi zusammen mit dem Beginn des säkularen Jahres. Gar nicht so schlecht also, die eigenen Vorsätze für das Jahr mit der eigenen Taufe zu verbinden.

Es wird angenommen, dass Jesus sich wie viele andere auch von Johannes taufen ließ, weil gedacht wurde, dass die Wiederkunft des Messias bald bevorstünde und man sich deshalb durch die Taufe von seinen Sünden reinwaschen lassen wollte. Manche glauben sogar, dass Jesus sich bereits längere Zeit zur Anhängerschar des Johannes zählte. Als er sich dann, wie andere vor ihm, taufen lassen wollte, geschah das Unerwartete oder das Ungeheuerliche, das Wendezeichen: Der Himmel öffnet sich. Gott offenbart Jesus als seinen menschgewordenen Sohn und sendet den Heiligen Geist in Form einer Taube auf ihn. Das Verhältnis Jesus und Johannes wendet sich schlagartig. Der Schüler Jesus wird zum Lehrer des Johannes – und zu unserem Lehrer. Der Auftrag des Johannes ist erfüllt. Jesus, der Messias, beginnt sein Wirken.

Bereits in der frühen Kirche haben sich Theologen mit diesem Sachverhalt beschäftigt. Wie kann es sein, dass ein Mensch, der nicht sündenfrei sein kann, den Messias tauft? Oder andersherum: Warum braucht der Messias, die Befreiung von Sünde und Schuld? Früh (durch Johannes Chrysostomos im vierten Jahrhundert) wird die Taufe bzw. das „Abtauchen und wieder Auftauchen“ im Jordan als Hinweis auf Tod und Auferstehung gedeutet.

Gleiches gilt für uns heute. Durch die Taufe gehören wir zu Christus und werden hinein genommen in das Auferstehungsereignis: Die Perspektive dieser Taufe Jesu im Jordan ist also unsere eigene Auferstehung – wenn wir die Nachfolge antreten. Das ist der springende Punkt. Die Taufe Jesu im Jordan ist der eigentliche Beginn einer Gemeinschaft, der ich durch meine eigene Taufe auch angehöre. Die Tauferneuerung, die die Liturgie des Festes der Taufe des Herrn beinhaltet, ist für mich weniger Erinnerung an meine eigene Taufe, als viel mehr ein Innehalten und Sinnieren über mein Getauft-Sein, mein in der Nachfolgestehen, in der Nachfolge dieses Jesus von Nazaret, dem menschgewordenen Gott. Der mir durch sein Handeln und Wirken sehr unmissverständlich zeigt, was Christin-sein in der Jetzt-Zeit bedeutet.

Und hier treffen sich meine Vorsätze für das neue Jahr. Die beiden Schlagworte sind: Perspektivenwechsel und mein Christsein überdenken. Vielleicht eine Anregung auch für Sie – das eigene Christsein mal aus anderer Perspektive zu betrachten! Viel Spaß beim Reisen!

P.S. Ich werde mit meinem Mann und unseren Kindern dieses Jahr mit dem neuen Nachtzug von München nach Venedig reisen. Mal sehen, welche Perspektiven uns die Kinder eröffnen, wenn wir Orte, wie die Kirche San Giovanni in Bragora besuchen und das Bild der Taufe Christi von Cima da Conegliano aus dem 15. Jahrhundert betrachten. Oder, welche Kommentare ich mir zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit anhören darf, wenn die großen Touristenschiffe an San Marco stranden und die Lagune bedrohen. (Dr. Bettina Reichmann)

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