Aus dem Bistum

Mittwoch, 22. Juli 2020

Aus Zellen werden Zimmer

Zeitgemäße Wohnlichkeit: Klostergebäude Blieskastel wurde restauriert und modernisiert

Blick vom Flur, der zur Kirche führt, in Richtung Foyer und geschlossenem Bereich. Die Zugänge und die Terrazzo-Böden wurden stilgerecht restauriert. Foto: Wilhelm

Die letzten Handwerker sind noch am Arbeiten. Doch schon jetzt ist der neue Glanz erkennbar, in dem das Kloster der Franziskaner-Minoriten in Blieskastel erstrahlt. Begonnen wurde mit der Sanierung im Herbst 2018. Der Zeitplan ist – wie der Kostenrahmen – eingehalten worden.

Vieles hat sich verändert, ist modernisiert, großzügiger, heller und freundlicher geworden. Wer früher einmal im Kloster zu Besuch war, wird den Eingangsbereich kaum wiedererkennen. Die Tür hinter dem Eingangsportal ist versetzt, schließt nun wie ein Windfang ab. Die alte Pforte existiert nicht mehr. Der gewonnene Raum wird Platz für eine Sitzecke bieten. An der Südwand werden die zwei wiederhergestellten, aus dem 17. Jahrhundert stammenden Schächer, die einst vor der Kreuzkapelle standen, und ein Kreuz installiert. Strahler rücken sie ins rechte Licht. Der Terrazzo-Boden wurde an manchen Stellen aufwendig repariert, wie Architekt Peter Wack erklärt.

Vom Eingang her führt der Flur rechts in Richtung Kirche, die über einige Stufen erreichbar ist. Rechter Hand war einst eine schmale Treppe. An ihrer Stelle finden sich neue Toilettenanlagen, darunter eine barrierefreie. Allerdings, schränkt Wack ein, sei das Kloster nicht behindertengerecht. „Einen Aufzug zu installieren, wäre viel zu teuer gewesen.“ Eine Rampe im Außenbereich soll Rollstuhlfahrern aber wenigstens den Zugang zum Kloster ermöglichen.

Erhalten geblieben ist das Beichtzimmer, die vorhandene Wand wurde jedoch herausgerissen. Es gibt sowohl einen Beichtstuhl, ähnlich dem in Kirchen, als auch eine kleine Sitzgruppe. Die Tür stammt von einer Klosterzelle und trägt die Aufschrift „Bruder Konrad“. Schwellklötze am Eingang sorgen für optimalen Schallschutz. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Sakristei. Links vom Eingang liegt nun das Büro des Pförtners. Eine Tür öffnet sich in den Besucher-Bereich, die zweite in die Klausur. Wie andernorts im Kloster wurden die Fußbodendielen geschliffen und geölt. „Neu sind die profilierten Fußleisten.“
Von dem kleinen Flur zweigt ein nagelneues Treppenhaus ab, das vom Keller bis zum Dach reicht. „Hier befanden sich einst Toiletten. Oberhalb war das Bad der Patres, was eine gewisse Feuchtigkeit mit sich brachte“, sagt Wack. Dass diese Umgestaltung eine Herausforderung darstellte, verhehlt der Architekt nicht.

Den Flur beschließt eine Tür, die in den Garten öffnet. Von hier gelangen Lieferanten oder Brüder, die Besorgungen gemacht haben, in den Wirtschaftsraum. Die Küche schließt sich an. Leichte Spuren auf dem Terrazzo-Boden zeigen noch die Stelle, an der vor langer Zeit der mit Holz beheizte Herd stand. Die Küchenzeile und eine Kochinsel werden noch installiert. Eine Durchreiche ins Refektorium darf nicht fehlen. In diesem weiträumigen Raum, dem größten im Kloster, kommen die Franziskaner zum Essen zusammen. Hier findet sich ein langer Tisch mit hochlehnigen Stühlen für 20 Personen. Ins Auge sticht ein Sideboard aus dunklem Holz. Nicht weniger markant ist der Kachelofen, der vom Flur aus gespeist wird. Eine Gasbrennwertheizung ersetzt die alte Ölheizung. Installationen und Leitungen mussten entsprechend modernisiert werden. Die Decken sind jetzt schallgedämpft. Sie wurden wie die Wände neu verputzt und gestrichen. Die Fenster aus den 1960er Jahren – „sie waren nicht denkmalwürdig“ – wurden ausgetauscht.

Über die geschwungene Treppe am Ende des Flügels gelangen die Brüder und ihre Gäste in das Obergeschoss. Der große Raum oberhalb des Refektoriums wird künftig als Bibliothek und gemeinsames Wohnzimmer mit Teeküche dienen. Der Raumteiler, eine hohe Bücherwand, ist bereits bestückt.
Sechs geräumige Zimmer mit Bett, Schränken, Schreibtisch, Sitzgelegenheiten und angeschlossenem Duschbad sind im Wohnbereich untergebracht. „Aus den einstigen Zellen haben wir die Wände entfernt und so größere geschaffen“, sagt Wack. Drei kleinere Zimmer mit Bad sind Gästen vorbehalten. Ein ehemaliges Zimmer hat sich in eine offene Nische verwandelt, „um den Flur heller zu gestalten“. Auf der Etage finden sich die Hauskapelle mit kleiner Sakristei, ebenso ein Technikraum und ein Büro.

Das Gebäude, das in den 1920er Jahren errichtet wurde, ist mit Brandschutztüren versehen, die zum Gesamtbild passen. Eine im Südflügel verbindet das Kloster mit der Pilgerrast, die vor neun Jahren saniert wurde. „Die Zimmer entlang des Flurs können aus Kostengründen momentan nicht hergerichtet werden“, bedauert Wack. Insgesamt wurden für die Sanierung und Modernisierung 3,75 Millionen Euro veranschlagt, „die wir auch nicht überschreiten werden“. Die Diözese Speyer trägt 90 Prozent, Zuschüsse gibt es über Fördertöpfe. In einem nächsten Schritt werden die Außenanlage, die Säulenhalle und der Kreuzweg saniert sowie Stellplätze geschaffen. (wir)

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