Aus dem Bistum

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Jesus – Typ mit langen Haaren und Bart

Schifferstadt: „#Komm!“ bietet Jugendlichen eine Plattform für ihren Glaube

Die Gruppenraumatmosphäre in der Unterkirche ist der ideale Ort für „#Komm!“. Foto: Landry

Der Raum ist in blaues Licht gehüllt. Auf einem Altar steht ein großes Kreuz, dessen Christuskorpus in rot angestrahlt wird – flankiert von brennenden Kerzen. Gleich daneben warten verschiedene Musikinstrumente darauf, dass sie jemand zum Klingen bringt. Der Liedtext zum Auftakt steht bereits auf der Leinwand. Es ist alles vorbereitet an diesem Sonntagabend, kurz vor 18 Uhr.

Nach und nach füllt sich der Raum in der Unterkirche von St. Jakobus mit jungen Menschen. In Windeseile sind die Stühle und Bänke besetzt. Es kann losgehen. „Herzlich willkommen zu unserem Jugendgottesdienst ,#Komm!‘. Heute abend begeben wir uns auf die Suche.“ Sonja Schmith begrüßt die rund 25 Jugendlichen, die der Einladung zu der liturgischen Feier gefolgt sind. „Wer Jesus ist und wie er handelt, wie er sich gegenüber seinen Jüngern verhält – darum geht es. Wir wollen dir Jesus heute vorstellen, so dass du am Ende die Frage beantworten kannst: Wer ist Jesus für dich?“

Die Macher, das ist eine insgesamt achtköpfige Gruppe, die seit November 2017 jeden Monat in Schifferstadt einen Wortgottesdienst für Jugendliche anbietet. Sonja Schmith leitet das Team, das hauptsächlich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht. Sie hatte auch die Idee für das ökumenische Projekt. „Mir ist es ein Anliegen, für Jugendliche in der Pfarrei etwas anzubieten und dass Gleichaltrige diesen Gottesdienst vorbereiten“, unterstreicht die verheiratete Mutter von vier Kindern. „Denn sie haben das Gespür, was passt.“

Ihre Söhne Tobias und Julian sind Teil der Truppe. An diesem Septemberabend ist es ihre Aufgabe, den jungen Zuhörern Jesus, „der Typ mit langen Haaren und einem Bart“, näher zu bringen. Völlig unverkrampft und locker, in jugendgemäßer Sprache, erzählen sie von ihm und zwar mittels Facebook. Ein Klick, und schon erscheint das „Jesus-Profil“ auf der Leinwand. „Beruf: Zimmermann, Hobbys: Wandern, von Gott erzählen, Menschen heilen, Wunder wirken“, ist da zu lesen. „Er hat eine Milliarde Likes“, erklärt Tobias Schmith den Jugendlichen, was bei ihnen Gelächter hervorruft. Und schon ist der 19-Jährige mitten im Thema. Und dann erzählt er, wer Jesus für ihn ist: „Der Freund, der sich jeden Mist anhört“. „Er hat mich schon aus vielen schwierigen Situationen rausgeholt“, bekennt sein 17-jähriger Bruder Julian.

Die jungen Gottesdienstbesucher sind während der rund 45minütigen Feier immer wieder aufgerufen mitzumachen, ob beim Singen der modernen, teilweise popigen Songs wie „Jesus Christ, you are my life“, oder beim Formulieren von Fürbitten. Die Heranwachsenden werfen dabei ganz selbstverständlich Begriffe oder Namen in den Raum. „Für Barbara, dass es ihr bald wieder gut geht“, lautet eine der Bitten. Der Friedensgruß löst eine regelrechte Wanderungsbewegung aus. Nahezu jeder und jede wird umarmt. Am Ende gibt es ein Gebet zum Abschluss und die Einladung, sich von Pfarrer Georg Müller segnen zu lassen. Wer möchte, kann Sonja Schmith oder ihren Sohn Tobias bitten, für jemanden zu beten. Ein festes Ritual ist auch der Austausch bei Snacks und Getränken.

„Jugendliche brauchen gleichaltrige Gleichgesinnte, mit denen sie sich über ihren Glauben austauschen können“, ist Sonja Schmith überzeugt. „Wenn wir ihnen dafür keine Plattform bieten, werden wir sie als Kirche verlieren.“ „#Komm!“ ist für die 46-Jährige eine solche Plattform, bei der sich Heranwachsende selbst ausprobieren können. Dabei gehören fetzige Lieder und die Pflege der Gemeinschaft ganz selbstverständlich dazu, „denn ein normaler Gemeindegottesdienst reißt die jungen Leute nicht vom Hocker“. 

Katharina Nicklas ist Teil des Vorbereitungsteams. Der 13-Jährigen bereitet es viel Spaß, Glaubensinhalte „auf jugendgemäße Weise rüberzubringen“. Der Glaube ist ihr wichtig. „Wenn ich Probleme habe, bete ich. Dann fällt es mir leichter, schwierige Situationen zu meistern.“

Sebastian Wühl wohnt in Lingenfeld. Der 18-Jährige wurde bei einem Messdienertag in Kaiserslautern im vergangenen Jahr angesprochen, ob er Teammitglied werden möchte. Ihm ist das Format sehr wichtig. „Denn wenn ich meinen Glauben, den ich im Herzen trage, mit Jugendlichen teilen  kann, dann ist er mehr wert“, so seine Überzeugung. Nach dem Abitur möchte Sebastian Wühl katholische Theologie studieren und Priester werden. Für ihn war es auch ganz selbstverständlich, beim Renovieren des Raumes in der Unterkirche von St. Jakobus mitzuhelfen. Einen Monat lang wurde entrümpelt, gesäubert und gestrichen. Den Teppichboden hat das Team einem Sponsor zu verdanken. Die Strahler finanzierte die Truppe mittels Spenden.

Vor jedem Jugendgottesdienst trifft sich die Vorbereitungsgruppe einmal, um die Feier zu planen. „Dann legen wir fest, wer welche Teile übernimmt“, betont Sonja Schmith. „Eine Stunde vor dem Start von ,#Komm!‘ tragen wird das Erarbeitete zusammen.“ Für die musikalische Gestaltung sorgt die Band „Standup“, der neben Sonja Schmith unter anderen auch deren Töchter Johanna und Laura angehören.

Die Werbung für den Jugendgottesdienst erfolgt altersgemäß via Facebook und über die Homepage der Pfarrei Heilige Edith Stein im Internet. Auch gibt es eine Whats-App-Gruppe. (pede)

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