Geistliches Leben

Mittwoch, 05. Februar 2020

Angesprochen und gefordert

Wir sind „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“

Dem Himmel so nah. Berge sind besondere Orte der Gottbegegnung. In der Bergpredigt verdichtet sich Jesu Rede von Gott. (Foto: actionpress)

„Salz der Erde“, „Licht der Welt“, „Stadt auf dem Berg“ – drei einfache, aber sehr eindrucksvolle Sprachbilder der „Bergpredigt“ im Evangelium nach Matthäus. Was oder wer ist damit gemeint? Hat das etwas mit uns zu tun?
Die Bergpredigt ist nicht nur die erste große Rede Jesu, sie enthält auch seine zentrale Botschaft. Schon die Hinführung zur Rede weist auf Entscheidendes hin. Jesus stieg auf einen Berg. „Dann begann er zu reden und er lehrte sie“.
In den acht Seligpreisungen, die Jesus seiner Rede voranstellt, werden die Haltungen des Menschen gepriesen, die sein Leben vor Gott gelingen lassen. Anders als die Fähigkeiten, die zu Ruhm und Erfolg und führen, werden hier Tugenden gepriesen, die den Menschen vor Gott „gerecht“ machen, die ein gutes Zusammenleben möglich werden lassen und die Frieden schaffen – jeweils hier und jetzt.
Im „Vaterunser“, dem zentralen Gebet der Bergpredigt, heißt es dann: „Dein Reich komme“. Diese Bitte setzt voraus, dass die Menschen „Frieden stiften“ und „arm sind vor Gott“, also offen für Gott.
Den Seligpreisungen folgen in der Bergpredigt diese drei sehr eindrucksvollen Bilder, eben die vom Salz der Erde, vom Licht der Welt und von der Stadt auf dem Berg.  Diese Leitbilder sind für jeden nachvollziehbar, denn sie sind aus der Alltagserfahrung genommen – es sind Urbilder, jenseits zeitlicher oder kultureller Grenzen.
Jesus richtet seine Worte an seine Jünger, aber auch an die Menschen, die ihm folgen. Ihnen allen wendet er sich zu, er begegnet ihnen in großer Zuneigung und Wertschätzung. Insbesondere die Bildworte selbst sind von außerordentlicher Wirkung. Jesus sagt nicht: „Ihr sollt Salz sein“, sondern, in direkter Ansprache: „Ihr seid das Salz“, „Ihr seid das Licht“. Welch ein Vertrauen! Freilich enthält das Vertrauen auch einen Auftrag. Kein Zweifel, dass am Ende der Rede „die Menge sehr betroffen war“. Gewiss auch seine Jünger, also die engere Schar derer, die Jesus folgten.
Hier stellt sich für uns die Frage: An wen sind die Worte vom Salz der Erde, vom Licht der Welt und der Stadt auf dem Berg heute gerichtet? Wenn wir uns als die verstehen, die Jesus nachzufolgen versuchen, dann sind sie an uns gerichtet und machen uns betroffen: „Ihr seid das Salz“. Ihr! Wir? Wirklich wir? Was ist dann die Konsequenz?
Wenn wir Christen wirklich „Licht der Welt“ sind, wird das Reich Gottes auf Erden ein Stück weit sichtbar. Wie kann das sein? Bleiben wir beim Vergleich der Bildworte: Salz bewahrt Speisen vor dem Verderben, Salz würzt die Speisen, Salz reinigt und heilt. Für die jüdischen Zuhörer damals hatte Salz zudem eine bedeutende Funktion beim Bundesschluss mit Gott. Im Buch Numeri (18, 19) wird der Bund Gottes mit seinem Volk Israel gar „Salzbund“ genannt.
Der Evangelist Matthäus sieht in der Gemeinde der Jünger Jesu das wahre Israel, diejenigen, die den Bund mit Gott lebendig halten und leuchten lassen. Das alles enthält bei Matthäus auch Kritik an seinem Volk, denn nun bilden für ihn die Jünger Jesu die „Stadt auf dem Berg“.
Freilich kann genau dies auch für die Christen, für die Kirche, für uns selbst Anlass zu unkritischer Überheblichkeit werden – und wurde es leider ja auch schon. Die Bildworte vom Salz, vom Licht und von der Stadt auf dem Berg dürfen keinesfalls selbstgerecht auf uns selbst und auch nicht auf „die Kirche“ verstanden werden. Diese Worte sind Zusage, aber auch Mahnung. Schützendes Salz und leuchtendes Licht kann die Kirche nur sein, wenn sie nicht Macht ausübt, wenn sie ihren Einfluss nicht missbraucht, sondern wenn sie sich vom Geist Jesu leiten lässt, der in den Seligpreisungen deutlich wird.
Konkret bewusst wurde mir der Sinn dieses Bildwortes bei einer Schiffsfahrt in der Ägäis mit Ziel Santorin. Diese weiße, leuchtende Stadt auf dem Berg kann nicht verborgen bleiben. Die Gemeinde Jesu soll es nicht.
Das Wort vom „Licht in der Welt“ ist besonders einprägsam und verständlich. Bei einem Flutlichtspiel im Frankfurter Waldstadion habe ich es einmal erlebt: Der Strom fiel aus. Plötzlich war es völlig dunkel. Dann zündete einer ein Feuerzeug an – für einen Moment ein starkes Zeichen: Auch der einzelne kann leuchten. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten“.
Jesus verwendet die so eindrucksvollen Symbole, um denen, die ihm folgen, um der Kirche die Dienste an und in der Welt zu zeigen. Das seid Ihr: Salz der Erde! Licht der Welt! Die Stadt auf dem Berg! Wie wird die Kirche, wie werden wir dieser Herausforderung gerecht?

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Dr. Helmut Husenbeth
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