Geistliches Leben

Mittwoch, 11. Juli 2018

Ballast abwerfen, frei werden

Nur so können wir uns von Gott erfüllen lassen - Gedanken zum Markus-Evangelium 6, 7-13 von Pastoralreferentin Luise Gruender

Viele von uns sind gerade in den Urlaubsvorbereitungen. Ist es nicht völlig lebensfremd, was Jesus hier von seinen Jüngern erwartet? Er ruft die Zwölf zu sich und sendet sie paarweise aus. Auf ihrenWegen dürfen sie nur das Nötigste mitnehmen: EinenWanderstab, der auch als Verteidigungsinstrument gegen Angreifer oder Tiere gelten kann und Sandalen an den Füßen. Also wenn ich mir meinen Koffer so anschaue, dann packe ich schon gerne ein zweites Hemd, einige Vorräte und vor allem Geld, bzw. eine Kreditkarte ein.

Aber es gibt da schließlich auch einen grundlegenden Unterschied zu meiner Urlaubsreise. Jesus gibt den Jüngern einen klaren und umfassenden Auftrag. Sie sind gesandt, die Welt zu entdämonisieren, dazu erhalten sie eine Vollmacht. Es geht also gar nicht um die Verkündigung des Wortes, sondern um eine umfassende Heilung, um die Bedingung der Möglichkeit, von Gott berührt zu werden. Hier geht es also vor allem um die Wirkung von Predigt.

Radikal der Sorge Gottes und dem Wohlwollen derMenschen ausgesetzt, sollen sich die Jünger auf den Weg machen und von Gott erzählen. Dabei sollen sie ihre Anspruchslosigkeit auch insofern deutlich machen, als sie nicht auf der Suche nach einem möglichst angenehmen Ort das Haus, in dem sie zuerst aufgenommen worden sind, wechseln. Es ist also keine Urlaubsreise – so wie wir sie planen, an einen möglichst schönen Ort, sondern es ist eine Sendung, bei der ich nicht im eigenen Namen handle, sondern im Auftrag eines anderen – im Auftrag Gottes. Durch Jesus erhalten die Jünger diese Sendung und werden ausgestattet mit genau dieser Vollmacht Gottes. So machten sich die Zwölf auf
den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Es darf dabei nicht bei Schönrederei bleiben. Denn ohne Umdenken und Umkehren bleiben wir dem Reich Gottes fern.

Auch, was die Jünger bei Ablehnung zu tun haben,klärt Jesus vorab. Sie sollen
den Ort ohne viel Aufhebens wieder verlassen, allerdings mit einer deutlichen Geste: Den Staub sollen sie sichtbar von ihren Füßen schütteln. Es ist dies ein Ritus der Reinigung, den Israelitinnen und Israeliten bei ihrer Rückkehr aus heidnischem Lande vollzogen. Vielleicht können wir diesen Akt folgendermaßen übersetzen: Wenn jemand euch und eure Botschaft nicht aufnehmen will, dann
schüttelt alles ab, was diese Begegnung an Negativem hinterlassen könnte. Und geht unbeirrt weiter.

Dabei ist das doch so schmerzhaft, wenn man jemandem helfen möchte und es nicht kann, wenn man jemandem etwas Gutes tun will, der das aber gar nicht möchte.Das ist ein Gefühl, das wir alle kennen.D  enn jeder und jede von uns wollte bestimmt schon mehr als einmal einen Menschen quasi zu seinem Glück tragen. Ich denke an so viele gute Ratschläge, die ich ehrlichen Herzens gegeben habe, die aber auf taube Ohren stießen. Und was das für einen Schmerz bereitet, erleben zu müssen, wie jemand, den man mag, mit dem Kopf gegen die Wand läuft und man nichts dagegen tun kann, weil er sich nichts sagen lässt, weil er sich einfach nicht helfen lassen will. Da versucht man alles und muss am Ende einsehen, dass man es eben nicht erzwingen kann.

So ist es sicher auch den Jüngern ergangen. Sie konnten die tollsten Angebote
setzen, geplant von einer ungeheuren Qualität, und es wird immer einige gegeben haben, die einfach nicht wollten, die gleich den Kopf schüttelten, von vorneherein wussten, dass das nichts für sie ist, ohne überhaupt genau hingeschaut zu haben. Das ist keine neue Erscheinung, damit hatte auch schon Jesus zu kämpfen. Nicht umsonst hat er deshalb seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben, dass dort, wo Menschen nicht wollen, Menschen eben auch nichts ausrichten können.

Seid jederzeit bereit Rechenschaft abzulegen, von der Hoffnung die Euch erfüllt, überall, wo man es hören will, wo Menschen dafür die Ohren und vor allem die Herzen öffnen, kündet überall dort von der Hoffnung, die Euch leben lässt – wo man aber absolut nicht will, dort kann man auch nichts erzwingen.

Manchmal schmerzt das, manchmal schmerzt das sehr, aber wir brauchen daran nicht zu verzweifeln. Wenn Jesus sagt: „... dann geht weiter...“, bedeutet das ja nicht, dass damit alles zu Ende wäre. Vielleicht sind es andere, die helfen können, zu anderen Zeiten, und selbst wenn Menschen es nicht fertig bringen: Gott ist schließlich auch noch da. – Er ist es, der trägt! Er trägt uns, und er trägt jeden Menschen – zum Glück.Und mit diesem Wissen dürfen wir jetzt in Urlaub
reisen... – auch mit zwei oder drei Koffern.

Nutzen wir die Ferienzeit, um uns in der Gegenwart des Herrn zu sammeln und seinen Umkehrruf in uns einzulassen. Er lädt uns ein, dass wir so manchen sonstigen Ballast abwerfen und dass wir als Christen einfach freier werden. Macht euch keine Sorgen!, sagt Jesus. Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Gerade wer mit leeren Händen zu Gott kommt, der ist frei, um seine Gaben zu empfangen.

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