Geistliches Leben

Donnerstag, 17. Januar 2019

Weit mehr als das unbedingt Nötige

Jesu Weinwunder ist ein Beleg der Fülle in Gottes Schöpfung - Gedanken zum Johannes-Evangelium 2, 1-11 von Pastoralreferentin Simone Reuther

So einen Gast wie Jesus wünscht sich wohl jeder für seine Party! Die Situation des Brautpaares ist ja mehr als peinlich. Schlecht kalkuliert. Der Wein ist ausgegangen. Das Fest wird platzen, die Gäste werden unter Spott nach Hause oder in die nächste Wirtschaft gehen. Nachschub zu besorgen geht nicht mehr. Aussichtslos!

Der Evangelist Johannes erzählt die Geschichte der Hochzeit als das allererste Wunder Jesu. Jesus ist bis dahin noch unbekannt. Nur eine kleine Jüngerschar begleitet ihn. Keiner der Hochzeitsgäste kann, im Gegensatz zu uns als die Leser des Evangeliums, von der besonderen Aufgabe Jesu als guter Hirte, als Licht der Welt und als Brot des Lebens gewusst haben. Aber was für ein seltsames Wunder dies ist: Jesus beseitigt oder lindert hier keine existenzielle Not, keine Heilung von Blindheit, Lahmheit oder Besessenheit, sondern er verwandelt viel Wasser in noch mehr Wein. Ein Luxuswunder? Ein Taschenspielertrick eines Magiers? Damit wäre die Geschichte der Hochzeit zu Kana missverstanden. Sie gehört zu den Wundern (wie auch die Speisung der Fünftausend, wo körbeweise Brot und Fisch übrig bleiben), in denen Überfluss, Fülle und Heil im Mittelpunkt stehen.

Überfluss, Heil und Freude, das ist eine zwiespältige Sache in unserer heutigen Welt: Zum einen sehen wir, wie Gott uns mit Überfluss beschenkt, und dies gipfelt an Weihnachten in Jesus Christus. Weit mehr als das Notwendige! Die Schöpfung lebt vom Überfluss!
Ende letzten Jahres hat der damalige Kommandant der Internationalen Raumstation, Alexander Gerst, Bilder unserer Erde aus dem Weltall gesandt: Wunderschöne Bilder, die genau diesen Überfluss an Schönheit, Perfektion und Vielfalt zeigen! Man muss nicht einmal ein gläubiger Mensch sein, um zu erkennen, dass dies ein Geschenk ist. Es ist viel schöner, als es sein müsste, um einfach nur zu existieren. Wir haben so viel mehr bekommen! Gut, wir sind daran gewöhnt, wir dürfen es genießen und wir tun es. Und doch sind auf diesen Fotos aus dem Weltall bei genauem Hinsehen auch die Rauchwolken von Bränden, Kriegen und Vernichtung zu entdecken.

Zum anderen sehen wir also, wie viel der Welt fehlt: Wie wir mit Gottes überfließenden Gaben und Geschenken umgehen, wie der Überfluss weniger wird und sich Mangel einstellt: Gerodete Regenwälder, zerstörte Ozonschicht, Raubbau an Ressourcen, verschmutzte Meere. Und dies alles für den Konsum und Luxus Weniger auf Kosten Vieler.
Und so kommen wir doch wieder bei den leeren Weinkrügen von Kana an: leer die einst von Fischen bevölkerten Meere, leer die durch Kriege entvölkerten Landstriche, leer die Teller vieler Menschen, die nicht zu den Privilegierten gehören. Wir können selbst zu leeren Krügen werden. „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“, so beginnt das Lied von Huub Osterhuis. Wer füllt uns, wenn für uns, trotz der überfließenden Verschwendung, die Gott für uns bereithält, alles aussichtslos ist? Wenn mein Krug leer ist und ich nicht mehr kann?

Jesus sagt zu den Dienern: „Füllt die Krüge mit Wasser“, das heißt, füllt das hinein, was ihr habt. So sagt Jesus auch zu mir und dir: Fülle das hinein, was du hast, denn es ist nur scheinbar wertlos! Vertraue deinen Gaben und Fähigkeiten, die Gott dir mannigfaltig geschenkt hat. Aus diesem Wasser wird im Überfluss ein edles, kostbares Getränk.

So könnten wir nicht nur die Leere in uns, sondern auch auf dieser Erde füllen, es gibt genügend Ressourcen, die, sinnvoll genutzt, für alle reichen würden. Ohne uns aus der Verantwortung für diese Erde zu nehmen: Die Hoffnung auf ein gutes Ende können wir aus dem Bild der Hochzeit selbst nehmen: Immer wieder redet die Bibel von der Beziehung zwischen Gott und Mensch im Bild der Hochzeit. Gott und die Menschen versprechen sich, in Treue miteinander zu leben. So gewinnt das Weinwunder in Kana seinen ganz besonderen Sinn: Fülle und Treue kommen zusammen. Gott hält sich an das Versprechen, das er den Menschen gegeben hat, dem Volk Israel zuerst, dann auch allen anderen. Wo Menschlichkeit und Gottes Nähe sich verbinden, da zeigen sich Fülle, Überfluss, Heil und Freude. Um das zu sehen und zu spüren, müssen wir unsere Sinne offen halten. In Kana ging das Leben nach der Hochzeit der jungen Leute schnell wieder seinen gewohnten Gang. Aber die Fülle Gottes, von der wir Menschen leben, bleibt in Erinnerung.

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