Geistliches Leben

Mittwoch, 20. März 2019

Gott heißt: Ich bin, und ich werde mit dir sein

Gedanken zum Lukas-Evangelium 13, 1–9 von Diplom-Theologe Thomas Bettinger

Ein brennender Dornbusch. Der aber nicht verbrennt. Mose will sehen, was es damit auf sich hat. Da hört er aus dem Dornbusch ein Stimme, die ihn beim Namen ruft: „Mose, Mose!“ und er antwortet unvermittelt und ohne Zögern: „Hier bin ich.“ Und Gott beruft Mose als Führer seines Volkes Israel. In diesem Augenblick beginnt die Freiheitsgeschichte Israels mit seinem Gott.
Der brennende Dornbusch ist Sym-bol Gottes: Die Dornen stehen für die Unangreifbarkeit, Unbegrlichkeit Gottes. Gott ist Feuer: Sonne, die Licht, Wärme, Leben spendet. Da ist auch die verzehrende Glut, die unzugängliche Heiligkeit: „Lege deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.“ Der Dornbusch, der brennt, aber doch nicht verbrennt, ist Ausdruck des Unsagbaren, Bild des überkosmischen Gottes, der aber Ursprung und Garant des Lebens ist.

Mose zieht seine Schuhe aus, er verhüllt sein Gesicht aus Ehrfurcht. Er steht aber aufrecht vor Gott. Allein schon in diesem Stehen zeigt sich das Verhältnis Gott – Mensch. Gott macht den Menschen nicht klein, er knechtet ihn nicht, vielmehr achtet er den Menschen, den er nach sei-nem eigenen Bild, ihm selbst ähnlich geschaffen hat (Genesis 1, 26f). Er achtet in ihm sich selbst. Und wo die Würde des Menschen angetastet wird, wird auch seine Würde angetastet. Und er sieht das Leiden sein Volkes im Sklavenhaus Ägypten. Gott tritt aus sich heraus und „steigt herab“ aus Mitleid mit seinem Volk. Gott kommt zu seinem Volk, um es aus Unterdrückung und Ausbeutung in die Freiheit zu führen, in ein Land, in dem es in Würde und Freude leben kann. Er ist der „Gott für Welt und Mensch“ (Alfons Deissler).

Gott nimmt Mose in Dienst. Mose hat Ängste und Zweifel: Was soll ich den Israeliten sagen? Wie heißt der Gott, der mich schickt? „Da anwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt.“ Das hebräische Verb an dieser Stelle heißt „sein“, aber in einer dynamischen, in die Zukunft offenen Weise, es heißt: mehr werden, geschehen, ereignen. So könnte man besser formulieren: Gott ist der „Ich werde dasein, der ich dasein werde“. Gott ist der, der geschieht, der sich ereignet, der lebendig wirksam da ist, so wie er es früher war, heute ist und morgen sein wird. Vers 15 verbindet diese Wesensbeschreibung Gottes mit dem Namen Jahweh. Die neue Einheitsübersetzung schreibt an dieser Stelle in Großbuchstaben HERR. Sie tut das aus Respekt vor der jüdischen Tradition, den Namen Gottes aus Ehrfurcht nicht auszusprechen; Juden lesen anstelle des Gottesnamens „Adonai“, das heißt: Herr.

Gott offenbart sich Mose als Bundesgott. Sein Name ist Bundesname: Ich bin dein Gott! Gott bindet sich in Freiheit an sein Volk, das er in die Freiheit führen will. Er ist Gott für sein Volk, Gott für uns. Er ist nicht ein Gott an sich, für sich, in sich. Er ist der Gott, der sich öffnet hin zu Welt und Mensch und Zukunft und Hoffnung gibt (Jeremia 29, 11f).

Den im Dornbusch geoffenbarten Namen Gottes sprechen wir Christen täglich aus. Jesus heißt übersetzt „Jahweh ist Heil.“ Wenn wir diesen einen Namen meditieren, etwa im Jesusgebet, vergegenwärtigen wir das ganze Evangelium: „Ich werde mit dir sein und dich in eine gute Zukunft führen.“ (Thomas Bettinger)

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