Aus dem Bistum

Dienstag, 26. März 2019

Technik auch zur Krisenbewältigung nutzen

Als bundesweit erste Diözese gibt es im Bistum Speyer ein Online-Seelsorgeangebot für Schulen

Bei Pastoralreferent Thomas Stephan können Schüler, Lehrer und Eltern Rat und Hilfe bei Krisen, Trauerfällen und Lebensfragen erhalten. Foto: Wilhelm

Als bundesweit erste Diözese hat das Bistum Speyer im Oktober ein Online-Seelsorgeangebot für Schulen gestartet. Unter www.internetseelsorge.de können Schüler, Lehrer und Eltern seit diesem Zeitpunkt anonym und unkompliziert pastoralen Beistand bekommen.

Die Internetseite, die von der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) in Erfurt getragen wird, weist seit 2012 nicht nur gebündelt auf die katholischen und ökumenischen Angebote in den Bereichen Seelsorge, Impulse, Glaube und Gottesdienst hin, sondern bietet selbst auch professionelle kirchliche Seelsorge und geistliche Begleitung via Internet an. Im Bereich Online-Seelsorge stehen aktuell gut 35 Theologinnen und Theologen zur Verfügung: Pastoral- und Gemeindereferenten, Priester und Diakone oder Religionslehrer. Sie haben verschiedene thematische Schwerpunkte – unter anderem Tod und Trauer, Sinnfindung oder Familie und Erziehung.


Seit Ende Oktober gibt es unter ihnen mit Pastoralreferent Thomas Stephan aus Herxheim bei Landau erstmals einen Theologen, der sich ganz auf den Bereich Schule konzentriert. Unter dem Leitwort „Für mehr Menschlichkeit an Schulen“ haben Schüler, Lehrer und Eltern bei ihm Gelegenheit, gezielt Rat und Hilfe bei Krisen, Trauerfällen und Lebensfragen zu erhalten, die mit diesem Themenfeld zu tun haben.
Der 47-Jährige ist Referent für Schulpastoral im Speyerer Ordinariat und mit halber Stelle als Religionslehrer und Schulseelsorger am Gymnasium im südpfälzischen Edenkoben tätig. Mit krisenhaften Ereignissen kennt er sich aus – zur Genüge: Zwei seiner eigenen Mitschüler nahmen sich das Leben, als Student arbeitete er in der Krankenhauspastoral mit, und als Militärseelsorger gehörte es von 2004 bis 2012 zu seinen Aufgaben, Angehörigen getöteter Soldaten die Todesnachricht zu überbringen, Gefallene zu beerdigen und schwersttraumatisierte Flüchtlinge auf dem Balkan zu betreuen.


Der aus Roxheim stammende Oberstudienrat hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert und selbst bereits mehrere Fortbildungen zu diesem Thema geleitet. In seiner Freizeit ist er als Kriseninterventionshelfer für das Deutsche Rote Kreuz in Bellheim tätig.
Auch als Schulseelsorger ist er häufig dort zur Stelle, wo es besonders „brennt“ – ob nach dem Suizid eines Lehrers oder der Ermordung der 15-jährigen Mia aus Kandel, die Ende 2017 bundesweit Schlagzeilen machte. Er betreute ihre Mitschüler im Umfeld der Trauerfeier und während des langwierigen Gerichtsprozesses.


Für den Pfälzer bedeutet Seelsorge, „konkret für Menschen in Not da zu sein“, ihnen im Extremfall schlicht das Überleben zu ermöglichen. Das neue Online-Angebot für Schulen versteht er als einen Baustein, der die bereits bestehenden Hilfsmöglichkeiten und Ansprechpartner ergänzen soll: Schulpsychologen, -sozialarbeiter und -seelsorger vor Ort, Vertrauens- und Verbindungslehrer.
„Die psychosozialen Herausforderungen, vor denen Schulen heute stehen, werden immer drängender“, erklärt Stephan. Da sei nicht mehr jedes Problem vor Ort zu lösen. Den immer facettenreicheren Beratungs- und Hilfsbedarf von Schülern und Eltern, mit denen die Einrichtungen heute konfrontiert würden, drohe auf Dauer auch das bestausgebildete Kollegium zu überfordern. Ein Online-Angebot könne da „einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu Hilfsmöglichkeiten eröffnen und dabei professionellen Ansprüchen gerecht werden“, unterstreicht der Diplom-Theologe.
Besonders für die jüngere Generation seien das Internet, Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste ein ganz selbstverständlicher Teil ihrer Lebenswelt. „Da wäre es fatal, die Technik von heute nicht auch in die Bewältigung von Lebensfragen und Krisen einzubeziehen.“ Gerade auch bei solchen, die mit Schule zu tun hätten. Die sei schließlich „nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch des Lebens – für viele sogar wie eine zweite Familie, die ganz maßgeblich die Sozialisation mitbestimmt: von der Kindheit über die Pubertät bis hin zum jungen Erwachsensein“. Daher sei es wichtig, dass sie auch in Krisenfällen zu Halt und Orientierung beitrage – innerhalb, aber auch außerhalb der Schulmauern.


Die Online-Beratung, für die Stephan eine spezielle Zusatzausbildung absolviert hat, hat aus Sicht des Pastoralreferenten den Charme, dass ihre Inanspruchnahme weniger Überwindung kostet, als zum Hörer zu greifen oder gar eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Schreiben kann einem dabei helfen, die Gefühle und Gedanken zu ordnen, sie herauszulassen. Aber es ist wichtig, dass die Worte dann auch einen Platz finden, an dem sie nicht ungehört verhallen.“ Die Internetseelsorge der KAMP ist so ein Ort. Über ein Kontaktformular kann man nach einer kurzen – auf Wunsch anonymen – Registrierung unkompliziert in Dialog treten. Im Lauf dieses Jahres soll noch ein Chat-Angebot mit vorab buchbaren Terminen hinzukommen.


Seit seinem Start Ende Oktober hatte Stephan bereits rund 70 Kontakte. Wobei der Gesprächseinstieg oft noch nicht das Hauptproblem offenbart. „Manchmal wird erst über unfähige Lehrer geschimpft, dann Mobbing durch Mitschüler beklagt, ehe vielleicht eine psychische Erkrankung zur Sprache kommt – bis hin zu Selbsttötungsgedanken.“ Wer sich so öffne, zeige großes Vertrauen. Wie man dem gerecht wird? „Indem man weder dramatisiert noch bagatellisiert, sondern ganz behutsam und unaufdringlich Wege aufzeigt, wie es weitergehen kann.“ Viel Verantwortung – echte Seelsorge eben. (tw)

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