Aus dem Bistum

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Mühlstein will Erinnerung wachhalten

Aktion macht auf Missbrauch und Gewalt an Kindern aufmerksam – Betroffene beteiligen sich mit Plakat

„Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“ Dieses Zitat aus dem Mätthaus-Evangelium steht auf dem Mühlstein. Foto: Landry

1,4 Tonnen wiegt der Stein des Anstoßes, der am 20. Oktober am Ölberg neben dem Speyerer Dom platziert wurde. Mit der dahinter steckenden Aktion „Mahnender Mühlstein“ will die bundesweite Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ein Zeichen setzen und Erwachsene an ihre große Verantwortung gegenüber ihnen anvertrauten Kindern erinnern. Bis 11. November bleibt der Stein dort liegen.
„Wir wissen, dass mit dem Mühlstein nicht alles geschehen ist, was zu tun wäre. Aber er ist etwas, das uns anrührt und hinführt zu dem, was Wahrheit heißt“, machte Domkapitular Franz Vogelgesang deutlich. Damit bezog er sich auf die im vergangenen Jahr öffentlich gewordenen Übergriffe von Geistlichen auf Kinder innerhalb der katholischen Kirche. Große Anstrengungen gelte es, im Bereich der Prävention zu ergreifen, fügte er an und verwies darauf, dass das Bistum verschiedene Aktionen dahingehend geplant und bereits umgesetzt hat.
Eines sei im Sommer dieses Jahres eingeführt worden: „Von allen hauptamtlichen Mitarbeitern haben wir ein erweitertes Führungszeugnis eingefordert.“ Verstärkt werden soll laut Vogelgesang der Bereich der Schulungen zum Thema sexueller Missbrauch, und ein eigener Präventionsbeauftragter für das Bistum sei vorgesehen. „Außerdem ist es eine Selbstverpflichtung aller kirchlichen Mitarbeiter, achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz umzugehen“, so Vogelgesang.
Für Johannes Heibel, dem Vorsitzenden der Initiative, ist der Missbrauch an Kindern „eines der schwers­ten Verbrechen, die man sich vorstellen kann. Es geht dabei nicht nur um Kirche, sondern um uns alle“, stellte er heraus, ergänzte aber in dem Zusammenhang, dass die Kirche noch massiv Aufarbeitung zu leisten habe.
Deutlich machte das eine Abordnung der Initiative Ehemaliger des Johanneums in Homburg. Sie hatten dort als Kinder sexuelle Übergriffe erlitten und wollten bei der Aktion in Speyer mit einem Plakat auf sich und ihre Anliegen aufmerksam machen. „Grundsätzlich befürworten wir eine solche Aktion, aber mit unserer Präsenz wollen wir auch zeigen, dass es alleine damit nicht getan ist“, machte Bernd Held, einer der Betroffenen klar, der von Mitte der 70er Jahre bis Anfang der 80er Jahre Schüler am Johanneum war. Die Schule wurde von den Hiltruper Missionaren gegründet und lange Jahre von ihnen geleitet.
Nach Helds Ansicht reichen die Richtlinien der Ordensoberenkonferenz und der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit den Missbrauchsfällen nicht aus, da sie nach der strafrechtlichen Verjährung einer Tat keinerlei Möglichkeiten vorsähen, eine Aufklärung einzufordern. Zudem ließen sie vielfach einen neutralen und kompetenten Ansprechpartner für die Betroffenen außerhalb der kirchlichen Institutionen vermissen.
Ein weiteres Mitglied der Initiative zeigte sich enttäuscht, dass der Orden nach seinem Eindruck bisher offensichtlich kein Interesse an einer wirklichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle habe. Wie Florian Schilling, der Sprecher der Initiative, auf Anfrage mittteilte, sei es den Betroffenen weiterhin wichtig, mit dem Orden in einem Gesprächsprozess zu bleiben. Erste Treffen hätten bereits stattgefunden. Gleichzeitig bekräftigte er die Forderungen der Inititative an die Hiltruper Missionare, die bis heute als alleinige Gesellschafter des Schulträgers, der Gymnasium Johanneum gGmbH, einen wesentlichen Einfluss auf die Schule haben: Bereitschaft zur lückenlosen Aufklärung der Missbrauchsfälle durch Ordensangehörige am Johanneum und die Übernahme der Verantwortung.
In Bezug auf die Aktion „Mahnender Mühlstein“ sagte Schilling: „Es ist schade, dass die Bistumsverantwortlichen keine stärkere Präsenz zeigten“, auch wenn die Diözese keine rechtliche Handhabe in Bezug auf den Orden habe, da dieser „päpstlichen Rechts“ und somit unabhängig vom Bistum sei. Heibel bot Betroffenen bei der Veranstaltung öffentlich seine Unterstützung an: „Ich bin gerne bereit, vermittelnd tätig zu werden.“
„Jeder Fall von sexuellem Missbrauch ist einer zu viel“, betonte Vogelgesang und ergänzte: „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens, die die Kinder stark macht.“ Vertreter des BDKJ bereicherten die Aktion mit einem Textimpuls ebenso wie die Musikerinnen Almut-Mai Fingerle und Bettina Oster.     (kai/pede)

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