Aus dem Bistum

Mittwoch, 05. Februar 2020

Anliegen an die Basis tragen

Die Delegierten aus dem Bistum Speyer bei der Synodalversammlung in Frankfurt

Frauenverbände und Fraueninitiativen begleiteten die Synodalversammlung mit ihren Forderungen – und Gottesdiensten. (Foto:KNA)

Das Bistum Speyer ist in der Synodalversammlung mit vier Mitgliedern vertreten: mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Weihbischof Otto Georgens, Theo Wieder für das ZdK bzw. den Speyerer Katholikenrat sowie Pfarrer Volker Sehy als Vertreter des Priesterrates. Bischof Wiesemann hatte gemeinsam mit Claudia Lücking-Michel vom ZdK das vorbereitende Forum zum Thema „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ geleitet. Er gehört auch zu den Mitgliedern des entsprechenden Synodalforums, das in den nächsten zwei Jahren die Entscheidungsvorlage zu diesem Themenbereich vorbereiten wird.

Theo Wieder ist es wichtig, Inhalte und Anliegen  des Synodalen Weges auf die unteren Ebenen zu transportieren, bis in die Pfarreien. „Die Menschen müssen mitgenommen werden“, so Wieder im Gespräch mit dem „pilger“.  Bei vielen Themen werde man zu Lösungen kommen können, die auf Ebene der Ortskirche entschieden werden könnten. Andere würden „als Anstöße nach Rom“ weitergeleitet werden müssen. Theo Wieder ist auch Vorsitzender des Pfarreirates in Frankenthal.
Weihbischof Georgens ist der weltkirchliche Bezug des Synodalen Weges ein Anliegen. So freute es ihn, dass im Zusammenhang mit der Zukunft der Kirche expliziert „die Option für die Armen“ benannt wurde. Es gebe vielfältige Bezüge, wenn es um Perspektiven für die Kirche in Deutschland gehe. In diesem Zusammenhang verweist Georgens auch auf die Tatsache, dass in jeder dritten Pfarrei  des Bistums Speyer Priester der Weltkirche aus Indien und anderen Ländern tätig sind.
In den wichtigen vier Arbeitsgruppen, in denen die Vorlagen für die Synodalversammlung entstehen, können aus Gründen der Arbeitsfähigkeit von den 230 Delegierten nur rund die Hälfte mitarbeiten. Das führte, wie auch das Auswahlverfahren insgesamt, bei vielen zu Unmut – wie bei Volker Sehy, Direktor des geistlichen Zentrums Maria Rosenberg. Er hält es für zentral wichtig, dass es „gerecht und transparent“ zugeht auf dem Synodalen Weg. Mit dem Kompromiss, der schließlich gefunden wird, ist Sehy zufrieden. Die  Zahl der Forenmitglieder wird erhöht und die Rolle der Frauen bei den Entscheidungen gestärkt.
Für noch etwas machte sich Sehy in der Diskussion stark: für eine verständliche Sprache, die jede und jeden mitnimmt. Das sei eine Querschnittsaufgabe in allen Bereichen der Kirche, unterstreicht er.

Weg der Erneuerung

Im Vorfeld der Frankfurter Synodalversammlung  hatten sich die Mitglieder des Speyerer Katholikenrates im ZdK zu Wort gemeldet und die schwindende „Begeisterung für die Sache Jesu“ bedauert. „In diesem Kontext verstehen wir den Synodalen Weg als einen Weg der Erneuerung. Wir brauchen neue Wege, um unseren Glauben in der Welt von heute leben und verkünden zu können. Was nützt uns das Festhalten an Traditionen und veralteten Strukturen, wenn dies verhindert, dass die Frohe Botschaft überhaupt noch gehört wird? Der Synodale Weg will ein Zeichen der Dialog- und Reformbereitschaft setzen“, so Luisa Fischer, Astrid Waller und Theo Wieder. Wieder ist für den Katholikenrat Mitglied der Synodalversammlung.
Von dem Synodalen Weg erwarten die Speyerer ZdK-Mitglieder, dass die katholische Kirche in Deutschland wieder zu einem „Segensort“ werden kann. „Segensorte“ ist auch Leitmotiv eines Visionsprozesses im Bistum Speyer. Von dem Synodalen Weg erwarten sich die Verantwortlichen des Speyerer Visionsprozesses zusätzliche Impulse.

Chance für die ganze Kirche

Im Synodalen Weg sehen die katholischen Erwachsenenverbände des Bistums Speyer einen „Segensort für die ganze Kirche“ und verweisen in einer Stellungnahme auf den Bistumsprozess „Segensorte“. „Wir erwarten von den Beratungen des Synodalen Wegs einen echten Dialog, der auf gegenseitiger Wertschätzung und Achtung beruht. Wir unterstützen eine offene, aktive Suche nach einer neuen Gestalt von Kirche mit der Beteiligung möglichst vieler.“
In den Leitungsfunktionen der Verbände werde Macht und Verantwortung längst geteilt. „Die Menschen in unseren Verbänden und Gemeinden warten darauf, dass längst überfällige Reformen in Angriff genommen werden. Die Kluft zwischen Lebenswirklichkeit und Lehre in Fragen der Sexualmoral, die Frage nach der priesterlichen Lebensform heute, die Frage nach dem gleichberechtigten Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche treiben die Menschen um. Das gilt es zu hören, ernst zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen“, so die Verbände im Bistum Speyer.
Der DJK-Sportverband, der Familienbund der Katholiken, die Gemeinschaft katholischer Männer, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, der Katholische Deutsche Frauenbund und das Kolpingwerk Diözesanverband Speyer bilden die Interessengemeinschaft der katholischen Erwachsenenverbände.

Jugendverbände fordern Veränderungen

Im Vorfeld der ersten Synodalversammlung des Dialogprozesses „Synodaler Weg“ hat sich auch der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Speyer positioniert und  sich klar für Veränderungen in der katholischen Kirche ausgesprochen.
Thomas Heitz, BDKJ-Diözesanvorsitzender, erhofft sich vom Synodalen Weg ganz konkrete Vorschläge für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. Nicht nur im Hinblick auf die Stellung der Frau in der Kirche sieht der BDKJ Speyer Handlungsbedarf. Auch die Sexualmoral der katholischen Kirche müsse neu ausgerichtet werden und den aktuellen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung tragen. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum mit dem heutigen Wissensstand die Liebe von homosexuellen Paaren in der Kirche nicht genauso wertgeschätzt wird, wie die heterosexueller Paare“, sagt Lena Schmidt, BDKJ-Diözesanvorsitzende, und fordert deshalb konkret die Möglichkeit einer Segnung für gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche.
Andreas Rubel, Priester und Diözesanpräses des BDKJ im Bistum Speyer, äußert sich kritisch im Hinblick auf die aktuellen Rahmenbedingungen der Priesterausbildung. Auch an die Lebensform eines verpflichtenden Zölibats für Männer im Priesteramt hat Rubel im Hinblick auf die Ausbildung Anfragen: „Die Vorstellung, dass es künftig Priester oder Priesterinnen ohne verpflichtenden Zölibat gibt, die zusammen arbeiten, wäre schon vom ersten Tag der Ausbildung an eine großartige Bereicherung“, heißt es in einer Pressemitteilung des Speyerer BDKJ.

Bischof: Kulturwandel beim Thema Macht

Bischof Karl Heinz Wiesemann zeigte sich sehr beeindruckt von der offenen Atmosphäre, die die erste Synodalversammlung prägte. Er sei optimistisch, „dass wir in den zwei Jahren zu sehr vernünftigen Ergebnissen kommen“, sagte er im Gespräch mit der Katholischen Nachrichtenagentur. Gemeinsam mit Claudia Lücking-Michel vom ZdK hatte er das vorbereitende Forum zum Thema Macht und Gewaltenteilung in der Kirche geleitet.
Wichtig sei das konstruktive Gespräch miteinander. „Uns alle verbindet der gemeinsame Wille, dass es für die katholische Kirche positiv weitergeht“, so der Bischof, der den Synodalen Weg ganz zentral auch als geistlichen Prozess sieht. Das schließe nicht aus, „dass wir inhaltliche Debatten in aller Konsequenz führen können und müssen“.
Unter den 230 Delegierten der Synodalversammlung findet das Forum Macht und Gewaltenteilung in der Kirche den größten Zuspruch. Bischof Wiesemann führt das darauf zurück, dass sich gerade bei diesem Themenbereich viele sehr konkrete und praktische Verwirklichungsmöglichkeiten abzeichnen. „Denn viele nehmen an dem Synodalen Weg mit der Erwartung teil, dass etwas Fassbares herauskommt. Und zwar schon auf der Grundlage des geltenden Kirchenrechts“, so Wiesemann. Als zweiten Grund für das Interesse sieht er die Tatsache, dass das Thema Macht alle betrifft. „Dahinter verbirgt sich beispielsweise die Frage: Wie kann es gelingen, gemeinsam in einer Weise Kirche zu sein, in der das Amt zwar notwendig ist, es aber so gelebt und praktiziert wird, dass Teilhabe möglich ist?“ Zudem gehe es bei der Frage der Macht um ein „Querschnittsthema“ bei mehreren Themenbereichen des Synodalen Wegs, etwa beim Missbrauch oder bei der Frauenfrage. „Das Thema bündelt alles“, so der Bischof.  „Die ganze soziale, kulturelle und politische Gestalt der katholischen Kirche ist im Blick. Alles in allem sollten wir beim Thema Macht einen Kulturwandel anstreben.“
Auf die Frage „Müssen die Bischöfe Macht abgeben?“ stellt Bischof Wiesemann fest: „Ja, es geht aber nicht nur um das bischöfliche Amt. Wir brauchen eine größere Transparenz und Rechenschaftspflicht in Bezug auf die Ausübung von Macht, es braucht strukturell abgesicherte Kontrolle und Partizipation des ganzen Gottesvolkes.“ Und Wiesemann unterstreicht, was während der Beratungen in dieser Deutlichkeit kaum zum Ausdruck kam: „Wir alle müssen unsere Macht aus dem Evangelium heraus begreifen und als Dienst im Sinn der Option für die Armen verstehen und leben.“
Im Bistum Speyer ist der Synodale Weg eng mit einem diözesanen Visionsprozess unter dem Leitmotto „Segensorte“ verbunden. Für Bischof Wiesemann ergeben sich viele inhaltliche und perspektivische Schnittmengen. Im Kern gehe es um Umkehr und Erneuerung. Durch den im vergangenen Jahr gestarteten Visionsprozess solle ein hoffnungsvolles Bild für die Kirche von Speyer entwickelt werden. Und – so unterstreicht der Bischof – es soll „ganz stark ein Beteiligungsprozess“ werden.

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