Aus dem Bistum

Donnerstag, 01. September 2011

Fast so viele Glocken wie im Speyerer Dom

St. Ingbert: Weihbischof Otto Georgens weiht Glocken für die Josefskirche

Weihbischof Georgens salbt die Glocken mit geweihtem Öl. (Foto: Senzig)

„Dass ich das noch einmal erleben darf!“ Caroline Müller ist begeistert. 1953 war sie als sechsjährige Schülerin bei der ersten Glockenweihe nach dem Krieg in St. Ingbert dabei. Damals stiftete die Stadt als Entschädigung für die Kriegsverluste den Kirchen insgesamt 21 Glocken. Am vergangenen Sonntag wurden erneut Glocken in St. Ingbert geweiht, und zwar sieben an der Zahl. Sie hängen künftig im Turm der Pfarrkirche St. Josef, die am 17. Juli 2007 einen Brand zum Opfer fiel und fast völlig zerstört wurde.

Weihbischof Otto Georgens weihte das Geläut im Rahmen eines Pontifikalamtes vor der Kirche St. Engelbert in der Fußgängerzone, die sich mit Fahnen in den katholischen Farben festlich herausgeputzt hatte. Rund 2500 Gläubige nahmen an der Feier teil, darunter zahlreiche Priester, Vertreter der Stadt, der Feuerwehr sowie der katholischen Verbände.

Zu Beginn des Gottesdienstes wies Weihbischof Georgens darauf hin, dass die Josefskirche mit ihren jetzt sieben Klangkörpern an den Speyerer Dom, dessen Geläut aus neun Glocken besteht, zahlenmäßig herangerückt sei. Der Turm der abgebrannten Josefskirche beherbergte lediglich fünf Glocken. Den Glockenzuwachs verdankt das Gotteshaus verschiedenen Spendern.

Die 460 Kilogramm schwere Glocke St. Florian, auf der alle beim Brandeinsatz beteiligten Feuerwehren verewigt sind, wurde von den Eheleuten Hildegard und Heinz Kessler gestiftet. Sie hatten in ihrem Eisenwarengeschäft in St. Ingbert mit dem Slogan „Mit dem guten Spendenmesser geht’s St. Josef etwas besser“ Schweizer Qualitätsmesser für fünf Euro das Stück verkauft. Die Hälfte des Betrages legten die Geschäftsleute für den Erwerb der rund 20000 Euro teuren Florians-Glocke zur Seite. Leider kann das Ehepaar das Glöcklein nicht mehr läuten hören. Beide sind mittlerweile verstorben.

Die siebte Glocke, die dem Patron der Stadt St. Ingbert, dem heiligen Ingobertus, geweiht ist, stifteten die am Wiederaufbau der Pfarrkirche beteiligten Firmen. Sie ist mit einem unteren Durchmesser von 739 Milimetern und einem Gewicht von 305 Kilogramm die kleinste der sieben Glocken. Auch auf  ihr sind die Spender eingraviert. 

„Das ursprüngliche Geläut wies in den hohen Tönen ein Defizit auf“, begründet Werner Gammel, Mitglied im Verwaltungsrat der Pfarrei St. Josef, den Glockenzuwachs. Der neue Glockenstuhl der wiederaufgebauten Josefskirche sei so konzipiert, dass er die sieben Glocken, verteilt auf drei Etagen, aufnehmen könne. 

15 Tonnen Holz werden für den Bau des Glockenstuhls benötigt. Das natürliche Material bietet laut Gammel die Voraussetzung für einen wesentlich weicheren Klang des Geläutes. Im Turm der alten Josefskirche waren die Glocken noch an einer Stahlkonstruktion aufgehängt. 

Die größte der sieben Glocken – St. Theodor mit einem Gewicht von 4413 Kilogramm – wurde am 11. März in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen; die sechs weiteren Klangkörper am 8. Juli. Marliese Wittemann hatte gemeinsam mit weiteren Interessierten die Möglichkeit, dem „einmaligen Erlebnis“ beizuwohnen. Ihre „starke Bindung“ zu St. Josef besteht seit ihrer Kindheit, so die 81-Jährige, die in der Nähe des Gotteshauses wohnt. Insgesamt 300000 Euro kostet das Geläut. Die finanziellen Aufwendungen von fünf der sieben Glocken, die zu 78 Prozent aus Kupfer und zu 22 Prozent aus Zinn bestehen, übernimmt die Versicherung. 

In seiner Predigt im Pontifikalamt unternahm der Weihbischof zunächst eine Zeitreise der Glocken von ihrem Ursprung vor über vier Jahrtausenden in Asien bis zum beginnenden neunten Jahrhundert nach Christus, der Zeit des Kaisers Karl der Große, dem die Glocke einen beispiellosen Siegeszug verdanke. Gleichzeitig erläuterte er ihre Bedeutung. Danach ordne die Glocke die Zeit von Gebet, Arbeit und Muße. Außerdem könne sie in den Pfarrgemeinden zu einer Atmos­phäre beitragen, in der Lebenssinn, Lebensinhalt und Religiosität Form und Gestalt annehmen. Im Anschluss an die Predigt weihte Georgens die Glocken und brachte dabei jede einzelne zum Klingen. Dem Gottesdienst schloss sich ein Glockenfest an, bei dem viele Neugierige die Gelegenheit nutzten, die Glocken zu fotografieren und näher in Augenschein zu nehmen.

Nach Angaben von Pfarrer Arno Vogt sei mit der Glockenweihe eine wichtige Etappe beim Wiederaufbau der Josefskirche abgeschlossen worden. Die Kosten für den Wiederaufbau insgesamt belaufen sich auf rund 14,5 Millionen Euro. Davon werden von der Versicherung rund neun Millionen übernommen. 900000 Euro stammen aus Zuschüssen der öffentlichen Hand und aus Spenden. Wie hoch der Anteil des Bistums an den Kosten sein wird, ist noch unklar. Denn Pfarrer Vogt sieht die Versicherung, mit der man in Verhandlungen stehe, noch mehr in der Pflicht. (pede)

Hinweis: Weitere Bilder von der Feier finden Sie in dieser Bildergalerie.

Termine: An Allerheiligen, 1. November (17.30 Uhr), weiht Domkapitular Schappert die Orgel; die Wiederindienststellung der Josefskirche durch Bischof Wiesemann ist am 20. November (15 Uhr).

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