Aus dem Bistum

Donnerstag, 14. März 2013

Mediationsgespräche gescheitert

Fronten zwischen Missbrauchsopfer und Orden verhärtet

Die Opfer von sexuellen Übergriffen leiden ihr Leben lang daran, was ihnen in ihrer Kindheit widerfahren ist. Foto: Pegbes – Fotolia.com

Im Juni 2011 trafen sich die „Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg“ und der Orden der Hiltruper Missionare unter der Federführung des Mediators Professor Dr. Bernhard Haupert zum ersten Mal, um in Sachen Missbrauchsfälle am Homburger Gymnasium Johanneum eine Verständigungsebene herzustellen. Vor zwei Wochen erklärte der Professor für Soziologie an der Katholischen Hochschule Mainz die Mediationsgespräche für gescheitert.

Ursprünglich war für den 2. März ein weiteres Mediationsgespräch geplant.  Doch bereits im Vorfeld wurde deutlich, dass weder der Orden noch die Opfer von ihren Positionen abrücken. Die Initiative fordert von den Hiltruper Missionaren nach wie vor die Anerkennung höherer Täter- und Opferzahlen, das Eingeständnis, dass der Orden von den Übergriffen einzelner Patres gewusst hat und daraus folgend die Übernahme der institutionellen Verantwortung, und nicht zuletzt individuelle Entschädigungsleistungen, orientiert an den Bedürfnissen der einzelnen Opfer.
Wie Dr. Martin Kleer, der Provinzial der Herz-Jesu-Missionare gegenüber dem „pilger“ mitteilt, ist der Orden jedoch nur bereit, finanzielle Zuwendungen nach Maßgabe der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz zu leisten. Diese sehen vor, einen Antrag auf materielle Leistung zu stellen, den die Zentrale Koordinierungsstelle in Bonn begutachtet. Einige Opfer seien laut Kleer diesen Weg gegangen. Sechs weitere, die der Orden anerkennt, fordert er auf, ihre Ansprüche ebenfalls geltend zu machen. Der Provinzial sieht in den finanziellen Leistungen eine „symbolische Geste der Versöhnung, auch wenn die Übergriffe nicht wieder gut zu machen sind“.
Für Bernd Held und seine Mitstreiter von der „Inititative Ehemaliger Johanneum“ ist dies keine Option. Sie fürchten, dass der Orden sie mit den Zahlungen lediglich abspeisen will, ohne dass er auf die weiteren Forderungen eingeht. Doch dieser bestreitet sowohl von den Vorgängen am Johanneum gewusst zu haben noch ist er bereit, die Täter- und Opferzahlen nach oben zu korrigieren. „Auf Zuruf oder pauschale Beschuldigung durch Dritte kann und wird der Orden niemanden als Täter zählen“, wird Kleer nicht müde zu betonen. „Potentielle Opfer sollen sich melden und die Vorwürfe vortragen. Dazu haben die Beschuldigten ein Recht.“
„Schon lange geschehen“, kontert Bernd Held. Vor Beginn des Mediationsverfahrens habe die Initiative Berichte von Opfern sowohl an Professor Haupert als auch an Kleer, der damals Missbrauchsbeauftragter des Ordens gewesen sei, weitergeleitet, so dass zu diesem Zeitpunkt bereits von sechs Tätern ausgegangen werden konnte. Die Opferzahl habe bei zwölf gelegen. Während des Mediationsverfahren hätten sich weitere Betroffene bei Professor Haupert gemeldet, so dass derzeit von acht Tätern und 18 Betroffenen die Rede sei. Der Orden beharre jedoch weiterhin auf zwei Täter und zehn Opfer.
Dass es in naher und ferner Zukunft noch zu einer Annäherung der beiden Parteien kommen wird, glaubt Haupert nicht. Der Professor für Soziologie wünscht den Hiltruper Missionaren, „dass sie nachdenken, was passiert ist“. Zwar sei es rechtlich korrekt, dass der Orden für die Verfehlungen Einzelner aus seinen Reihen keine institutionelle Verantwortung übernehmen müsse; allerdings habe er eine ethisch-moralische Verpflichtung. „Schließlich hat der Orden diejenigen ausgebildet, denen er die Kinder und Jugendlichen anvertraute.“
Haupert rät den Hiltruper Missio­naren und den Opfern, im Rahmen von Gruppengesprächen die Vorgänge am Johanneum in den Blick zu nehmen. „Denn das enge persönliche Verhältnis zwischen den Schülern und den Patres verquickt mit einem tiefen Glauben und persönlichen Enttäuschungen kann man nicht individualtherapeutisch aufarbeiten.“ Auch im Orden gäbe es Mitglieder, die vom Verhalten ihrer Mitbrüder enttäuscht seien. Sie müssten jedoch nach außen Loyalität zeigen. „Doch an dem Chorgeist zerbricht letztendlich der Orden, weil die eigenen Werte in Frage gestellt werden.“
Eine systematische Untersuchung der Vorgänge am Johanneum wie im Kloster Ettal lehnt der Orden ab. Der Unterschied zum Kloster Ettal bestehe darin, dass die Hiltruper Missionare kein Internat mehr hätten, für das sie in Sachen Missbrauch Vorsorge treffen und damit Prävention leisten könnten, so die Begründung von Provinzial Kleer. Außerdem bestehe „ohne die Schwere der Missbrauchsfälle am Johanneum zu verharmlosen ein Unterschied zu Ettal auch in den Dimensionen des Missbrauchs, die in Ettal offensichtlich deutlich gravierender sind, so dass in Ettal ganz andere Maßnahmen erforderlich sind“.
Bernd Held und seine Mitstreiter wollen sich damit nicht zufrieden geben. „Wir kämpfen weiter um der Wahrheit willen.“ (pede)

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