Geistliches Leben

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ich gehöre niemandem – außer Gott

Das schränkt uns nicht ein, sondern macht uns erst richtig frei – Gedanken zum Matthäus-Evangelium 22, 15–21 von Pfarrer Daniel Zamilski

„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22,21) Und? Was gehört Gott denn? Die Schöpfung, das Universum, die Erde, „sein Volk“, der Mensch, jeder Mensch, ich und du – wir gehören Gott. Wie sollte es anders sein? Er ist ja der Schöpfer des Himmels und der Erde!

Aber sind wir nicht schon vergeben? Wir sind Kinder unserer Eltern, Sie sind Eltern Ihrer Kinder, das ist „meine“ Frau, „mein“ Mann, und wenn meine Mutter mich als Kind fremden Leuten vorgestellt hat, dann fast immer mit dem Satz: „Das ist unser Daniel“ – natürlich mit einer gehörigen Portion Stolz in der Stimme (meistens jedenfalls). Wir sind Arbeitnehmer unserer Arbeitgeber und sollten das tun, was unsere Dienstherren von uns wollen, wir hängen Gruppen, Vereinen und Parteien an, und nicht wenige vermachen einen beträchtlichen Teil ihrer Lebenszeit ihrem Hobby. Ja, das stimmt alles – aber all denen „gehören“ wir nicht, wir sind nicht deren Besitz oder deren Eigentum.

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“, sagt Gott nach dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 43,1), und in Psalm 100 heißt es: „Der Herr allein ist Gott. Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Gebt Gott, was Gott ist – wir gehören Gott, ob wir wollen oder nicht. Zugegeben: Das klingt auf Anhieb nicht gerade sympathisch. Eigentlich würden wir doch viel lieber uns selber gehören. Auf der anderen Seite müssen wir uns (wenn wir ehrlich sind) auch eingestehen: Oft sind wir Gefangene unserer selbst. Wie schwer fällt es uns, über unseren eigenen Schatten zu springen, unseren eigenen Tellerrand zu verlassen. Und wer kann schon so mir nichts dir nichts aus seiner eigenen Haut? „Meine engen Grenzen…“

„Ich gehöre niemandem – außer Gott!“, das könnte auch ein Befreiungsschlag sein. Und tatsächlich offenbart sich Gott in der Bibel weniger als Herrscher und König (das ist er sicher auch), aber an entscheidender Stelle entpuppt er sich viel mehr noch als Befreier – und das ist verblüffend! Welcher Gott – Schöpfer und Gebieter der Welt – ist denn einer, der befreit, der keine Leibeigenen will, keine Fronarbeiter, keine Opfer, sondern einer, der rausführt aus Zwängen und Kleinkariertheit? Das ist nur unser Gott! Wenn dir sein Name klar wird: Jahwe – das heißt auf gut Deutsch „Ich bin für dich da“ –, dann heißt das: „Ich bin keine Gefahr für dich; ich will nicht, dass du ein Zwangsarbeiter bist, der das sagt und macht, was andere wollen. Weil du mir gehörst, kann keine andere Macht von dir Besitz ergreifen; alles Leben verdankt sich mir und ich bin die einzige Macht, die es gibt, die von dir in einer Weise Besitz ergreifen kann, die dich nicht bevormundet und gängelt, sondern wo du ganz zu deinem eigenen Leben findest.“

„Gott ist mir innerlicher als ich mir selbst, aber so diskret, dass er mein Ich und meine Freiheit nicht verdrängt, sondern achtet“, sagt Augustinus (sinngemäß). Anscheinend ist es wirklich so: Weil wir Gott gehören – deswegen sind wir frei. Nur deshalb. Wir gehören Gott, wir sind sein Eigentum (vgl. Eph 1,14). Wir gehören Gott! „Niemand kann euch meiner Hand entreißen!“ (vgl. Joh 10,29). Niemand – auch wir selber nicht. Kein Mensch, nicht einmal der verbohrteste und hartherzigste, kann Gott dazu bringen, zu sagen: „Du gehörst nicht zu mir, mit dir will ich nichts mehr zu tun haben.“ Weil wir Gottes Eigentum sind, geht er jedem von uns solange nach, bis er uns „hat“. Und weil es ein befreiender Gott ist, ein Gott, der Liebe ist (1Joh 4,16), ist das das Beste, was uns passieren kann. Und: Diese Zusage gilt nicht nur vor dem Tod, die gilt genauso sicher nach dem Tod.

Dass wir Gott gehören, das ist die eine Seite. Dass wir Gott auch geben, was ihm gehört – also im Klartext: dass wir uns selbst Gott geben (was immer damit gemeint sein könnte) –, das ist die andere Seite. Der französische Denker Blaise Pascal schreibt dazu: „Wir wären unendlich überrascht, was Gott aus uns machen würde, wenn wir uns ihm ganz überließen.“ Wahrscheinlich hat er Recht!

Dazu passt der nachfolgende Liedtext aus dem Gotteslob Nr. 435:Herr, ich bin dein Eigentum, dein ist ja mein Leben. Mir zum Heil und Dir zum Ruhm hast du mir‘s gegeben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen.Deine Treue wanket nicht, du wirst mein gedenken, wirst mein Herz in deinem Licht durch die Zeit hin lenken. So weiß ich, du hast mich in die Hand geschrieben, ewig mich zu lieben.

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