Aus dem Bistum

Donnerstag, 06. Dezember 2018

Viel erreicht und noch viel vor

Berufsverband der Pfarrsekretärinnen und -sekretäre im Bistum Speyer wurde vor 25 Jahren gegründet

Veränderte Rahmenbedingungen: Der Berufsverband der Pfarrsekretärinnen setzt sich für eine Austockung der Stundenzahl und eine leistungsgerechtere Bezahlung ein. Foto: Derst

„Bei meiner Einstellung wurden die Arbeiten im Pfarrbüro noch vom Pfarrer selbst, seiner Haushälterin, seiner Schwester oder seiner Mutter übernommen.“ Wenn sich Gabriele Trowe an die Anfänge ihres Berufsleben vor 38 Jahren zurück erinnert, dann geht ihr durch den Kopf, dass sich vieles verändert hat. „Sie müssen ein bisschen telefonieren und Kirchenbücher führen“, habe es damals geheißen.

Nicht nur das hat sich komplett geändert, auch das Ansehen der Pfarrsekretärinnen und -sekretäre ist gewachsen. „Wir wurden früher als Helferin oder Schreibkraft bezeichnet“, erinnert sich Gabriele Trowe, die seit Beginn ihrer Tätigkeit in Frankenthal arbeitet. Dabei war das Aufgabengebiet der „Pfarrbürokräfte“, wie sie offiziell hießen, bereits damals umfangreicher und betraf nicht nur den verwaltungs-, sondern auch den seelsorglichen Bereich.


Geringe Wertschätzung

Die zu geringe Wertschätzung bewog die Pfarrsekretärinnen vor 25 Jahren hauptsächlich dazu, sich zu einem Berufsverband zusammenzuschließen. Die Gründungsversammlung fand am 13. Juli 1993 statt. Die Initiative ging von drei Speyerer Pfarrsekretärinnen aus. Ursula Gans, die im Pfarrbüro von St. Hedwig arbeitete, war eine von ihnen. Sie hatte von der Gründung eines Berufsverbandes von Kolleginnen und Kollegen im Erzbistum Freiburg gelesen und kam darüber mit ihrem damaligen Vorgesetzten, Pfarrer Bernhard Linvers, ins Gespräch. Der erkundigte sich beim Präses der neuen Gruppierung in der Nachbardiözese. „Ich fand die Idee gut und machte Ursula Gans Mut, auch im Bistum Speyer eine solche Interessensvertretung zu initiieren“. Gans hatte sich wiederum mit der Vorsitzenden des Berufsverbandes im Erzbistum Freiburg ausgetauscht. Linvers hat das Amt des Diözesanpräses übernommen und bis 2016 ausgeübt.

Gabriele Trowe führte den Verband in den ersten vier Jahren an. Sie spricht von „einer Art Aufbruchstimmung“, wenn sie über die Zeit der Gründung erzählt. Gleichwohl kam viel Arbeit auf den Vorstand zu, dem auch ein männlicher Kollege angehörte. „Das erste Ziel, das wir erreichten, war die Aufnahme der Pfarrsekretärinnen in den Schematismus der Diözese, in dem alle wichtigen Adressen und Besetzungen von kirchlichen Ämtern enthalten sind“, beschreibt Linvers die Anfänge. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren unter anderen die Erstellung eines Berufsbildes und einer Dienstordnung, die Einführung der Berufsbezeichnung „Pfarrsekretärin“ sowie die Erarbeitung einer Handreichung, in der die Standards für die Pfarrbüros beschrieben sind.

„Mir ist es wichtig gewesen, dass die Pfarrsekretärinnen aufgewertet werden. Denn sie sind der Erstkontakt der Katholiken zur Pfarrei“, bekräftigt Linvers. Dazu gehörte für den Seelsorger auch eine klare Definition ihrer Rechte sowie der Pflichten des Anstellungsträgers. „Zwar gab es Arbeitsverträge; dennoch kam es immer wieder vor, dass die Frauen beispielsweise als Protokollantinnen in den Sitzungen der pfarrlichen Gremien saßen, und dies nicht als Dienstzeit, sondern als Freizeit betrachtet wurde“, beschreibt Linvers die damalige Situation.


Neue Herausforderungen

„Durch die Gründung des Berufsverbandes setzten wir uns gemeinsam  dafür ein, dass die Pfarrsekretärinnen die gleiche Anerkennung bekommen wie die sonstigen hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeiter.“ Nach Ansicht von Linvers haben die Frauen in den vergangenen 25 Jahren schon viel erreicht. Diese Einschätzung teilt Gabriele Trowe, sieht ihren Berufsstand jedoch auch vor neuen Herausforderungen. „Die Anforderungen an uns sind nicht zuletzt aufgrund der Einführung der zentralen Pfarrbüros im Zuge von ,Gemeindepastoral 2015‘ gestiegen.“ Trowe begründet ihre Beobachtung mit der Zunahme der Verwaltungsarbeit und der Hektik sowie der geringeren Zeit für die Anliegen der Kirchenmitglieder. Auch der Austausch von Informationen unter den Kolleginnen bereite Probleme.

Für Regina Imhof, Schriftführerin im Vorstand des Berufsverbandes der Pfarrsekretärinnen, liegt letzteres vor allem an der Aufteilung der Aufgaben in verschiedene Bereiche. „Es läuft mittlerweile zuviel zusammen“, so die Sekretärin der Pfarrei Heilige Elisabeth in Annweiler.„Früher war im Pfarrbüro mehr los. Wir bekamen die Lebensläufe der Menschen mit, die zu uns kamen.“ Eine Informations- und Austauschplattform sei das Pfarrbüro gewesen, ergänzt Giulia Garise-Richter, Beisitzerin im Vorstand und Mitarbeiterin der Pfarrei Heilige Theresia vom Kinde Jesus in Bad Dürkheim.

„Wenn man für beispielsweise sechs Gemeinden zuständig ist, wie soll man da die Leute kennen?“, fragt Sabine Messemer, die seit einem Jahr den Vorsitz des Berufsverbandes der Pfarrsekretärinnen und -sekretäre im Bistum Speyer innehat. Sie bedauert, dass der Publikumsverkehr im Pfarrbüro abgenommen hat. „Für viele ist der Weg einfach zu weit, so dass sich die Leute zum großen Teil per Telefon oder E-Mail an uns wenden.“


Höhergruppierung gefordert

Insgesamt fordern die Pfarrsekretärinnen aufgrund des stark gestiegenen Arbeitsaufkommens und den komplexeren Anforderungen eine Aufstockung der Stundenzahl in den Pfarrbüros sowie eine leistungsgerechtere Bezahlung. Konkret geht es um eine Höhergruppierung von der Entgeltgruppe 5 nach 6 TVÖD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst). „Die Mitarbeiter in den Regionalverwaltungen werden viel besser bezahlt und erledigen viele Aufgaben, die früher im Zuständigkeitsbereich der Pfarrsekretärinnen lagen“, erklärt Messemer.

Die Frauen im Vorstand der 150 Mitglieder starken Interessenvertretung wünschen sich zudem für den Berufsverband mehr Unterstützung von Seiten der Diözese Speyer. „Es gibt etwa 250 Pfarrsekretärinnen im Bistum. Unser Verband möchte weiter wachsen und benötigt deshalb Informationen über Neueinstellungen von Kolleginnen und Kollegen“, betont Sabine Messemer. „In den Kirchenamtlichen Nachrichten tauchen wir nicht auf, was wir ebenfalls bedauern.“

Bei aller Kritik sehen die Pfarrsekretärinnen aber auch viel Positives an ihrem Beruf. „Er ist vielfältig und abwechslungsreich, weil man morgens häufig nicht weiß, was alles auf einem zukommt“, bringt es Giulia Garise-Richter auf den Punkt. „Und es gibt viel Zwischenmenschliches, das berührt.“ (pede)

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