Aus dem Bistum

Mittwoch, 13. März 2019

In den Speyerer Dom „verguckt“

Dombaumeisterin Hedwig Drabik freut sich auf ihre neue Aufgabe

Hedwig Drabik hat ihr Herz an den Speyerer Dom verloren. Foto: Landry/Domkapitel Speyer

In den Speyerer Dom „verguckt“ hat sich Hedwig Drabik bereits, als sie die Kathedrale im Sommer vergangenen Jahres besuchte. „Zu diesem Zeitpunkt fasste ich den Entschluss, mich zu bewerben und wollte mir jede Ecke in dem Gebäude anschauen.“ Bereits nach kurzer Zeit „war es um mich geschehen“.

Ein halbes Jahr später erfüllte sich ihr Traum: Seit dem 1. März ist die 32-Jährige die neue Dombaumeisterin für den Speyerer Dom. Und nicht nur das: Erstmals liegt das Amt in den Händen einer Frau. Außerdem ist Hedwig Drabik die jüngste Dombaumeisterin Deutschlands. So richtig  begreifen kann sie das noch nicht. „Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich meine neue Aufgabe erst zu 80 Prozent ausübe“, so die junge Frau. „Denn ich möchte noch meine Projekte bei meinem vorherigen Arbeitgeber abschließen und bin deshalb einen Tag in der Woche dort im Büro.“ Ab Mai werde sie sich dann voll und ganz ihrer neuen Tätigkeit widmen.

Seit 2012 arbeitete Hedwig Drabik in einem Architekturbüro in Landau, das sich auf Altbauten und Natursteinarbeiten spezialisiert hat. Die meisten davon waren sakrale Gebäude. Einen Wechsel hatte die studierte Architektin und Denkmalpflegerin ursprünglich nicht angestrebt, bis sie in einer Fachzeitschrift für Architekten auf die Stellenausschreibung aufmerksam wurde. „Es war eine einmalige Gelegenheit, da eine Stelle als Dombaumeisterin nicht oft ausgeschrieben wird.“ Nun war die Chance da, sich einen Traum zu erfüllen und das zu tun, was sie bereits seit ihren Kindertagen interessiert: die Arbeit an Kirchenbauten.

Und das kommt nicht von Ungefähr. Hedwig Drabik wurde 1986 in Nikolai in Polen geboren. Im Alter von zwei Jahren kam sie zusammen mit ihren Eltern nach Deutschland. Kirche und Glaube spielten in der Familie eine große Rolle. „Meine beiden Geschwister und ich wurden christlich erzogen. Wenn wir in Urlaub waren, sind wir immer auch in Kirchen gegangen“, erinnert sich die Wahl-Landauerin. In ihrer Jugend begann Hedwig Drabik zu zeichnen. Im Fokus standen dabei ebenfalls überwiegend Kirchen. Dabei bereitete es ihr besondere Freude, Teile der sakralen Gebäude festzuhalten.
Ihr Glaube hilft bei der Arbeit als Dombaumeisterin. Davon ist Hedwig Drabik überzeugt. „Denn dadurch ist es nicht nur einfacher, das Anliegen der Menschen, die das Gebäude nutzen, besser zu verstehen. Ich weiß auch darüber Bescheid, was alles zu einer Kirche gehört, etwa das Ewige Licht.“
Am Speyerer Dom fasziniert die junge Frau auch die fast 1 000-jährige Geschichte der Kathedrale. Diese Historie sei an dem Gebäude ablesbar, auch in jüngerer Zeit. So trage der Kaisersaal mit den Schraudoph-Fresken die Handschrift des scheidenden Dombaumeisters Mario Colletto. Dass ihre Arbeit am Dom einmal unverwechselbar für andere sichtbar sein wird, darauf legt Hedwig Drabik keinen Wert. „Meine Intension besteht darin, mich um den Erhalt des Gebäudes zu kümmern.“ Die junge Dombaumeisterin ist vielmehr davon überzeugt, „dass sich eine gute Denkmalpflege dadurch auszeichnet, dass man sie nicht sieht“.

Die Amtsgeschäfte von ihrem Vorgänger Mario Colletto hat die leidenschaftliche Mountainbike-Fahrerin am 8. März übernommen. Schon in den Wochen davor verschaffte sie sich einen Überblick über die laufenden und kommenden Projekte am Dom. Derzeit stehen die Sanierung der Vierungskuppel und der Domvorhalle an. Dabei handelt es sich nach Angaben Drabiks um altersbedingte Instandsetzungsarbeiten. Insgesamt sieht die 32-Jährige  eine der größten Herausforderungen darin, bei Maßnahmen am und im Dom sämtliche Interessen einfließen zu lassen.

Die frisch gebackene Dombaumeisterin ist jedoch nicht nur für das Unesco-Weltkulturerbe zuständig, sondern für alle baulichen Aufgaben des Domkapitels. Dazu gehören auch die Kapitelshäuser, die rund um den Dom angesiedelt sind, sowie der Kapitelsfriedhof, wo sich Hedwig Drabik bereits um den Baumrückschnitt kümmern musste.

Eines wurde der jungen Frau bereits nach kurzer Zeit bewusst: „Es sind jetzt viel mehr Menschen – Fachplaner und Handwerker – an den Maßnahmen beteiligt, als bei meiner bisherigen Arbeitsstelle.“ Außerdem habe sie bislang planerische Tätigkeiten ausgeübt „Nun bin ich in der Bauherrenfunktion.“
Drabik, die im Vogelsbergkreis in Hessen ihre Kindheit verbracht hat, ist stolz, am Speyerer Dom arbeiten zu dürfen. „Ein bisschen Respekt vor der Stelle hatte ich schon, als ich mich dazu entschloss, mich zu bewerben“, gibt sie zu. „Doch dann dachte ich mir: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Im November erhielt die junge Frau schließlich die Nachricht, dass sich das Domkapitel für sie entschieden hat. Hedwig Drabik hatte sich gegen 19 weitere Bewerber durchgesetzt. Ihre Eltern waren schließlich die ersten, denen sie die freudige Botschaft überbrachte.

Künftig kann die neue Dombaumeisterin ihre Lieblingsplätze im Dom so oft sie möchte genießen, etwa die Aussichtsplattform im Südwestturm. Von dort hat sie einen Ausblick auf die gesamte Dachlandschaft der Kathedrale. Auch freut sie sich darauf, wenn die Salierbrücke über den Rhein wieder für den Verkehr freigegeben wird. „Denn wenn man über die Brücke fährt, eröffnet sich einem eine der schönsten Perspektiven auf den Dom.“

Die Dombaumeister am Dom
Erst seit dem Jahr 1995 gibt es einen am Domkapitel angestellten Dombaumeister. Bis zu diesem Zeitpunkt waren einzelne Architekten für den Dom zuständig. Alfred Klimt wurde als erster Dombaumeister angestellt.  Er übergab das Amt im Jahr 2013 an Mario Colletto. (pede)

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