Aus dem Bistum

Dienstag, 07. April 2020

Telefonate statt Begegnung

Seelsorge in Zeiten von Corona – Große Herausforderungen und viel Ungewohntes

Dekan Alban Meißner. Foto: pilger-Archiv

Kirche und Seelsorge in Zeiten von Corona – wie geht das, womit haben Seelsorger derzeit zu tun? Und was treibt die Kirchenmitarbeiter jetzt vor dem Osterfest besonders um? Wir befragten fünf Seelsorgerinnen und Seelsorger aus der Stadt Ludwigshafen.

Katharina Kloos, Pfarrei Heilige Katharina von Siena: Vieles wird nun übers Telefon erledigt, es kommen neue Zielgruppen hinzu. „Wir rufen zum Beispiel Mütter von Kommunionkindern der letzten Jahre an. Das kommt sehr gut an, dass wir uns erkundigen und Kontakt halten.“ Statt die Krankenkommunion zu bringen, führen die Seelsorger nun Telefonate mit den Menschen. „Wir wollen niemanden alleine lassen.“ Auch mit den diesjährigen Kommunionkindern hält Kloos telefonisch Kontakt und hat für sie  Materialien mit Infos, Anregungen und Basteltipps für die Karwoche vorbereitet. Gerade sieht ihr Schreibtisch aus wie ein großes Osternest, verrät sie lachend: „Ich bereite Ostergrüße für alle 70 Kita-Erzieherinnen vor.“ Gut laufe es mit den Pfarrei-Nachrichten, die es nicht nur per E-Mail gibt, sondern auch als Ausdruck. „Die werden im Schneeballsystem verbreitet und das klappt gut.“ Persönlich will sie das bevorstehende stille Osterfest als Tage der Einkehr nutzen. „Ich glaube aber, es wird seltsam sein, so ganz ohne Menschen.“

Alban Meißner, Pfarrei Heilige Petrus und Paulus: Dekan Meißner verbringt deutlich mehr Zeit vor dem PC. Mails wollen beantwortet und verschickt werden, die Pfarrei-Homepage wird stets aktuell gehalten, es gibt spirituelle Impulse für die Gemeindemitglieder. „Sorgen bereiten mir die Menschen, die kein Internet haben. Das belastet mich“, sagt der Dekan. Ein Versuch sei, die Menschen über die Ausstrahlung der Gottesdienste über den Offenen Kanal zu erreichen. Natürlich können seine Gemeindemitglieder ihn telefonisch erreichen. Auch die Kommunikation mit den Kollegen erfolgt jetzt über neue Wege – Telefon- und Videokonferenzen bestimmen die Tage. „Manches ist noch ungewohnt“, räumt Alban Meißner ein.

Hubert Münchmeyer, Pfarrei Heilige Petrus und Paulus: Die ganze Situation ist fast unwirklich. Eine große Herausforderung ist die Arbeit in den Kitas, ich bin in der Pfarrei für diesen Bereich zuständig. In die Notbetreuung sollen auch die Kinder von Alleinerziehenden kommen dürfen. Aber – das sind so viele, weil es eben wenige klassische Familiensituationen gibt in unserem Umfeld. Unsere Kitas leisten da Großes, aber es ist nicht einfach. Persönlich nutze ich die stille Zeit zur Lektüre der Bibeltexte dieser Tage. Ich versuche, diese Zeit jetzt intensiv geistlich zu nutzen und viel zu beten.

Christine Mungai, Pfarrei Heilige Edith Stein: Die wichtigsten Mittel zum Kontakthalten sind jetzt E-Mail und Telefon. Die Gemeindereferentin darf derzeit nur einmal pro Woche ins Büro kommen, sie arbeitet sonst von zu Hause. „Ich hatte jetzt gerade mein erstes Trauergespräch per Telefon.“  Gerade die Trauerpastoral sei derzeit schwierig. „Eine gute Verabschiedung eines Angehörigen ist allen Menschen wichtig.“ Aber es gebe strenge Auflagen dazu: Nur eine kleine Trauergruppe, nur am Grab, nicht in der Trauerhalle, eine kurze Beisetzung von etwa 15 Minuten, kein Weihwasser oder Erde am offenen Grab. „Wir können die Menschen nicht so begleiten, wie wir es wollen. Das bewegt mich sehr.“ Nach dieser „verrückten Zeit“ solle aber Raum für Abschied, Trauer und Gedenken mit besonderen Gottesdiensten geschaffen werden, planen sie und ihr Chef.

Dr. Udo Stenz, Pfarrei Heilige Cäcilia: Der Pfarrer hält über E-Mail Kontakt mit seinen Gemeindemitgliedern. Täglich versendet er an „einen ganz großen Kreis“ Impulse und kurze Nachrichten. Außerdem greift er oft zum Telefonhörer, gratuliert zum Geburtstag oder ruft Bekannte an, um zu fragen, wie es geht. Aus positiven Rückmeldungen weiß er, dass diese Form der Kommunikation gut ankommt. Generell gestalte sich die Arbeit anders, berichtet Stenz: „Es ist mehr Seelsorge“. Der derzeitigen Situation gewinnt er auch Positives ab. Sie biete viel Gestaltungsspielraum für das geistliche und kirchliche Leben, das Pastoralteam entwickle neue Ideen. (ako/hm)

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