Aus dem Bistum

Mittwoch, 11. September 2019

Kirche existiert nicht ohne weibliche Dimension

Gut besuchter Dialogabend der Frauenverbände zum Thema „Frauen in kirchliche Ämter“

Rund 130 Frauen und Männer waren zu dem Dialogabend ins Kloster Neustadt gekommen. Foto: Franz-Josef Wittkampf

Neustadt. Nicht erst die Bewegung „Maria 2.0“ brachte innerhalb der katholischen Kirche die Forderung nach Öffnung der Weiheämter für Frauen nach vorne, dieses Anliegen hat vielmehr eine lange Tradition. Mit den „Osnabrücker Thesen“ erhielt diese Frage noch einmal einen ganz wesentlichen Impuls. Dr. Margit Eckholt, Professorin für katholische Theologie an der Universität zu Osnabrück, gehörte zu den Initiatorinnen des Ökumenischen Kongresses vom 6. bis 9. Dezember 2017 in Osnabrück, bei dem diese sieben Thesen seinerzeit das Schlussdokument bildeten.

Blick auf lange Entwicklung

Die beiden Diözesan-Frauenverbände KDFB und kfd konnten Dr. Eckholt als Referentin gewinnen für den Dialogabend „Wir gehen weiter: Frauen in kirchliche Ämter!“ am 6. September im Kloster Neustadt. Die Aula des Klosters reichte gerade noch aus, um die 130 Besucherinnen und Besucher aufzunehmen. Auch mehrere Mitglieder der Bistumsleitung waren der Einladung zu diesem Abend gefolgt, darunter Weihbischof Otto Georgens, Generalvikar Andreas Sturm, Caritasverbands-Vorsitzender Karl-Ludwig Hundemer und Personal-Hauptabteilungsleiterin Christine Lambrich. Die beiden Referentinnen für Frauenseelsorge im Speyerer Ordinariat, Monika Kreiner und Annette Bauer-Simons, moderierten die Veranstaltung und spannten die Zuhörerschaft auch nicht lange auf die Warte-Folter, sondern übergaben alsbald der Hauptperson des Abends das Mikrofon.
Dr. Eckholt erinnerte in ihrem Referat an die lange Entwicklung in der Kirche vom Verkündigen der Auferstehung Jesu durch Maria, von Magdala über die Förderung des Frauenbildes in der Zeit des Franz von Assisi bis hin zu überragenden Frauengestalten innerhalb der Kirche wie etwa Teresa von Avila, Katharina von Siena oder auch später Edith Stein. Ins Gedächtnis rief die Professorin den Neuanfang in der Frauenfrage durch das Zweite Vatikanische Konzil, bei dem es sowohl Johannes XXIII. als auch Paul VI. ein Anliegen war, hier einen guten Schritt nach vorne zu tun. Die 59-Jährige musste aber auch die spätere Umkehr unter den Päpsten Johannes-Paul II. und Benedikt XVI. benennen: Can. 1024 CIC, wonach die Priesterweihe nur Männern vorbehalten ist, erhielt wieder einen ganz hohen Stellenwert. Johannes-Paul II. bestimmte 1976 sogar, „dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese (seine) Entscheidung zu halten haben“. Noch 2018 hörte man, wie Dr. Eckholt berichtete, von Kardinal Ladaria aus der römischen Glaubenskongregation: „Mann-Sein ist ein unentbehrlicher Aspekt dieser sakramentalen Repräsentanz.“
Gleichwohl gab sich die Osnabrücker Dogmatikerin zuversichtlich. In Papst Franziskus sieht sie ein deutliches Hoffnungselement, wenn von ihm Sätze kommen wie: „Kirche existiert nicht ohne eine weibliche Dimension, denn sie ist selbst weiblich.“ Dr. Eckholt, eine Schülerin des 90-jährigen Theologen Peter Hünermann, dem sie wesentliche Impulse für ihre Arbeit verdankt, verlangte aber nicht einfach eine Zulassung von Frauen für die Priesterweihe bei unveränderten Strukturen innerhalb der Kirche.

Rolle der Ortskirchen stärken

Ihr ging es vielmehr darum, eine neue, diakonische Dimension mit der Ordination von Frauen zu eröffnen, die eine Umkehr zum Miteinander aller Menschen guten Willens  ermögliche. Dass bei der Umsetzung hin zu diesem Ziel nicht immer nur auf die große Weltkirche verwiesen werden dürfe, betonte die streitbare Theologin mehrfach und stützte sich dabei wiederum auf Aussagen des jetzigen Papstes, der ja ausdrücklich und wiederholt den Ortskirchen eine wesentlich bestimmendere Rolle zuweise.
Im nächsten Teil der Veranstaltung kamen verschiedene Frauen zu Wort, deren Teilnahme dem Abend noch einige besondere Aspekte verleihen sollte. Lisa Kötter aus Münster, Mitinitiatorin der Aktion Maria 2.0, fasste ihre Botschaft an die Anwesenden zusammen mit dem Appell: „Wir möchten eine jesuanische Kirche haben und keine römische. Gott will nicht Kontrolle, Gott will euch frei!“ Dr. Young-Mi Lee, die aus Süd-Korea stammt und dort evangelische Theologie studierte, arbeitet heute als ordinierte Pfarrerin in der Schulseelsorge der katholischen Maria-Ward-Schule in Landau. Ihr war es ein Anliegen, die hierarchisch strukturierte katholische Kirche darauf hinzuweisen, endlich Überkommenes aufzubrechen. „Wenn unsere Schule Mädchen dazu ermuntert, sich auch für Berufe zu interessieren, die traditionell von Männern dominiert werden, dann stoßen die jungen Damen beim Beruf des Priesters gleich an die Unmöglichkeit – allein aufgrund des Geschlechts“, so die Seelsorgerin.

Ungeduld der Frauen

Monika Keggenhoff, Diözesan-Vorsitzende des KDFB, verwies auf die bereits angelaufene Aktion „Maria schweige nicht“. Maria, die Mutter Jesu, habe zu Beginn des Heilsgeschehens nicht geschwiegen, sondern ja gesagt; Maria Magdalena habe nicht geschwiegen über die Auferstehungsbotschaft. Beide seien Leitfiguren, die sagen wollten: Redet darüber, was euch bewegt.
Marina Hilzendegen, Diözesanleiterin der kfd, präsentierte eine ähnliche Aktion ihres Verbandes: „Frauen, worauf warten wir?“  Hierbei ginge es um die Bewahrung der Schöpfung einerseits, zum andern um Gleichstellung in Arbeit und Gesellschaft sowie um Geschlechtergerechtigkeit.
Bei der anschließenden Fragerunde aus dem Publikum kam zunächst die Bitte um ein Statement der Vertreter der Bistumsleitung. Weihbischof Georgens bekannte unumwunden: „Ich verstehe die Ungeduld der Frauen.“ Generalvikar Sturm: „Ich merke, dass dies eine Wende ist, an die wir ran müssen. Es gibt Themen, die wir mit Redeverbot belegt haben, das darf einfach nicht sein. Der Weg darf nicht noch ewig gehen, es muss bald etwas geschehen.“
Andere Wortmeldungen sprachen etwa davon, dass von einer radikalen Änderung in der Ämterfrage der katholischen Kirche auch eine deutliche Botschaft für die unterdrückten Frauen in der ganzen Welt ausginge. Eine Teilnehmerin erinnerte daran, dass es überwiegend Frauen seien, welche die Kinder zum Glauben führten. „Wenn die Kirche da versagt, kann sie bald einpacken.“ Die angeregte Fragerunde schloss mit der Bemerkung: „Warum blockiert die Kirche mit der viel zu breiten Diskussion um Frauenordination sich selbst, wo doch wahrlich genügend weltweite Themen auf eine Lösung warten?“

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