Geistliches Leben

Mittwoch, 04. Dezember 2019

Aufbruch zu einer neuen Ordnung

Die Vision des Propheten Jesaja gilt auch für unsere Gesellschaft und für unsere Kirche

Die Bilder aus dem Buch des Propheten Jesaja – wie wir einige in der heutigen ersten Lesung finden – begleiten uns den ganzen Advent. Jesaja ist bitter enttäuscht von der Führung in Israel. Seit der Zeit des Königs David haben die Verantwortlichen das Volk in den Ruin geführt. Das Reich zerfällt in zwei Teile. Feinde von außen konnten nicht abgewehrt werden. Im Innern haben die Stärkeren die Schwächeren unterdrückt. Wer die Macht hat, hat das Recht. Die Armen und Ohnmächtigen sind der Willkür ausgeliefert.
Ein neuer David muss her – denkt Jesaja: Ein kluger, gerechter und frommer Mann, der seine Macht nicht missbraucht,  der die Menschen aufatmen lässt und Frieden bringt. In einem arabischen Gebet heißt es:  „Gelobt sei ER, der die  Zustände ändert.“ Das beschreibt Jesaja in einem wunderschönen Bild: „An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich auf ihm nieder.“ Was Gott begonnen hat, das lässt er nicht liegen. Gott steht zu seinem neuen Anfang; ER schenkt seinen Geist dazu. Wenn Gottes Plan verwirklicht wird, dann „ findet der Wolf Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen…der Löwe frisst Stroh wie das Rind“.
Was ist aus dieser Vision des Jesaja geworden? Die Hoffnung auf einen guten und gerechten König ist lebendig geblieben im Volk Israel durch viele Jahrhunderte hindurch. Die Hoffnung auf den jungen Trieb, der aus dem toten Baumstumpf Isais aufbricht, ist lebendig geblieben und half, Phasen der Resignation durchzustehen.
Und dann kam Johannes, der Täufer. Er sagte nicht: „Verändert die Welt,“  sondern: „Fangt an, euch zu verändern, das andere wird dann folgen. Und  bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt! Macht keine frommen Sprüche und beruft euch nicht darauf, dass ihr im wahren Glauben seid, sondern sorgt, dass in eurem Umfeld mehr Gerechtigkeit und Frieden ist!“
Johannes aber verstand sich nicht selbst als der von Jesaja erwünschte und erhoffte „Neue David“. „Der ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen“. So weist er auf Jesus hin.
Und als die ersten Jünger Jesu versuchten zu beschreiben, was sie mit ihm erfahren und erlebt hatten, fielen ihnen die Bilder des Jesaja ein. In Jesus von Nazaret ist der Traum des Jesaja Wirklichkeit geworden, gerade in dem, wie  er sich für die Kleinen, Hilflosen, Armen und Ausgegrenzten einsetzt; auf ihm ruht Gottes Geist. Und Gott hat ihn bestätigt, dass er ihn nicht im Tod gelassen, sondern in der Auferstehung zu neuem Leben erweckt hat.
Aber das Bild der Hoffnung in der Vision des Jesaja ist noch nicht ganz ausgeschöpft. Das Bild vom jungen Trieb aus dem toten Baumstumpf passt auch sehr gut in mein/n unser Leben, in die schwierige Lage unserer Kirche. Möge in so manches Festgefahrene, in so manche Enttäuschung wieder Hoffnungsschimmer fallen, dass alles Mühen Frucht bringt. Möge jede und jeder von uns in seinem Bemühen zu einem friedlicheren Zusammenleben Erfolge – wenn auch kleine – sehen. Helfen wir dem jungen Trieb zum Wachstum!

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