Aus dem Bistum

Mittwoch, 04. September 2019

Erinnerung an aufrechten Priester wachhalten

Neustadt-Königsbach erinnert an den entschiedenen NS-Gegner Pfarrer Jakob Martin

Enthüllten das neue Straßenschild (von links): Ortsvorsteherin Alexandra Schaupp, Pfarreiratsvorsitzender Dr. Wolfgang Appel und der Neustadter Oberbürgermeister Marc Weigel. Foto: Wittkampf

Seit Ende der Gewaltherrschaft des sogenannten Dritten Reichs diskutieren Historiker und Gesellschaftswissenschaftler über die Rolle der Kirchen in dieser Zeit. Haben die Kirchenoberen, haben die gläubigen Christen beider Konfessionen das verbrecherische System überhaupt als solches erkannt und dementsprechend ihre Stimme ausreichend erhoben? Ja, es gab einige wenige, die frühzeitig ihre Schäfchen vor den falschen Hirten warnten und dabei auch schlimme Nachteile für sich selbst in Kauf nahmen.
Einer dieser weitsichtigen und mutigen Amtsträger in der katholischen Kirche war Pfarrer Jakob Martin, der von 1930 an acht Jahre das Amt des Ortspfarrers von Königsbach, heute Teil Neustadts, innehatte. Seine offene Gegnerschaft zum NS-Regime und daraus zwangsläufig folgend seine Verhaftung und schwere Misshandlung durch Nazischergen hatten die Mitglieder des Königsbacher Gemeindeausschusses bewogen, Pfarrer Martin ein Gedenkzeichen besonderer Art zu schaffen: Der Platz vor der St.-Johannes-Kirche sollte dauerhaft seinen Namen tragen.
Am 24. August gedachten Königsbacher, daneben etliche Neustadter sowie geschichtlich Interessierte in einer besonderen Form dem Leben und Wirken des damaligen Königsbacher Pfarrers. Die Feierlichkeiten begannen mit einem Festamt in der St.-Johannes-Kirche mit Dekan Michael Janson, musikalisch umrahmt vom Kirchenchor Saarbrücken-Burbach unter der Leitung von Georg Zimnol sowie dem Bläserkreis Traugott Baur. Ungewöhnlich an diesem Gottesdienst war, dass Dekan Janson anstelle der Predigt Dr. Thomas Fandel den Ambo überließ für eine ausführliche Darstellung über Pfarrer Martins Wirken. Der Leiter des Speyerer Bistumsarchivs schilderte anschaulich den Werdegang von Jakob Martin. (Beitrag auf der gegenüberliegenden Seite.)
In einer würdigen und zum Nachdenken anregenden aber auch frohen Feierstunde schritten dann die Akteure zur Tat und enthüllten das neue Straßenschild am Ort vor der Kirche: „Pfr.-Jakob-Martin-Platz“. Zu diesen Offiziellen gehörten neben dem Vorsitzenden des Pfarreirats der Pfarrei Hl. Theresia von Avila Neustadt Dr. Wolfgang Appel auch der Oberbürgermeister der Stadt Marc Weigel sowie die Ortsvorsteherin Alexandra Schaupp. In den Ansprachen appellierten die drei jeweils an die Bevölkerung, das Erinnern an Pfarrer Martin wachzuhalten. Frau Schaupp gebrauchte für den Geehrten das Wort Held, und der Oberbürgermeister fragte sich, wie er wohl seinerzeit auf das offen zu Tage tretende Unrecht reagiert hätte. „Wir alle sind auch heute in der Pflicht, wenn wir erleben müssen, dass ein hochrangiges Mitglied des deutschen Bundestages über eine Zeit riesiger Verbrechen und enormer Schande von einem Mückenschiss in der deutschen Geschichte spricht.
Die Feierstunde, musikalisch umrahmt vom Sängerchor 1840 Königsbach, endete mit dem von zwei Kommunionkindern vorgetragenen Gedicht Lothar Zenettis „Was keiner wagt“.


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