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Redaktion der pilger

Donnerstag, 16. Dezember 2021

Weihnachtskrippen in der Pfalz

Vor Kurzem erschien im Kurpfälzischen Verlag Heidelberg das Buch „Weihnachtskrippen in der Pfalz – Stimmungsvolle Entdeckungen“. Wer es in Händen hält, darf sich an einem gelungenen Zusammenspiel interessanter Texte und eindrucksvollen Fotografien erfreuen. Eine schöne Anregung, die beschriebenen Krippen einmal zu besuchen. (Norman P. Krauß)

Nach einleitenden Texten zur Geschichte und Bedeutsamkeit der Weihnachtskrippe würdigt das Buch zwölf Krippen in der Pfalz und der Saarpfalz sowie das Krippendorf Bornheim bei Landau.

Dabei hat Autor Dr. Helmuth Bischoff seine Auswahl nach der kunstgeschichtlichen Besonderheit der Krippen getroffen, aber auch Krippen aufgenommen, die sich durch anderweitige Besonderheiten kennzeichnen. Vorgestellt werden die Krippen der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Oggersheim, im Dom zu Speyer, der St. Ulrich-Kirche in Deidesheim, St. Peter in Hettenleidelheim, St. Maria in Landau, St. Nikolaus in Bellheim, St. Jakobus in Germersheim. St. Maria Himmelfahrt in Herxheim, St. Leo in Schaidt, St. Michael in Hagenbach, St. Anna und St. Philipp in Blieskastel (Bild oben) sowie St. Mauritius in Erfweiler-Ehlingen. Besondere Aufmerksamkeit kommt bei dieser Auswahl den Krippen zu, die von dem bekannten bayerischen Bildhauer und Krippenbauer Sebastian Osterrieder in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gefertigt wurden. Sie finden sich in Deidesheim, Hettenleidelheim, Herxheim, Landau, Blieskastel und Erfweiler-Ehlingen. Wobei die Osterrieder-Krippe in Landau 2021 hundert Jahre alt wird.

Was zeichnet diese Krippen und die Figuren aus der Hand des bayerischen Künstlers aus? Warum trifft man sie in der Pfalz recht zahlreich an? Was geschah mit ihnen, als sie nach Jahrzehnten des Gebrauchs deutliche Beschädigungen aufwiesen? Das Buch gibt dazu ausführliche Antworten. 1864 in Abensberg bei Regensburg als Sohn eines Bäckers geboren, sollte Sebastian Osterrieder den väterlichen Beruf übernehmen und folgte erst ab 1891 seiner Leidenschaft, dem Krippenbau.


Sebastian Osterrieder baute Krippen für Dome und den Kaiser
Er besuchte die Akademie der Bildenden Künste in München und wurde nach dem Abschluss seines dortigen Studiums schnell erfolgreich. Wegweisend war dabei die Begegnung und Zusammenarbeit Osterrieders mit dem Krippensammler Max Schmederer (1854 bis 1917) . Dieser hatte schon Ende des 19. Jahrhunderts die größte Krippensammlung der Welt zusammengetragen und 1897 dem Bayerischen Nationalmuseum vermacht, wo sie heute noch das Glanzstück der Sammlung darstellt. Die Fachkenntnisse Schmederers gaben Osterrieder viel Rüstzeug. Er verschrieb sich beim Krippenbau traditionsgebundenen Gestaltungsformen, was ihm Anerkennung und viele Aufträge durch den Klerus bescherte. Zwei Erzbischöfe von München-Freising, Dr. Antonius von Thoma (1829 bis 1889) und Kardinal Michael von Faulhaber (1869 bis 1952), zählten zu seinen frühen Förderern. Nachdem er 1907 eine Weihnachtskrippe für Kaiser Wilhelm II. hatte herstellen dürfen, war Osterrieders Ausnahmestellung gesichert. Er bekam Aufträge, Weihnachtskrippen für Dome in Linz, Freising, Luxemburg, Paderborn, Stockholm und Uppsala zu fertigen. Daneben gab es aber viele Aufträge kleinerer Kirchen in München, Niederbayern, Schwaben und in der Pfalz. Bei einer Palästina-Reise gewann Osterrieder Eindrücke und ein sicheres Gespür für die Gestalt der dort lebenden Menschen. Diese Erfahrungen konnte er in das Aussehen seiner Krippenfiguren einbringen. Die von ihm hergestellten Figuren sind mit ihren Gesichtern, Körperhaltungen, Gesten und Bekleidungen ein Abbild von Menschen des Nahen Ostens. Sein Verfahren zur Herstellung der Figuren – der französische Hartguss – erlaubte ein viel natürlicheres Aussehen, als geschnitzte Figuren dies je erreichen konnten. Dabei wurde eine Masse aus Champagnerkreide, Gips und Hasenleim in Hohlformen gegossen und getrocknet. Dann folgte das sogenannte „Kaschieren“, das Bekleiden mit zugeschnittenen Stoffen, die, in Leimwasser getaucht, den Figuren angelegt und schließlich bemalt wurden.

Warum recht viele Osterrieder-Krippen in die Pfalz geliefert wurden, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Bisweilen wird Sebastian Osterrieders Schwester Therese damit in Zusammenhang gebracht. Sie verbrachte ihren Lebensabend bis zu ihrem Tod 1917 im St. Paulusstift in Herxheim, und einige damit verbundene Besuche ihres Bruders sollen zu Kontakten in Pfarreien geführt haben. Andere Nachforschungen berichten von der Initiative eines Deidesheimer Pfarrers, der seinen Lebensabend in Bayern verbracht habe und dabei auf Osterrieder aufmerksam geworden sein soll. Er habe seinen Nachfolger in Deidesheim, Pfarrer Christian Kast, auf den Krippenkünstler aufmerksam gemacht, was 1912 schließlich zum ersten Kauf einer Osterrieder-Krippe in der Pfalz geführt habe. Da die Osterrieder-Krippen im Bistum Speyer mit den Jahrzehnten schadhaft wurden, bedurfte es an allen Standorten einer fachkundigen Restaurierung. In diesem Zusammenhang hat sich Hermann Frübis (1924 bis 1999) aus Neustadt-Königsbach große Verdienste erworben. Mit viel Ausdauer näherte er sich einer originalgetreuen Restaurierungsweise immer mehr an.

Man sollte das Buch „Weihnachtskrippen in der Pfalz“ nicht unbedingt von Anfang bis Ende ohne Unterlass durchlesen. Der bessere Zugang besteht wohl darin, das Buch in der Adventszeit oder zwischen den Jahren ab und zu einmal in die Hand zu nehmen, um sich mit ein oder zwei der vorgestellten Krippen und ihren Standorten zu beschäftigen. Dabei kommt vielleicht auch die Lust, den Krippen einen persönlichen Besuch abzustatten. Eine schöne Form, dieses Buch zu genießen, besteht auch darin, es gemeinsam mit Kindern anzuschauen und dem Nachwuchs die Weihnachtsgeschichte anhand der Bilder zu erzählen.(pil)

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