Aus dem Bistum

Donnerstag, 08. November 2018

Frauen noch immer in Gremien unterrepräsentiert

„Frauenmahl“ in Haßloch erinnerte an Einführung des Frauenwahlrechts vor hundert Jahren

Anne Spiegel: „Das Frauenwahlrecht markiert einen Wendepunkt, aber noch keinen Schlusspunkt.“ Foto: Linzmeier-Mehn

100 Jahre Frauenwahlrecht ist wahrhaftig ein Grund zum Feiern. Die katholische Frauenseelsorge des Bistums, der Frauenausschuss des Dekanatsarbeitskreises Bildung und Gesellschaft im Protestantischen Kirchenbezirk Neustadt und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neustadt hatten deshalb am 26. Oktober zu einem „Frauenmahl“ ins Kulturviereck nach Haßloch eingeladen.

Ein Saal voller Frauen aller Generationen, ein feines Menü – vegetarisch und mit Produkten der Region –, dazu gehaltvolle Tischreden wie einst bei Luther, und Tafelmusik auf der Zither von Gaby Kiessling aus Iggelheim. Auch für die Moderation hatten sich die Frauen etwas Besonderes einfallen lassen: „Frau Seibold“, Schwäbin mit viel Wissen von den Realitäten des Lebens, alias Pfarrerin Dr. Gisela Matthiae, führte durchs Programm und fragte: Würden Sie mich wählen? Ganz ohne Männer war die Feier nicht: Der Koch und einige Schüler des Hannah-Arendt-Gymnasiums in Haßloch, die freundlich und sachkundig die Bedienung übernommen hatten, gehörten dem starken Geschlecht an.

Prominenteste Tischrednerin des Abends war Anne Spiegel, rheinland-pfälzische Ministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz. Vorgestellt wurde sie von der Frauenreferentin im Bischöflichen Ordinariat Speyer, Monika Kreiner. Zum ersten Gang, Maronen-Lauch-Quiche, hielt sie ihre Rede zu: „Errungenschaften der Gleichstellungspolitik – Frauen fördern für politische Teilhabe“. Das Frauenwahlrecht, eingeführt 1918, markiere einen Wendepunkt, aber noch lange keinen Schlusspunkt. Der Anteil der Frauen im Bundestag betrage 31 Prozent, in den kommunalen Räten seien sogar nur 16 bis 18 Prozent Frauen. Dabei würden dort Entscheidungen gefällt, die unseren Alltag weitgehend gestalten. Von Parität sei das weit entfernt. Spiegel sprach auch das Umfeld der Frauen an, die Rollenverteilung in der Familie, die Sexismus-Debatte, und rief die Frauen auf, hartnäckig um das Recht der Mitentscheidung zu kämpfen.

Zur Kürbiscremesuppe stellte Ellen Löwer von der Protestantischen Kirchengemeinde Haßloch die zweite Rednerin, Oberkirchenrätin Marianne Wagner, vor. Sie sprach über die Situation der Pfarrerinnen, deren Doppelbelastung. Seit 60 Jahren gibt es die Frauenordination in der Pfälzischen Landeskirche, und „man staunt schon, wie schwer sich die Männer damit taten, wenn man die Protokolle liest“. Heute sind von den 568 Pfarrern der Protestantischen Landeskirche 235 Frauen. Jedoch: „Kinder, Küche, Kirche – ist das wirklich von gestern?“ Aber: „Es ist nicht das Zeugnis Jesu, die Frauen klein zu halten“, und sie verwies auf die Rolle von Maria Magdalena, der „Apostelin der Apostel“.

Nach der Gemüse-Lasagne stellte Anne Müller-Huck, Vorsitzende des Frauenausschusses im Kirchenbezirk Neustadt, die Mannheimer Studentin Inas Kamran vor. Sie studiert Islamische Theologie und Englisch fürs Lehramt und brachte manches Klischee über die Rolle der Frau im Islam ins Wanken. Sie verwies auf die sehr selbständigen Frauen mit ihren Rechten zur Zeit Mohammeds – sofern sie aus vornehmer Familie stammten. Andere waren nicht besser als Sklavinnen. „Bis heute müssen sich Frauen in Indien Bildung hart erkämpfen, aber es gibt ein Sprichwort: Ein Kind, eine Lehrerin, ein Buch und ein Stift verändern die Welt.“

Zum Käsedessert stellte Simone Rothermel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neustadt, die vierte Rednerin Dr. Lenelotte Möller, Direktorin des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums, vor. Mit Sachkenntnis und trockenem Humor zeichnete sie den Weg der Begründung des Frauenwahlrechts zu Beginn des Weimarer Reichs nach, das sehr viel stärker und moderner in seiner Anfangszeit war, als es am Ende erschien. Die Frage „Würden Sie mich wählen?“ von „Frau Seibold“, der theologischen Clownin, beantworteten übrigens die Zuhörerinnen mit „Ja!“. (red)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
15. November 2018

Noch mehr Hilfestellungen enthalten

Zweite Auflage des liturgisches Buches zur Feier des Sterbesegens erscheint


08. November 2018

Frauen noch immer in Gremien unterrepräsentiert

„Frauenmahl“ in Haßloch erinnerte an Einführung des Frauenwahlrechts vor hundert Jahren


News rund um den DOM

10. November 2018

Dom erhält Bundesmittel zur Sanierung der Vorhalle

Zusage aus Berlin über Fördermittel in Höhe von 356.000 Euro aus dem Denkmalschutz Sonderprogramm...


28. Oktober 2018

United Praise – „Das alle eins sein sollen“

Eine Nacht lang wurde in Speyer die Einheit der Christen gefeiert.


27. Oktober 2018

„Gott ist da, wir müssen ihn nur entdecken“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann spendete im Dom zu Speyer fünf Männern das Sakrament der...


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren